Spirituelle Impulse 2017

Pfingsten – das „vergessene“ Fest

     

„Pfingsten, das liebliche Fest, war gekommen;

Es grünten und blühten Feld und Wald …“ (J.W. v. Goethe; aus Reineke Fuchs)

 

Liebe Leserinnen und Leser unseres Kirchenzettels,

Pfingsten – das „vergessene“ Fest, so könnte man es nennen. Nun rein liturgisch und liturgiegeschichtlich ist Pfingsten auch gar kein selbständiges Fest. Pfingsten ist der 50. und letzte Tag des Osterfestkreises, darauf weist bereits der Name des Festes hin:

„Pentekoste“ ist griechisch und bedeutet ganz einfach fünfzig. Pfingsten schließt den Osterfestkreis ab. Gleichwohl hat dieses Fest am Abschluss der Osterfestzeit eigene Inhalte. Nur Welche?

Bereits Goethe beginnt seinen Reineke Fuchs mit Pfingsten, nimmt aber mit keiner Silbe Bezug zum Inhalt des Festes, sondern lediglich zur Jahreszeit, auf die es (jedenfalls auf der Nordhalbkugel des Planeten) fällt. Ich zitiere mal ausnahmsweise Angela Merkel: „Wenn Sie mal Aufsätze in Deutschland schreiben lassen, was Pfingsten bedeutet, dann würde ich mal sagen, ist es mit der Kenntnis übers christliche Abendland nicht so weit her. Und sich anschließend zu beklagen, dass sich Muslime im Koran besser auskennen, finde ich irgendwie komisch.“ (Angela Merkel am 03.09.2015 in Bern)

Man mag zu diesen Sätzen der Bundeskanzlerin und auch zum Kontext, in dem sie gesprochen sind, stehen wie man will. Aber bei Weihnachten werden wir noch von relativ vielen Leuten auf der Straße zumindest halbwegs zutreffende Antworten erhalten, bei Ostern wird’s schon schwieriger und Pfingsten scheint heute eher etwas für „Kenner“ des Christentums zu sein, für die „Einser-Schüler“ in Religion.

Nun – ich unterstelle mal Ihnen bzw. Euch, den Leserinnen und Lesern unseres Kirchenzettels, dass Sie wissen, was wir an Pfingsten feiern und wo das Fest neutestamentlich verankert ist:

„Als der Pfingsttag gekommen war, befanden sich alle am gleichen Ort.

Da kam plötzlich vom Himmel her ein Brausen, wie wenn ein heftiger Sturm daherfährt, und erfüllte das ganze Haus, in dem sie waren.

Und es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich verteilten; auf jeden von ihnen ließ sich eine nieder. Alle wurden mit dem Heiligen Geist erfüllt und begannen, in fremden Sprachen zu reden, wie es der Geist ihnen eingab.“ (Apg 2,1-4)

Pfingsten, das Fest der Herabkunft des Heiligen Geistes, ist das Fest des Übergangs. Jesus Christus ist nicht mehr leibhaftig bei den Seinen, sie müssen auf eigenen Füßen stehen. Es beginnt das, was man später „Kirche“ genannt hat und nennt. Denen, die Pfingsten erlebt haben ging es nicht darum ein „christliches Abendland“ zu erschaffen. Dieser Begriff ist vom Machtanspruch der beiden christlichen Kaiser im Osten und im Westen geprägt und von Anfang an politisch und mit durchaus irdischen “Reichsideen“ verknüpft. Denen, die Pfingsten erlebt haben, ging es aber eben nicht um Macht und Politik, sondern um nichts Geringeres als um eine bessere Welt und um ein „Reich, das eben nicht von dieser Welt ist“. Und Pfingsten erlebt – das haben nicht nur ein paar zunächst verschreckte Jüngerinnen und Jünger Jesu vor fast 2000 Jahren, das haben alle, die irgendwann von der Botschaft des Mannes aus Nazareth, von der Botschaft des Gekreuzigten und Auferstandenen ergriffen worden sind, durch die Jahrhunderte bis heute.

Pfingsten ist die Geburtsstunde der Kirche, der Kirche im besten und eigentlichen Sinn des Wortes: „Kyriakon oikon“ = Haus des Herrn, oder „ekklesia“, was ursprünglich in den griechischen Demokratien, sowas wie eine „Bürgerversammlung“ gemeint hat, wurde übertragen auf die Versammlung all derer überall auf der Welt, die ihre Hoffnung auf den Gekreuzigten und Auferstandenen setzen.

Mit Pfingsten beginnt das Christentum zu wachsen und zu grünen und zu blühen – über alle Grenzen und Sprachgrenzen und weltliche Machtbereiche hinweg. Und jetzt bin ich wieder bei Goethes Bild von Pfingsten als Fest, an dem alles grünt und blüht.

Lassen wir es Pfingsten werden, nicht nur am 50. Tag des Osterfestkreises, sondern an jedem Tag unseres Lebens, an jedem Tag, an jedem Tag, an dem die Welt sich dreht. Unser Leben und diese Welt brauchen Pfingsten – heute mehr denn je.


Ihr / Dein / Euer                                                                                            Kurat Peter Priller

 

 

 

Reformation und Alt-Katholisch

Liebe Gemeindemitglieder,

liebe Freundinnen und Freunde der Gemeinde!

das Reformationsgedenken begegnet einem im Jahr 2017 auf Schritt und Tritt. Stimmen in den verschiedenen ökumenischen Gruppen werden laut, dass das vor allem eine Veranstaltung der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und der römisch-katholischen Kirche sei. Und doch hat die 500ste Wiederkehr der Reformation auch etwas mit uns, der alt-katholische Kirche zu tun.

 

Die alt-katholische Kirche ist zwar keine Kirche der Reformation, aber sie ist aus einem Protest hervorgegangen. Wie sehr haben sich unsere Eltern darum bemüht katholisch aber nicht römisch zu sein, eine Reform durchzuführen, aber keine Reformation!? Die alt-katholische Kirche wurde manchmal mit Schlagwörtern belegt, die eher als Kampfbegriffe zu verstehen waren: „Die alt-katholische Kirche ist eine neu-protestantische Kirche“; „sie ist weder alt noch katholisch“. Heute lässt sich sagen, dass ­beides gar nicht so falsch ist. Die alt-katholische Kirche ist im Wortsinn eine protestantische Kirche und zählt erst süße 145 Jahre. Und die Bezeichnung „katholisch“ passt auch nicht, wenn darunter konfessionell „römisch-katholisch“ verstanden wird.

 

Als sich die alt-katholische Bewegung nach 1870 zu einer eigenständigen Kirche entwickelte, waren Kontakte auch zu den evangelischen ­Kirchen wichtig. Ein Ziel war ja die Aussöhnung der getrennten Kirchen, insbesondere mit den orthodoxen und den protestantischen Kirchen. So gab es auch deutliche Einflüsse aus der evangelischen Tradition: Das biblische Wort rückte in den alt-katholischen Gemeinden wieder ­stärker ins Zentrum der Verkündigung. Die Geistlichen wurden verpflichtet ihrer Predigt den biblischen Text zugrunde zu legen. Es entstanden alt-katholische Andachtsbücher für das tägliche Gebet mit rein biblischen Betrachtungen. Bereits in die ersten alt-katholischen Gesangbücher wurde evangelisches Liedgut aufgenommen. Auch die synodale Verfassung der Kirche ist eine Gemeinsamkeit, die uns verbindet. 1985 folgte dann die gegenseitige Einladung zu Abendmahl bzw. Eucharistie und 2016 die gegenseitige Anerkennung von Firmung bzw. Konfirmation. Mit den anglikanischen Kirchen (1931) und der (ev.-luth.) Kirche in Schweden (2016) sind wir in voller Kirchengemeinschaft. Für uns als eine zahlenmäßig kleine Kirche ist auch die Zusammenarbeit mit der EKD in den diakonischen Werken wie z.B. „Brot für die Welt“ wichtig.

 

In den vergangenen Jahrzehnten definierte sich die alt-katholische Kirche so immer mehr als Brücken-Kirche zwischen der römisch-katholischen und der evangelischen Kirche. Eine Brücke spannt sich zumeist über einen Fluss. So verbindet die alt-katholische Kirche den Schatz der Tradition und die Früchte ­synodaler Strukturen. Bewegen sich die Brücken­köpfe, tut sich für die Brücke die Gefahr auf, zerrissen oder zerquetscht zu werden. Die Statik ist auch in Gefahr, bewegt sich die Brücke selbst. So erlebte das unser Bistum im Nachgang zum Vaticanum II, so erlebt sie es, wenn die EKD neue Entscheidungen trifft und nicht zuletzt, wenn im Bistum selbst ein Kern-Thema der katholischen Tradition aufs Tablett kommt, wie die Sakramenten-Theologie. Worin zeigt sich dann aber die Brücken-Stellung unserer Kirche? Will sie zwischen der römisch-katholischen und den evangelischen Kirchen vermitteln? Will sie eine Mittelstellung „dazwischen“ einnehmen? Will sie mit möglichst allen Kirchen befreundet sein?

 

Ich fände es schade, wenn sich eine Kirche vorrangig über ihr Verhältnis zu „den anderen“ definieren würde. Die Brückenbögen, die geschlagen werden, können immer nur Beziehungen sein, die hüben und drüben einen Anker brauchen. Wir als alt-katholische Kirche können also lediglich eine ebenso selbständige Landmasse sein, wie es offensichtlich die anderen Kirchen sind, auf der dann solche Brückenbögen ankern können. In diesem Sinne erinnert auch uns das Reformationsgedenken 2017 daran: Wir können nur verlässliche Partnerin sein, wenn wir einen eigenen Stand haben und wissen, wer wir sind und wohin wir wollen.

 

Ihr Thomas Mayer, Pfarrvikar

 

 

 

Von der Asche zum Feuer - hier kehrt sich was um

Das müsste doch umgekehrt lauten: Zuerst kommt das Feuer und dann, als sein Ergebnis, bleibt die Asche übrig. So ist es ja auch in der Realität.

Die Symbole und Bilder des Osterfestkreises sind aber genau umgekehrt. Der Osterfestkreis beginnt mit dem Symbol der Asche. „Gedenke, o Mensch, dass du Staub bist und zum Staub wirst du zurückkehren! – Kehr um und glaub an das Evangelium!“ Dann folgt die 40-tägige österliche Bußzeit. An deren Ende steht das Symbol des Feuers. In der Osternacht wird neues Feuer entzündet, gesegnet und seine Flamme über die Osterkerze an alle weitergegeben. Das Feuer führt uns hinüber von der 40-tägigen Zeit der Buße und Besinnung zur 50-tägigen Zeit des Festes und des Feierns. An deren Ende hören wir nochmal vom Feuer: Am Pfingstfest, vom Feuer des Heiligen Geistes.

Hier ist  bewusst etwas umgekehrt. Und „Umkehr“ ist ja auch das Schlüsselwort der österlichen Bußzeit, der „Fastenzeit“ wie sie gemeinhin genannt wird. Wir sind es gewohnt, da erst mal an Umkehr im persönlichen Leben zu denken: Was will ich ab dem Aschermittwoch anders machen, worauf will ich verzichten und so weiter. Die einen sehen darin eine willkommene Einladung, die eigenen Gewohnheiten zu überdenken und das Eine oder Andere umzukrempeln. Die anderen empfinden das als „moralinsaure“ Bevormundung. Aber egal – darum geht’s mir hier jetzt gar nicht. Das muss jeder Mensch für sich entscheiden. Ich möchte diese Umkehr weiter deuten, auf die ja allein schon das Symbol der Asche hinweist und noch viel mehr die umgekehrte Reihenfolge, erst Asche, dann Feuer. Hier tun sich Dimensionen auf, die weit über „gute Vorsätze“ oder sowas hinausgehen.

Die erste Dimension, die ich in dieser Umkehrung sehe, ist die Dimension des eigenen Lebens.  Asche ist normalerweise etwas Totes, scheinbar Wertloses. Da kommt nichts mehr heraus.  Aber stimmt das? In früheren Zeiten, ehe es Waschmittel gab, hat man die weiße Asche zum Wäschewaschen verwendet. Sie kann also reinigend wirken. Wer über Asche im Haushalt verfügt (was im Gegensatz zu früher heute eher nur noch eine Minderheit tut) kann sie im Winter auch als Streumittel auf dem Eis verwenden. Sie gibt Halt, wenn der Boden glatt wird. Und Asche ist nicht inhaltslos. Wer Asche und einen Garten zur Verfügung hat, streut sie auch mal auf den Kompost, sie birgt chemische Elemente und reichert den Humus an. Asche kann also reinigen, Halt geben und Nährboden bieten, auf dem neues wachsen kann.  Asche ist ein Produkt der Vernichtung - ja. Ein verbranntes Holzscheit ist weg und vernichtet – unwiederbringlich. Und alles, was verbrannt ist, ist fort und weg und kommt nicht wieder. Dennoch ist die Asche weder wertlos noch nutzlos.

Asche wird zum Symbol des Neuanfangs, der Umorientierung. Die meisten Menschen erleben solche „Aschenereignisse“: Träume zerplatzen, Beziehungen zerbrechen, Existenzen scheitern, Fundamente, auf denen das bisherige Leben beruht  hat, brechen weg. Aus Asche lässt sich das Alte nicht wieder aufbauen. Aber das, was vorher war; ist nicht wertlos und nicht nutzlos. Das, was war, kann mich läutern, reinigen, es kann mir Halt und Sicherheit geben, wenn der Boden wieder glatt und rutschig wird. Auf der Asche meiner Verluste und Zusammenbrüche kann Neues entstehen und wachsen, wenn ich diese Asche einbringe, einsetze, nutze. Die Asche am Anfang der Fastenzeit wird auch zum Symbol der Versöhnung verschiedener Teile meines Lebens. Und daraus wächst Hoffnung, wächst Chance auf was Neues. Und dann wird der Tag kommen, an dem ich ein neues Feuer entzünde und sein Licht und seine Wärme auch wieder weitergeben kann.

Das Weitergeben des Feuers hebt uns auf eine höhere Dimension dieser Symbolik und ihrer umgekehrten Reihenfolge: Die soziale Dimension. Aus Asche wird nichts, wenn ich sie nicht nutze,  nicht einsetze. Und auch das neue Feuer brennt runter und erlischt, wenn ich seine Flamme nicht erhalte und weitergebe, so wie das in der Osternacht von der Osterkerze aus, die am neuen Feuer entzündet wird, geschieht.

Schon die Philosophen der Antike haben erkannt: Der Mensch ist ein „Zoon politikon“, ein „animal sociale“ – auf Deutsch: Ein Gemeinschaftswesen. Es hilft nichts, wegen der Katastrophen der Geschichte und vor den Herausforderungen unserer Zeit zu resignieren. Und wir vertun uns die Chance, die Welt besser zu machen, wenn wir die Asche der Katastrophen, ausblenden oder wegleugnen, wie das nicht wenige nur allzu gern tun. Es liegt an uns, daraus etwas Neues, etwas Besseres zu machen. Das geht aber nicht, wenn man die Asche in die Tonne des Vergessens und Verdrängens klopft, sondern nur wenn man sie in die Hand nimmt und den Mut hat, daraus etwas wachsen zu lassen. Und das Licht und die Wärme eines Feuers werden sich nur erhalten, wenn ich dieses Feuer empfange und weitergebe.

Mit der dritten Dimension, die in der Symbolik steckt, kann nicht jeder Mensch was anfangen, sie ist Glaubenssache: Die religiöse bzw. die christliche Dimension. Doch wer sie fassen kann, wird die beiden erstgenannten Dimensionen – die persönliche und die soziale Dimension – von selbst darin wiederfinden. Diese ganze Aschen- und Feuersymbolik macht sich fest an der Botschaft des Osterfestes. Der Tod Jesu und die Botschaft vom leeren Grab lassen auf der Asche der Sinnlosigkeit und Verzweiflung Neues wachsen. Das schwarze Loch des Todes, vor dem jeder Mensch steht, die scheinbare  Sinnlosigkeit des Leidens der Menschheit und der ganzen Schöpfung werden wir nicht mit dem Verstand auflösen können. Der Osterglaube sagt: Es gibt mehr als du begreifen kannst. Und alles, was geschieht und geschehen ist findet im Letzten seinen Sinn – so wie die Asche, die aus dem Feuer kommt …

Besinnliche Tage der österlichen Bußzeit und ein frohes, gesegnetes Osterfest wünscht

 

Ihr / Dein / Euer                                                                        Kurat Peter Priller

 

Barmherzigkeit – (k)ein Jahresthema ! ?

Liebe Gemeindemitglieder,

liebe Freundinnen und Freunde der Gemeinde!

das von Papst Franziskus für 2016 ausgerufene Jahr der Barmherzigkeit ist zu Ende gegangen und es ist tatsächlich das passiert, was ich mir beim besten Willen nicht vorstellen konnte, die Tore der Barmherzigkeit wurden wieder geschlossen. Nicht nur die zu Beginn des Heiligen Jahres geöffnete Heilige Pforte im Petersdom, sondern auch die in vielen Bischofskirchen eingerichteten Tore der Barmherzigkeit. In einem Bistum führte das dazu, dass mangels einer bisher verschlossenen Tür vor dem Dom ein Tor der Barmherzigkeit aufgestellt wurde, durch das man gehen konnte, das aber nirgendwo hinaus oder hinein führte. In den meisten Kathedralen wurden freilich sonst bisher verschlossene Türen zum Tor der Barmherzigkeit erklärt, oft künstlerisch interessant gestaltet und feierlich eröffnet. Am letzten Sonntag des Kirchenjahres 2016 wurden sie jetzt genauso feierlich wieder zugemacht. In der Pressemitteilung eines Bistums war der Hinweis zu lesen: Tore der Barmherzigkeit – nur noch wenige Tage geöffnet. Wer so eine Tür wieder schließt, zerstört die Symbolik oder verkehrt sie ins Gegenteil. Der Zugang zur Barmherzigkeit kann nicht einfach wieder abgebaut, versperrt oder zugemauert werden, da tröstet auch das Versprechen, Barmherzigkeit werde auch weiterhin ein zentrales Thema kirchlichen Lebens sein, nur wenig.

Barmherzigkeit ist tatsächlich kein Jahresthema, sondern eine zentrale Botschaft im Leben und Wirken Jesu, der in seinem Umgang mit den Menschen und seiner Verkündigung die Barmherzigkeit Gottes zu vermitteln versteht. Gott ist einer, der ein weites Herz hat, ein barmherziger Gott, der niemanden verloren gibt (ich denke an den verlorenen Sohn, an das verlorene Schaf, an Jesu Umgang mit Sündern, Bedürftigen und Ausgegrenzten), einer, der sich um jede und jeden sorgt.

Die Rede vom barmherzigen Gott richtet sich zum einen an die Menschen, die wirklich der Barmherzigkeit bedürfen, aber und das scheint mir noch dringlicher, vor allem an die Menschen, die barmherziges Handeln eher verhindern, denn die Botschaft Jesu ist: „Seid barmherzig, wie auch Euer Vater im Himmel barmherzig ist.“ Lk  6,36

Aus meiner Sicht sind die Adressaten der Barmherzigkeit damals wie heute deshalb vor allem legalistisch Denkende und Handelnde.

Viele, die vermeintlich der Barmherzigkeit bedürfen, fühlen sich zu Recht auch gar nicht angesprochen.

Die wiederverheirateten Geschiedenen wollen nicht auf Dauer als die permanent geduldeten Sünder gesehen werden und die homosexuell Liebenden erleben sich nicht als Sünder, die auf Barmherzigkeit angewiesen sind. Sie wollen mit ihrer Lebensgeschichte, mit ihren Erfahrungen und Gaben angenommen und geachtet werden. Es geht um Anerkennung, nicht Duldung – auch nicht um Barmherzigkeit.

Bischof Matthias Ring hat in seinem Bischofsbericht bei der Synode im Hinblick auf die Verwendung des Begriffs Barmherzigkeit zur Vorsicht gemahnt. Barmherzigkeit setze nämlich „ein hierarchisches Gefälle voraus. Barmherzigkeit ändert nicht die Regeln. Sie verzichtet nur auf deren Umsetzung.“

 

Barmherzigkeit ist kein Gnadenakt, sondern Ausdruck der liebenden Zuwendung Gottes zum Menschen, daran sollen wir uns orientieren.

„Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch“ Ez 36,26

– mit dieser Verheißung dürfen wir in das kommende Jahr 2017 gehen. Diesen Vers aus dem Buch Ezechiel hat die ökumenische Arbeitsgemeinschaft für Bibellesen (ÖAB) als Jahreslosung ausgewählt. Das Herz meint im Hebräischen das Innerste eines Menschen, es ist der Sitz des Verstandes, der geistigen Fähigkeiten, es ist aber auch der Sitz der Gefühle, wie Mut und Freude, aber auch von Kummer und Leid. Das Herz ist der innere Antrieb, aus dem heraus ein Mensch handelt und deshalb kann Ezechiel den Menschen, derer Herz verstockt ist, von Gott her sagen: „Ich nehme das Herz von Stein aus Eurer Brust und gebe Euch ein Herz von Fleisch“.

 

Ich sehe die Jahreslosung auch als Einladung, an Gottes Barmherzigkeit Maß zu nehmen.

 

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen gesegnete Zeit!

Ihr

Siegfried J. Thuringer, Pfr.

 

 

 

Ab 4. Oktober immer mittwochs

19.30 Uhr Workshop Christbaumschmuck

Wochenende 13. - 15. Oktober

Ökumenisches Bibelwochenende

Samstag, 11. November

10.00 Uhr  - 13.00 Uhr baf-Frauenfrühstück

Sonntag, 12. November

10.00 Uhr Familiengottesdienst

Sonntag, 19. November

10.00 Uhr Firmung in St. Willibrord