Spirituelle Impulse 2012

„Es wird ein Stern aufgehen ...“

so heißt ein neueres beliebtes Adventslied, das wir als Überschrift über unser Adventskonzert am 13. Dezember gesetzt haben.

 

„Die Dunkelheit verschlingt die Welt. / Die Finsternis und große Kält, / sie decken alles Leben zu. / O Gott im Himmel, hilf uns du!
Es wird ein Stern aufgehen, / Immanuel mit Nam. / Ein Wunder wird geschehen, / Gott zündt ein Licht uns an.

Die Menschen sehnen sich nach Licht. / Und Gott, der Herr, verlässt sie nicht. / Viel tausend Jahr sie warten schon. / Propheten künden Hoffnung an: Es wird ein Stern aufgehen ...“

 

Ich würde diese Überschrift gern über die ganze kommende Advents- und Weihnachtzeit, ja über das ganze kommende Jahr setzen.

Viele Menschen haben Angst: Die einen projizieren ihre Angst in Weltuntergangsphantasien, andere sind bewusst oberflächlich, lassen gar nichts an sich heran und die dritten – das sind die gefährlichsten – meinen sie müssten durch Fanatismus uns Fundamentalismus die Menschen zu diesem oder jenem Verhalten zwingen oder von anderen Dingen abhalten, um dem Zorn Gottes zu entgehen.

 

Alles Blödsinn! Das sag ich mal bewusst provozierend als Christ, der sich der Aufklärung verpflichtet weiß. Leider ist das teilweise sehr gefährlicher Blödsinn.

Klar: Die politische, wirtschaftliche, ökologische und gesellschaftliche Situation auf dieser Welt ist durchaus ernst. Doch der gläubige Mensch unterscheidet sich vom ungläubigen dadurch, dass er Vertrauen hat, Vertrauen wie ein kleines Kind an der Brust seiner Mutter. Und der aufgeklärte Mensch unterscheidet sich vom unaufgeklärten dadurch, dass ihm diese Haltung bewusst ist und lernt, selbst Verantwortung zu übernehmen. Weder Aberglaube noch blinder Dogmatismus können irgendwas retten, sondern Vertrauen und Verantwortung. Das ist kein Widerspruch, sondern beides ist menschliche Realität.

 

Seit Jahrhunderten feiern wir Christen Weihnachten. In unseren Tagen und in unseren Gegenden ist das bei vielen Menschen mit Gefühlen verbunden. Ich denke, dass das auch sein darf. Das gehört zum Menschsein dazu. Und diese Gefühle könnten uns lehren, Vertrauen zu entwickeln. Wenn ich die Botschaft von Weihnachten auf ihren Kern reduziere, dann heißt diese: Gott ist mit uns! Als Mensch unter Menschen. Nicht unerreichbar hoch im Himmel, sondern da, wo Menschsein passiert, tagtäglich in allen Glanzpunkten genauso wie in allen Niederungen menschlicher Existenz. Zu einem Gott, den weder Armut noch der Verbrechertod am Kreuz abgehalten haben, den Menschen nahe zu sein, zu dem kann ich Vertrauen haben. Und aus diesem Vertrauen heraus kann ich Schritt für Schritt Verantwortung übernehmen für’s eigene Leben und für diese Welt und für meine Zeit, in der ich lebe. Dieser Gott ist für mich bei weitem glaubwürdiger als alle Wahrheitsfanatiker und alle Schwarzseher dieser Welt.

 

Gott ist mit uns! Das heißt auf Hebräisch Immanuel. „Es wird ein Stern aufgehen, Immanuel mit Nam …“ so fasst der Liedtext die Verheißung alt-testamentlicher Prophetenworte zusammen.

Es wird wieder Weihnachten und ein neues Jahr steht vor der Tür. Und auch über diesem Jahr steht ein Stern „Immanuel mit Nam“ – Gott ist mit uns, was auch kommen mag. Gott ist auch mit dir, nichts ist ihm fremd oder zu wenig „heilig“.  Du darfst ihm vertrauen und leben.

Ich wünsche Ihnen/Euch/Dir besinnliche Adventstage, ein frohes und gesegnetes Weihnachtsfest und Gottes Stern „Immanuel“ auf allen Wegen im neuen Jahr.

                     

Ihr /Dein/Euer Kurat Peter Priller

 

                                                                                  Gottesdienst-Termine

 

 

WER SPRICHT HEUTE NOCH VOM „AGGIORNAMENTO“? VOR 50 JAHREN BEGANN DAS ZWEITE VATIKANISCHE KONZIL

Am 11. Oktober 1962 eröffnete Papst Johannes XXIII. das Zweite Vatikanische Konzil.

Nun könnte man mir entgegenhalten: Was geht das uns an? Das Zweite Vaticanum war, auch wenn es von Rom als „Ökumenisches Konzil“ tituliert wurde, ein römisches ­Konzil, eine Kirchenversammlung, die sich nach römisch-katholischen Maßstäben zusammensetzte, die selbstredend davon ausgingen, dass „die ­Kirche“ allein in der römisch-katholischen Kirche verwirklicht sei.

Ich stell’ gleich ’mal zu Beginn meiner Über­legungen eine gewagte und

provokante These auf: Der Geist des Zweiten Vatikanischen Konzils lebt heute in anderen Kirchen, nicht zuletzt in der alt-katholischen Kirche.

Das zweite Vatikanische Konzil unterschied sich vom ersten bis zum letzten Tag von den un­mittelbar vorausgegangenen römischen Konzilien (Trient 1545–1563 und Vaticanum I 1869–1870) fundamental: Nahezu alle anderen (von Rom getrennten) Kirchen waren einge­laden, Beobachter zu senden. Das war schon mal neu. Im Ergebnis wurde keine Lehre als Dogma verkündet. Das heißt: Es gab keine „Unterwerfungen“und keine Ausschlüsse, wie sie die Väter und Mütter der alt-katholischen Kirche 1870 noch schmerzvoll erleben mussten.

Natürlich gab es auf diesem Konzil verschiedene Flügel und gerade in der ersten Sitzungsperiode (Oktober bis Dezember 1962) mussten sich die Konzilsteilnehmer massiv und mühevoll gegen die Ansprüche der römischen Kurie durchsetzen.

Und doch ist es diesem Konzil gelungen –angestoßen von Johannes XXIII. – Fenster zu öffnen, die ein paar Jahre zuvor niemand für aufmachbar gehalten hätte:

Die Liturgiereform  (Konstitution „Sacrosanctum Concilium“ 1962),  die Öffnung zur christliche Ökumene (Dekret „Unitatis ­Redintegratio“ 1964), die Erklärung über die Kirche (dogamt. Konstitution „Lumen gentium“ 1964), der Dialog mit den nicht-christlichen Religionen (Erklärung „Nostra aetate“ 1965), die Erklärung zur Religionsfreiheit („Dignitatis humanae“ 1965) bis hin zur pastoralen Konstitution über die Kirche in der Welt von heute („Gaudium et Spes“ 1965) – das sind nur einige  „Ergebnisse“ dieses Konzils, das getragen und geprägt war von einem Begriff, den ich schon lange aus der römischen Kirche nicht mehr gehört habe: „Aggiornamento“ (wörtlich übersetzt „Ver­heutigung“). Damit war gemeint, die Kirche als solche in der aktuellen Zeit zu interpretieren und die frohe Botschaft Jesu nicht gegen die Zeit zu stellen (das war der Fehler des Ersten Vaticanum, wenn ich das als Alt-Katholik mal so sagen darf), sondern mit der Botschaft Jesu auf die Fragen und Herausforderungen der Zeit nach Antworten und Lösungen zu suchen.

Aggiornamento meint einen Prozess, der nie zum Stillstand kommen darf, weil ja die Zeit nie stehen bleibt. In der römischen Kirche ist dieser Prozess inzwischen augenscheinlich zum Stillstand gekommen, ja hat sich leider in erheblicher Weise sogar ins Gegenteil gekehrt. Was wir zur Zeit bei der römischen Kirche beobachten, nenn ich mal provokant „Adierimento“ – ein Wort, das ich g’rad’ erfunden hab’. Es könnte so viel wie „Vergestrigung“ der Kirche meinen.

Das Aggiornamento findet längst wo anders statt: Viele nicht-römische Kirchen, auch reformatorische Kirchen, haben Impulse des Zweiten Vaticanum aufgegriffen und weiterentwickelt. Und unser alt-katholisches Bistum und die Kirchen der Utrechter Union sind nach einer anfänglichen Krise, die die Sinnhaftigkeit der alt-katholischen Ideen angesichts des Aggiornamento Roms in Frage gestellt haben, längst zu dessen Verwirklichern geworden – freilich auch befruchtet durch viele Laien und Priester die aus Enttäuschung über den römischen Stillstand zu uns gekommen sind und die den Geist des Zweiten Vaticanum bei uns am Leben erhalten haben. Vieles, was wir in unseren alt-katholischen Bistümern in den letzten Jahren und Jahrzehnten umgesetzt und erneuert haben, hat seine Wurzeln in den Aussagen des Konzils. Und wir sind nicht beim Konzil der 60er Jahre stehen geblieben. Das Aggiornamento muss ja weiter gehen, sonst wäre es keines.

Vor genau 50 Jahren hat es begonnen, das Konzil, das eine „Verheutigung“, ein Aggiornamento der ganzen Kirche und nicht nur der römisch-katholischen erreichen wollte. Und es hatte Erfolg. Dafür stehen auch wir Alt-Katholiken.

Kurat Peter Priller, Bad Tölz

 

 

 

 

Fest verwurzelt, wie ein Baum

Einen zarten Zweig
aus den obersten Ästen breche ich ab,
ich pflanze ihn
auf einen hoch
aufragenden Berg

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Liebe Gemeinde, liebe Freundinnen und Freunde der Gemeinde,


So spricht Gott, der Herr:

Ich selbst nehme ein Stück
vom hohen Wipfel der Zeder
und pflanze es ein.

Einen zarten Zweig
aus den obersten Ästen breche ich ab,
ich pflanze ihn
auf einen hoch aufragenden Berg.
Auf die Höhe von Israels Bergland
pflanze ich ihn.

Dort treibt er dann Zweige,
er trägt Früchte
und wird zur prächtigen Zeder.
Allerlei Vögel wohnen darin;
alles, was Flügel hat,
wohnt im Schatten ihrer Zweige.

 Ezechiel 17,22 ff.

 

 

kennen Sie das Gefühl, dass Ihnen der Boden unter den Füßen weggezogen wird, dass sie keinen festen Grund und keinen Halt mehr haben? Wie ein Baum, der entwurzelt ist, dem die Lebensadern abgeschnitten sind. Vielleicht kennen sie auch Menschen in Ihrem Lebenskreis, denen es so geht:

Junge Menschen, die eine Berufsausbildung machen und dann keine Arbeitsstelle finden.

Andere, die arbeitslos sind und nicht mehr wissen, wie es weiter gehen soll.

Zwei, die mit großen Hoffnungen und Erwartungen eine Beziehung eingegangen sind und plötzlich vor den Scherben ihrer Partnerschaft stehen.

Anderen wird die Frau, der Mann, das Kind durch den Tod genommen.

• Wieder andere werden durch eine schwere Krankheit auf sich selbst zurückgeworfen, können nicht mehr am gewohnten Leben teilhaben und drohen zu verzweifeln.

Wenn ein Baum entwurzelt ist und keinen Nährboden mehr hat, aus dem er leben kann, dann stirbt er langsam ab. Bei uns Menschen ist das oft nicht anders: Wenn ich keinen festen Boden mehr unter den Füßen habe, wenn ich das Fundament verloren habe, auf dem ich stehen und leben kann, dann bin ich in der Gefahr, immer tiefer in einen Abgrund zu fallen. Der nebenstehende Text aus dem Buch des Propheten Ezechiel, Ez 17,22ff. der an einem der letzten Sonntage im Gottesdienst gelesen wurde, setzt so eine Entwurzelungserfahrung voraus:

Das Volk Israel lebt in der Verbannung, ­entwurzelt von seiner Heimat. Die Menschen haben das Gefühl der Gottferne und Gottverlassenheit. Freilich, wer die Geschichte genau betrachtet, der erfährt schnell, dass das Volk Israel an dieser verfahrenen Situation nicht ganz unschuldig ist. Es hat sich selbst von Gott entfernt, es hat sich seine Lebensadern selber abgeschnitten; aber in diesem Abschnitt geht es nicht um Schuld.

Der Prophet Ezechiel spricht von neuer Hoffnung, von einem Neuanfang, von neuer Pflanzung und Verwurzelung. Der Baum – Israel – ist zwar entwurzelt, Gott selber aber nimmt ein Stück von den hohen Wipfeln der Zeder –einen Ableger – und er pflanzt ihn neu ein. Gott schenkt einen Neuanfang, er eröffnet Zukunft. Das ist die Botschaft Ezechiels an das Volk Israel. Kann das nicht auch eine Botschaft an uns sein?

 

Dort wo eine Situation verfahren und ausweglos scheint, schenkt Gott neue Perspektiven, kann etwas Neues wachsen. Manchmal nehme ich solche Neuanfänge, Neupflanzungen in meinem Umfeld wahr, z.B. bei Menschen, die trotz einer schlimmen Krankheit oder Behinderung wieder Geschmack am Leben finden. Oder an Leuten, die beruflich am Ende sind, und einen Neubeginn wagen, wieder auf die Beine kommen.

 

Aber eine andere Erfahrung mache ich auch: Wer selber betroffen ist, keinen Halt mehr hat, entwurzelt ist, keine Zukunft mehr sieht, dem fällt es unendlich schwer, an einen Neuanfang zu denken und zu glauben. Da braucht es dann Menschen wie diesen Ezechiel, die hilfreich, manchmal auch mahnend zur Seite stehen und Hoffnung wecken. Auch für uns gilt: Durch das Für-einander-dasein können wir einander Gott, den „Ich-bin-da“, erleben lassen.

Dass wir die Begleitung anderer annehmen können, und selber Nähe schenken können, das wünsche ich uns allen.

                                                     Ihr Siegfried J. Thuringer, Pfr.

 

 

Herr, wie ein Baum so sei vor dir mein Leben,

Herr wie ein Baum sei vor dir mein Gebet.

Gib Wurzeln mir, die in die Erde reichen,

dass tief ich gründe in den alten Zeiten,

verwurzelt in dem Glauben meiner Väter.

Gib mir die Kraft, zum festen Stamm zu wachsen,

dass aufrecht ich an meinem Platz stehe

und wanke nicht, auch wenn die Stürme toben.

Gib, dass aus mir sich Äste frei erheben,

oh meine Kinder, Herr, lass sie erstarken

und ihre Zweige recken in den Himmel.

Gib Zukunft mir und lass die Blätter grünen

und nach den Wintern Hoffnung neu erblühen,

und wenn es Zeit ist, lass mich Früchte tragen.

Herr, wie ein Baum so sei vor dir mein Leben,

Herr wie ein Baum sei vor dir mein Gebet

Lothar Zenetti

 

 

 

 

 

 

Was sind wir eigentlich und was hat jemand davon, zu uns zu kommen?

Liebe Leserinnen und Leser unseres Kirchenzettels,

Danke erstmal all denen, die auf unseren Spendenaufruf hin die Kasse unserer Filialgemeinde wieder gefüllt haben, sei es durch Überweisung aufs Konto, sei es durch großzügige Gaben in die Kollekte! Mir zeigt das, dass vielen unserer Gemeindemitglieder, Gottesdienstbesucher und „Sympathisanten“ diese Gemeinde – auch materiell – etwas wert ist.

Natürlich weiß ich, dass es da nicht um Geld geht. Sie / Ihr unterstützt ja durch Mittun, Mitarbeiten, Mitfeiern, Begleiten in guten Gedanken, Gebeten und auch durch freundliches Weitererzählen diese Gemeinde, die niemals Selbstzweck sein kann.

Mich hat das angeregt, mal wieder über unsere alt-katholische Filialgemeinde im bayerischen Oberland und ihren Sinn nachzudenken. Und mir hat das gut getan.

Was sind wir eigentlich und was hat jemand davon, zu uns zu kommen?

Ich glaube wir sind – ohne sich gleich von anderen absetzen zu wollen – erstmal einfach eine Gemeinde von Christinnen und Christen, die sich gefunden haben, um Gottesdienst miteinander zu feiern und so auch in Kontakt zu einander zu treten. Wir sind klein, ganz ohne Zweifel. Das ist nicht immer einfach, aber es hat auch Vorteile. Wir sind überschaubar. Die Möglichkeit, sich persönlich einzubringen ist viel näher da als in einer großen Gemeinde. (Ok – wenn wir ein bisschen größer wären, hätte sicher auch niemand was dagegen …) Und wir gehören zum Bistum der Alt-Katholiken, das sich seit seiner Entstehung als katholische Alternative verstanden hat: Einer Alternative, in der die Freiheit des/der Einzelnen sehr ernstgenommen und respektiert wird.

Wir feiern die Eucharistie und die anderen Sakramente in katholischer Art und Weise und wir stellen dafür keine Bedingungen. Zum Gottesdienst, zu den Sakramenten lädt Jesus Christus ein und niemand sonst. Uns steht es nicht zu, jemanden davon auszuschließen oder durch ein übergroßes Reglement den Zugang zu erschweren. Wir tun dies auch zusammen mit Christen anderer Konfessionen – nicht nur im Stillen, sondern ganz offiziell. Freilich unterscheidet sich unser katholisches Amts- und Eucharistieverständnis ein bisschen zum Beispiel vom evangelischen. Aber warum sollten wir deshalb nicht mit den evangelischen Christen das tun, was Jesus den Seinen aufgetragen hat: Sein Wort hören und das Brot brechen und ihn in unserer Mitte zu wissen durch alle Zeiten und Generationen hindurch. Da gibt es verschiedene Traditionen und Verständnisse, das ist gut so und die wollen wir auch pflegen, aber eben nicht in Abgrenzung zu den anderen, sondern in Ergänzung und auch mit ihnen gemeinsam.

Lebensentwürfe haben sich zu allen Zeiten gewandelt und sind nicht die gleichen wie vor 50, 100 oder 1000 Jahren. Seelsorge und Gemeindeleben können ihren Sinn und Zweck, ihren Dienst nur dann erfüllen, wenn sie dem Rechnung tragen. Kirchengesetze sind für den Menschen da und nicht der Mensch für Kirchengesetze. Das war alt-katholisches Verständnis von Anfang an und ist durchaus im Evangelium begründet (siehe z.B. Mk 2,27). Der von seiner Kirche leider sehr gemaßregelte röm.-kath. Bischof Jaques Gaillot hat den bekannten Satz geprägt: „Eine Kirche, die nicht dient, dient zu nichts“. Genau darum geht’s mir und ich glaube auch den allermeisten, die bei uns mitmachen.

Gerade im bayerischen Oberland, das ja sehr von katholischer Tradition geprägt ist, können wir kirchliche Heimat bieten – Heimat die vertraut katholisch ist, aber wie das Wort katholisch übersetzt heißt, eben weltoffen und auf jeden Menschen und seinen individuellen Lebensentwurf hin bezogen. Darum geht’s. Danke für’s Mitmachen! Machen wir weiter so!

Ihr /Dein/Euer Kurat Peter Priller

 

 

 

Pfingsten

Im Hinblick auf diesen  Kirchenzettel, der mit Pfingsten, dem Geburtstag der Kirche,  beginnt, wünsche ich uns allen die Kraft und den Beistand des Heiligen Geistes, aber auch den Mut des Täufers Johannes, das (oft allzu) Menschliche der Apostel Petrus und Paulus und die Einfühlsamkeit der Maria Magdalena. Sie alle können uns helfen, unser Leben, diese Welt und diese Zeit gut zu gestalten. Alle die Genannten haben ein bewegtes, ein unkonventionelles Leben gelebt – und sie wurden Heilige.

Das Wort „Kirche“ hat bei den meisten Menschen keinen guten Namen. Es wäre sehr schön, wenn wir den Klang des Wortes Kirche etwas verbessern. Nicht durch „fromme Reden“, nicht durch beinharte Dogmatik und Moral-Normen, schon gar nicht durch fundamentalistische „so-und-nicht-anders-Normen“, sondern durch gelebtes Leben, durch gelebte Liebe.

Es geht um eine frohe Botschaft. Das sagt mir Pfingsten, das sagen mir die Feste, die uns in diesen Sommer hinein geleiten. Eine frohe Botschaft – nicht nur für fromme Kirchenbänke, eine frohe Botschaft

f ü r  a l l e!                                                                                                      


Ihr / Dein / Euer                                                                                                                        Kurat Peter Priller

 

 

 

 

OSTERN – Aber wie???

 

Wie feiert „man“ Ostern?

 Diese Frage mag Dich/Sie vielleicht überraschen. Aber ich halte sie für berechtigt.

Ich hab manchmal den Eindruck, dass der Inhalt des Osterfestes für die meisten Menschen in unserem Kulturkreis gar nicht mehr selbstverständlich ist.

Wer sich ein bisschen an den Religionsunterricht erinnert, weiß wohl noch, dass das was mit Tod und Auferstehung Jesu zu tun hat. Aber was hat es mit  m i r  zu tun?

Weihnachten – ja ok – da wissen die meisten noch was vom Kind in der Krippe und in den allermeisten Familien gibt es auch bestimmte Bräuche und Traditionen, die am Weihnachtsfest eingehalten werden. Aber Ostern? Ein paar freie Tage, Eiersuchen, wenn jemand kleine Kinder hat, Spaziergänge, weil’s endlich Frühling ist … Das ist für die meisten Menschen Ostern.

Und es wundert mich auch nicht. Denn der Inhalt des Osterfestes ist nicht so warm und kuschelig.

An Ostern geht’s buchstäblich „an’s Eingemachte“. Zum Osterfest gehört der Karfreitag. Ostern, Fest des Lebens, hat den Tod mit inbegriffen. Wer Ostern feiert, setzt sich früher oder später mit dem eigenen Leben und Sterben auseinander.

Wer sich auf Ostern einlässt, der bzw. dem bleibt nichts erspart. Im Gegenteil! Ostern konfrontiert mit all dem, was wir im Leben so gern weg haben wollen. Ostern konfrontiert mit Leid und Tod.

Ostern konfrontiert auch mit dem, wovon wir nur allzu gern den Blick abwenden, wovon wir wegschauen: Ostern konfrontiert mit Unrecht, legt den Finger auf die Wunde.

Ostern heißt: Hinschauen. Ostern heißt: Sich dem Leben stellen. Ostern heißt: Sich dem Sterben stellen.

Ostern heißt: Leben mit allen Licht- und Schattenseiten – das Sterben gehört dazu.

Und doch finde ich, dass es sich lohnt, Ostern zu feiern. Gerade deshalb.

Weil Ostern mir nichts „erspart“, schenkt mir das Osterfest unendlich viel. Weil Ostern uns den Spiegel vorhält, weil Ostern nicht nur das Licht, sondern auch die Dunkelheit anschaut, ist Ostern  d a s  Fest des Lebens, ist es ein Fest für uns.

Es braucht Mut, sich auf Ostern wirklich einzulassen. Aber es ist es wert.

Österlich leben heißt gar nicht zwingend, besonders „kirchen-nah“ zu leben. Das christliche Osterfest wird, wenn es recht verstanden wird, eine große Hilfe sein. Aber es gibt auch österliche Menschen, die gar nicht kirchlich sind. „Österliche Menschen“ – darunter verstehe ich Menschen, die den Mut haben, hinzuschauen, die den Mut haben, mit ihren Schattenseiten zu leben, die den Mut haben, den Tod als Teil des Lebens zu begreifen. Österliche Menschen sind Menschen, die sich trauen, Unrecht beim Namen zu nennen. Österliche Menschen sind Menschen, die sich nicht verbiegen lassen. So wie damals der Mann auf Golgotha ...

Das Osterfest – das christliche Osterfest – will eine Antwort geben auf all das, was uns oft so schwer fällt, wenn wir aufrecht leben wollen. Das christliche Osterfest will Antwort geben auf all die Verzweiflung, auf all die Fragen, die uns quälen. Diese Antwort heißt:  Leben.

Ich wünsche Ihnen / Dir / Euch den Mut, Ostern zu feiern und den Mut, als österliche Menschen zu leben.


Ihr / Dein / Euer                                                                                                                        Kurat Peter Priller

 

Die Geschichte vom Golem

ein Rabbi erzählt einmal folgende Geschichte:

Es gab einmal einen Toren, den man den Golem nannte, so töricht war er. Am Morgen beim Aufstehen fiel es ihm immer so schwer, seine Kleider zusammenzusuchen, dass er, am Abend daran denkend, oft Scheu
trug, schlafen zu gehen.

Eines Abends fasste er sich schließlich ein Herz, nahm Zettel und Stift zur Hand und verzeichnete beim Auskleiden, wo er jedes Stück hinlegte. Am Morgen zog er wohlgemut den Zettel hervor und las: „die Mütze“ – hier war sie, er setzte sie auf, „die Hosen“ – da lagen sie, er fuhr hinein, und so fort, bis er alles anhatte.
„Ja aber, wo bin ich denn?“ – fragte er sich nun bang, „wo bin ich geblieben?“ „So geht es auch uns“, sagte der Rabbi.

Eine Geschichte zum Schmunzeln, die aber doch eine ernste Frage aufwirft!! „Wo bin ich denn?“ – diese Frage geht vielleicht auch uns manchmal nach. Wo komme ich in den Dingen, die ich täglich tue, vor? Das meiste, was ich einen ganzen Tag lang mache, ist mir vorgegeben. Durch meine Arbeit, in der es vieles gibt, was ich erledigen muss, weil es dazugehört. Wenn ich Glück habe, kann ich vielleicht einige Akzente, Schwerpunkte setzen; viele können das freilich nicht. Aber auch andere Rollen, die ich übernommen habe, die ich jetzt spielen muss, auch wenn ich sie aus freien Stücken gewählt habe. Da gibt es Rollenmuster, Erwartungen und Vorstellungen, denen ich gerecht werden muss
oder will. Der Golem kriegt nichts auf die Reihe. Und als er gelernt hat, alles unter einen Hut zu bekommen, stellt er fest, er kommt darin nicht vor, er hat sich selbst verloren.

Da ist das Leben endlich in geordneten Bahnen und plötzlich stellt man fest, man findet sich selbst nicht mehr, man ist sich selbst entfremdet. Eine Vorstellung, die mir zutiefst zuwider läuft und ein Stück weit auch Angst macht. Ich möchte schon ganz gern Herr meines Lebens sein, das Leben selber gestalten oder wenn ich ein Schlagwort verwenden darf, mich in dem,
wie ich lebe und was ich tue, selbst verwirklichen.

Ich möchte eigen-mächtig leben und viele Umfragen zeigen, dass dies einer der wichtigsten Wünsche der Menschen ist.

Jesus setzt da einen anderen Akzent, der mich aufhorchen lässt, wenn er im Johannesevangelium sagt: „Wer an seinem Leben hängt, verliert es; wer
aber sein Leben in dieser Welt gering achtet, der wird es bewahren bis ins ewige Leben.“ Joh 12,25

Anders als in der Geschichte vom Golem heißt verlieren hier nicht, sich selbst verlieren, sondern sich neu zu finden und Frucht zu bringen, in meiner „Bestimmung“, der ich nachkomme. Bestimmung – mir ist leider kein besseres Wort eingefallen, meint nicht Vorbestimmung, sondern die Möglichkeiten, die in mir wohnen, entfalten. Jedenfalls legt dies das Bild vom Weizenkorn
nahe, das Jesus damit verbindet: „Amen, amen, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn
es aber stirbt, bringt es reiche Frucht.“ Joh 12,24

Das Weizenkorn für sich, uneingesetzt, existiert an seiner Bestimmung vorbei. Mit anderen Körnern zu Mehl gemahlen und gebacken, wird es zum Lebens-mittel. Gesät bringt es neue Frucht. Das Weizenkorn stirbt nicht, es verwandelt sich. Im Evangelium wird es eingesetzt als Hinweis auf den Tod Jesu. Aus seinem Tod erwächst neue Frucht: Den Glaubenden wird durch diesen Tod
ewiges Leben eröffnet.

Nur wer sich hingibt, ins Leben hineingibt, der wird das Leben bewahren, wer das Leben ängstlich festhält, der wird es verlieren. Sich selbst verwirklichen, eigen-mächtig leben – widerspricht das dem nicht?

Ja und Nein!

Nicht durch eigenes Zutun lebe ich, sondern das Leben ist ein Geschenk, und vieles, was mich und mein Leben ausmacht, habe ich einfach mitgekriegt und geschenkt bekommen.

Wer seine Existenz so erfährt, der kann gar nicht anders, als sein Ver-mögen, dass heißt das, was er zu tun imstande ist, anderen auch zur Verfügung stellen.

Wir leben nicht aus uns selber, sondern meine Lebensgeschichte ist verwoben mit den Lebensgeschichten anderer. Bewusst geworden ist mir das einmal vor Jahren, als wir in einer Gruppe Generationenketten gebildet haben. Von den Großeltern und Eltern über mich selber hin zu den Kindern.

Die Lebensgeschichten sind miteinander verwoben und haben Bedeutung für
meine Geschichte, mein Leben. Menschen haben sich für uns eingesetzt,
haben uns geliebt, Menschen haben sich für uns ein Stück weit auch hingegeben, haben uns an ihrem Leben teilhaben lassen und vielleicht auch
im herkömmlichen Sinn auf Selbstverwirklichung verzichtet.

Oder auch nicht; denn dieses verwoben sein, ist ja keine Einbahnstraße, die von einer Generation zur nächsten führt, sondern zumindest in zwei aufeinanderfolgenden Generationen auch zurückwirkt. Kinder wachsen nicht nur an ihren Eltern, sondern Eltern wachsen auch an ihren Kindern.

Dieses Bild vom Band, das Generationen miteinander verbindet, ist für mich auch ein wichtiger Aspekt für die Gemeinschaft der Glaubenden. Gemeinschaft sind nicht nur wir, die wir heute leben, sondern dazu gehören alle, die vor
uns waren und die nach uns kommen werden. Wir leben aus überlieferten Erfahrungen, wir reiben uns sicher auch daran; wir fügen unsere Erfahrungen hinzu und wenn es uns wichtig ist, dann versuchen wir das auch weiterzugeben.

Jesus gebraucht das Bild vom Weizenkorn, um seinen Tod zu deuten. Er ist wie ein Weizenkorn, das sterbend durch Gottes Kraft neue Frucht bringt.

Im Blick auf das, was wir in den kommenden Wochen feiern, im Blick auf Passion, Tod und Auferstehung Jesu, dürfen wir verloren geglaubtes Leben neu erhoffen.

Unsere Erfahrungen vom Sterben und Leben und die Erfahrung vieler Menschen vor uns, bestätigt Gott in seinem Sohn. Wir erahnen:
Wer teilen kann, der besitzt; wer sich hingeben kann, wird reich; wer aufgeben kann, gewinnt;
und wer stirbt, der darf die Fülle des Lebens erhoffen.

                                                                   Ihr Siegfried J. Thuringer, Pfr.

„FASTENZEIT-FRAGE“ - gestellt von Kurat Peter Priller

„Ihr Alt-Katholiken seid ja eigentlich super, aber man kennt euch nicht; ihr müsstet einfach viel mehr Werbung machen ...“

Dieses oder ähnliche Statements bekomme ich relativ oft zu hören. Mag auch durchaus sein, dass das PR-Management unseres Bistums noch ausbaufähig ist. Und trotzdem glaube ich, dass es nicht (nur) am geringen Bekanntheitsgrad unserer Kirche liegt, warum nicht die vielen Menschen, die ihre angestammte Kirche verlassen, zu uns finden.

Viele von Ihnen bzw. von Euch bekommen und lesen diesen Kirchenzettel seit Jahren - wüssten also ganz genau, was alt-katholisch ist - und wechseln trotzdem nicht ins alt-katholische Bistum und in unsere Gemeinde über. Ich kann das auch auf der einen Seite verstehen, auf der anderen auch wieder nicht - je nach Blickwinkel ... Deshalb möchte meine provokante „Fastenzeit-Frage“ viel allgemeiner Stellen:

          Wozu brauch ich überhaupt eine Kirche?


Was erwarte ich mir von einer Kirche allgemein und von einer konkreten Kirchengemeinde vor Ort und was bin ich bereit, zu dieser Kirche und Gemeinde beizutragen?

Wie habe ich Kirche bzw. Kirchengemeinde – egal welche – bisher erlebt? Wo hat sie mir gut getan? Wo hat sie mich verletzt? Gehör ich überhaupt (noch) dazu?

Und dann bin ich schon so neugierig und frage ganz speziell: Wie hast Du denn die alt-katholische Kirche und vor allem unsere alt-katholische Gemeinde im Bayer. Oberland bisher erlebt?

Herzliche Einladung zum Nachdenken auf dem Weg nach Ostern hin! Einladung aber auch Kirche und Gemeinde zu sein – zu nutzen und zu pflegen, wo auch immer – gerne auch mit uns ...

Ihr Kurat in Bad Tölz
Peter Priller

 

Ab 4. Oktober immer mittwochs

19.30 Uhr Workshop Christbaumschmuck

Samstag, 2. Dezember

17.00 Uhr Ökumenisches Adventsansingen in St. Bonifaz