Spirituelle Impulse 2011

"Die Jungfrau wird ein Kind empfangen" - Gemeindebrief von Kurat Peter Priller

Der Herr sprach noch einmal zu Ahas; er sagte: Erbitte dir vom Herrn, deinem Gott, ein Zeichen, sei es von unten, aus der Unterwelt, oder von oben, aus der Höhe. Ahas antwortete: Ich will um nichts bitten und den Herrn nicht auf die Probe stellen.

Da sagte Jesaja: Hört her, ihr vom Haus David! Genügt es euch nicht, Menschen zu belästigen? Müßt ihr auch noch meinen Gott belästigen? Darum wird euch der Herr von sich aus ein Zeichen geben:

Seht, die Jungfrau wird ein Kind empfangen, sie wird einen Sohn gebären, und sie wird ihm den Namen Immanuel (Gott mit uns) geben.

Er wird Butter und Honig essen bis zu der Zeit, in der er versteht, das Böse zu verwerfen und das Gute zu wählen. Denn noch bevor das Kind versteht, das Böse zu verwerfen und das Gute zu wählen, wird das Land verödet sein, vor dessen beiden Königen dich das Grauen packt.                                                       Jes 7,10-16

 

Liebe Leserinnen und Leser,

Sie kennen die Stelle vermutlich – mehr oder weniger bewußt: Ein Text aus dem Alten Testament, der sehr gern in der Adventszeit gelesen wird. Sozusagen ein „Adventsklassiker“ unter den Lesungen. Der historische Hintergrund dieses Textes: Wir sind im 8. vorchristlichen Jahrhundert. Jerusalem war eingekesselt, die Lage scheinbar hoffnungslos. Aber: Die Königin war schwanger. Und das nimmt der Prophet als Zeichen: Es wird weitergehen. Die Gefahr wird schneller vorüber sein als ihr es glaubt. Denn das Kind, das bald geboren wird, heißt: Gott-mit-uns! Das Anliegen des Jesja-Propheten ist immer das Selbe: Vertraut auf Gott! Wenn ihr Gott vertraut, wird sich alles zum Guten wenden. Die Kirche hat diese Stelle aus Jesaja immer auf das Kind von Bethlehem, auf Jesus Christus bezogen. Im Kind von Bethlehem ist Gott mit uns. Das war die Übertragung der frühen Kirchenschriftsteller. Interessant zu wissen. Aber für uns noch wenig hilfreich. Wir brauchen einen weiteren Übertrag:

Wir vollenden das Jahr 2011 n.Chr. und beginnen 2012. Die Lage ist ernst. Die Welt befindet sich am Rand einer Wirtschaftskrise, deren Ausmaß noch überhaupt nicht abzusehen ist. Der EURO ist gefährdet, die USA sind hoch verschuldet. Selbst innerhalb der EU ist die Demokratie als staatliches System in einigen Ländern in Gefahr, die Liste der Bedrohungen ist lang und würde weit über diese Seite hinausgehen ...

Doch wird uns auch vor diesem Jahreswechsel die Lesung aus Jesaja gelesen: Seht, die Jungfrau wird ein Kind empfangen, sie wird einen Sohn gebären, und sie wird ihm den Namen Immanuel (Gott mit uns) geben. (Jes 7,14)

Das heißt: Es wird weitergehen, wenn ihr Vertrauen habt. Das wird  u n s  gesagt – heute! Die ganze Christenheit feiert ein Kind in der Krippe. Wenn wir wirklich anfangen zu diesem Kind Vertrauen zu haben, wenn wir dieses Kind als Immanuel erkennen, als Gott-mit-uns, dann braucht es uns eigentlich nicht Angst und Bange werden, egal was dieses Jahr 2012 bringen wird. Das neue Jahr wird Veränderungen bringen, niemand weiß, wohin die Reise geht. Um so ernster möcht ich diese alljährlichen Advents- und Weihnachtslesungen nehmen. Auch an diesem Weihnachten wird uns gesagt werden:

Uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns geschenkt. Die Herrschaft liegt auf seiner Schulter; man nennt ihn: Wunderbarer Ratgeber, Starker Gott, Vater in Ewigkeit, Fürst des Friedens. (Jes 9,5)

Den Frieden dieses Kindes wünsche ich Euch und Ihnen von ganzem Herzen erstmal in den Tagen der Advents- und Weihnachtszeit und darüber hinaus an jedem Tag des neuen Jahres 2012.

Ihr Kurat in Bad Tölz
Peter Priller

"Ein Koffer für die letzte Reise" - Gemeindebrief von Pfarrer Siegfried Thuringer

Liebe Gemeinde,

liebe Freundinnen und Freunde der Gemeinde,

 

„Ein Koffer für die letzte Reise“

– das ist der Titel eines Projektes, das der Bestatter Fritz Roth initiiert hat. Über 100 Bürger unseres Landes – Frauen und Männer, Alte und Junge, Künstler und Handwerker, Prominente und Nicht-Prominente – packten einen ganz persönlichen Koffer, der sie auf ihrer letzten Reise aus diesem Leben begleiten könnte. Das eindrucksvolle Ergebnis war auch in der Karmeliter­kirche in München ausgestellt. Die Koffer konnten unterschiedlicher nicht sein. Die Palette reichte von einfach gepackten Koffern, mit Fotos, Tagebüchern, CDs bis hin zu künstlerisch gestalteten, alles war vertreten. Beeindruckend waren auch die Koffer, die ungepackt zurückgegeben worden sind und nun leer in der Ausstellung standen. Auch das war wohl überlegt und regte zum Nachdenken an. Die leeren Koffer erinnerten mich an die Weisheit, dass das letzte Hemd eben keine Taschen hat, hatten aber auch andere Ur­sachen. In einem Begleitbrief eines im Leben oft Gereisten meinte der zu seinem ungepackten Koffer, er habe im Leben so viele Koffer packen müssen, dass er sich freue, die letzte Reise ohne Koffer antreten zu können.

Es sind sehr persönliche, ja intime Einblicke, die da gewährt werden. Menschen lassen teilhaben an ihrem Leben und an dem, was sie nach diesem Leben erhoffen oder eben nicht.

Eine schrieb im Begleitbrief, Angst vor der Reise habe sie nicht, aber ein bisschen Reisefieber schon. Andere haben keine materiellen Dinge hineingepackt, sondern Wortkarten hineingelegt; sie stehen für ideelle Werte, die im Blick auf ihr Leben zentral sind: Dank, Entschuldigung, Freude und Liebe.

Wer die Koffer betrachtet, dem drängt sich unweigerlich die Frage auf:

Wie halte ich es selber mit der letzten Reise? Was würde ich in meinen Koffer packen? Wohin geht die Reise?

Werde ich dort erwartet?

Und was wird dort sein?

Vielleicht denken Sie jetzt, dass solche Gedanken nicht recht in die Adventszeit passen. Und Sie haben Recht! Wenn wir den Advent nur als Vorbereitungszeit auf Weihnachten verstehen, dann ganz bestimmt. Der Advent hat aber noch eine viel wesentlichere Bedeutung. Er erinnert uns an das, was wir jeden Sonntag im ­Glaubensbekenntnis bekennen, nämlich dass Christus wiederkommen wird in Herrlichkeit. Wir erwarten also ein zweites, viel bedeutenderes Weihnachtsfest, es ist nur leider sehr schwierig, sich darauf einzustellen, denn wir wissen weder Tag noch Stunde, ja nicht einmal das Jahr. Die Begegnung mit Jesus Christus am Ende der Zeit; sie ist weit weg, aber wenn ich es recht bedenke doch irgendwie ganz nahe.

Denn Christus erwartet mich doch. Nicht irgendwann am Ende der Zeiten, am Sankt Nimmerleinstag, sondern in meinem ganz konkreten Leben, im Tod. So besehen, ist die Rede von der zweiten Ankunft Christi eigentlich sehr konkret.

Ich lebe auf Christus hin und er geht mir entgegen. Und wie Maria, Josef, die Hirten in ­Bethlehem, die Weisen aus dem Morgenland und viele Menschen vor 2000 Jahren Jesus Christus begegnet sind, so werde auch ich ihm begegnen am Ende meines Lebens, ganz persönlich, in meinem eigenen Tod.

Ich verstehe die Adventszeit auch als eine Aufforderung, mich auf diese Begegnung im Tod einzustellen, mein Leben darauf auszurichten; nicht ängstlich, sondern voller Zuversicht.

Wohin geht die Reise?

Werde ich dort erwartet?

Und was wird dort sein?

Für ein paar Fragen, die die gepackten Koffer in mir ausgelöst haben, habe ich eine Antwort gefunden. Ob ich mit oder ohne Koffer reise?

In jedem Fall ist es gut ihn zu packen, denn der beschränkte Platz zwingt mich auszuwählen, was wirklich wichtig ist in meinem Leben.

Ihr Siegfried J. Thuringer, Pfr.

"Keine Zeit" - Gemeindebrief von Pfarrer Siegfried Thuringer

Liebe Gemeinde, liebe Freundinnen und Freunde der Gemeinde,

ich habe keine Zeit, die Zeit wird mir zu knapp, das geht sich leider nicht mehr aus – das sind Seufzer, die ich selber oft ausstoße und die ich von anderen immer wieder vernehme.

Die Zeit ist ein Lebensfaktor, der für uns alle eine wichtige Rolle spielt: Wir sprechen von der Arbeitszeit, der Freizeit und auch von der  Lebenszeit, die wir zur Verfügung haben. 

Die Zeit als Maß, den Tag, die Arbeit, die Freizeit, mein Leben einzuteilen, idealerweise so, dass ich meine Zeit möglichst sinnvoll nutze. Mein Eindruck ist dabei freilich, dass die Zeit um so schneller vergeht, je perfekter ich sie einteile. 

Im Umgang mit der Zeit haben wir es in unserer Kultur mittlerweile zur Perfektion getrieben: Arbeitsabläufe in Betrieben werden in Zeiteinheiten eingeteilt und haben dann in der angegebenen Zeit zu erfolgen. Wirtschaftlich gesehen mag das sinnvoll sein, und trotzdem muss die Frage gestellt werden, ob ich das als Mensch noch leisten kann? Keine Zeit zu haben, ist offensichtlich nicht nur ein Problem unserer heutigen Lebenskultur, sondern findet sich – wenigstens in Ansätzen – auch in der Bibel. Eigentlich unvorstellbar, denn der Umgang mit der Zeit ist in orientalischen Ländern ja auch heute noch sehr viel großzügiger als bei uns.

Die Jünger Jesu – so erzählt das Markus­evangelium – sind rastlos tätig  für die Verkündigung des Reiches Gottes: „Der Andrang der Menschen war so groß, dass sie nicht einmal günstig Zeit hatten zum Essen.“

Dass dieses Keine-Zeit-haben, am Essen fest­gemacht wird, finde ich, bemerkenswert: Das Essen oder besser, wie ich esse, als Indikator für meinen Umgang mit der Zeit. Da kann ich mich gut wiederfinden: Wenn ich keine Zeit habe, dann schiebe ich mir schnell was zwischen die Zähne. Schnelle Küche, fast food, so nennen wir das heute und haben es bisweilen zu einer neuen Lebenskultur hochstilisiert. Kochen und Essen brauchen eben Zeit, und die habe ich oft leider nicht!

Meine Vorstellung von Ausgeglichenheit und Wohlbefinden ist freilich eine andere:

Wenn ich in südlichen Ländern Urlaub mache, dann faszinieren mich dort vor allem die ausgedehnten Mahlzeiten am Abend. Es ist vielleicht nicht gerade gesund, am Abend viel zu essen, aber für mein Wohlbefinden, für meine Seele sind solche Zeiten wohltuend.

Zeiten, in denen ich nicht auf die Uhr schauen muss, im Kreis der Familie oder von Freunden, Zeiten, in denen ungezwungen geredet werden kann, in denen ich meine Seele baumeln lassen kann. Das hört sich sehr nostalgisch an, aber es ist etwas Wahres dran: Neben der durchgeplanten und damit  oft auch verplanten Zeit, muss es auch Zeiten geben, die maßlos sind.

Für mich ist gerade ein Mahl, eine Feier, so eine maßlose Zeit. Ein Mahl braucht Zeit, entwickelt seinen eigenen Ablauf und kann nicht von vornherein in der Zeit begrenzt werden. Die Jünger im Evangelium hatten diese Zeit nicht, deshalb fordert sie Jesus auf:  „Kommt, nur ihr für Euch.“

Gadanken zur Urlaubszeit von Pfarrer Siegfried Thuringer

„Wir für uns....“, „Ich für mich....“ - das  hört sich gut an: Es ist eine Einladung zum Ausspannen, zum Abschalten, zum sich Herausnehmen aus dem Alltagsgeschäft, in dem wir oft genug eingespannt sind, wie ein Rad, das sich unaufhörlich dreht. Eine Einladung auch zu sich selbst zu finden. Dass uns das immer wieder gelingt, nicht nur zur Urlaubszeit, wünsche ich uns allen!

Ihr Pfarrer
Siegfried J. Thuringer

Leonhard und Willibrord, zwei Heilige, die (scheinbar) nichts mit einander zu tun haben - Gemeindebrief von Kurat Peter Priller

„Barmherziger Gott, Freund der Menschen,
du hast den Mönch Leonhard berufen, Gefangene zu befreien
und Sünder auf den rechten Weg zu führen;
den Bischof Willibrord hast du gesandt, ein Bote des Lichtes zu sein.

Leuchte in unsere Herzen, und erhalte uns in der Freiheit,
zu der du uns berufen hast, dass wir auch in unseren Tagen deine großen Taten verkünden,
und in dein unvergängliches Licht gelangen.

Darum bitten wir durch Jesus Christus, deinen Sohn, unseren Bruder,
der mit dir und dem Heiligen Geist in unserer Mitte lebt,
jetzt und in Ewigkeit.“

 

Liebe Leserinnen und Leser,

dieses Gebet habe ich mir erlaubt, aus zwei Gebeten zu einem zusammen zu fügen. Es handelt sich um das Tagesgebet vom 6. November im röm.-kath. Messbuch (Leonhard) und um das Tagesgebet vom 7. November im alt-kath. Eucharistiebuch (Willibrord).

Leonhard und Willibrord, zwei Heilige, die (scheinbar) nichts mit einander zu tun haben, außer dass der eine am 6. und der andere am 7. November seinen jeweiligen Gedenktag hat. Haben sie wirklich nichts miteinander zu tun?

Für unsere Filialgemeinde, die Teil der Gemeinde St. Willibrord in München ist und die in Bad Tölz lebt, arbeitet und feiert, bilden die beiden Heiligen so eine Art „Klammer“, die uns zusammenhält. Willibrord verbindet uns mit unserer Pfarrgemeinde St. Willibrord und Leonhard verbindet uns mit der Stadt Tölz und dem Isarwinkel, die in Leonhard seit sehr langer Zeit sowas wie ihren Patron sehen – auch wenn Leonhard von „offizieller“ kirchlicher Seite nie zum Patron des Tölzer Landes erklärt worden ist. Des Volkes Stimme ist hier aber doch eindeutig ...

Beide Heilige und ihre Feste kommen aus dem sog. gallisch-fränkischen Kulturkreis. Beide gehören zum frühen Mittelalter. Historisch liegt ihre Lebenszeit wohl mehr als 100 Jahre auseinander. Leonhard lebte im   6. Jahrhundert als Mönch und Einsiedler (später vielleicht auch als Abt) in der Nähe von Limoges im heutigen Frankreich. Willibrord, geboren 658, stammte ursprünglich aus Northumbrien, wurde Mönch und wirkte dann sehr erfolgreich als Missionsbischof im Rhein-Mosel-Gebiet und später in Friesland. Unter dem Frankenkönig Pippin II. wurde Utrecht sein Bischofssitz. Willibrord starb am 7. November 736 in Echternach  im heutigen Luxemburg.

Beide waren Gottsucher und gleichzeitig Seelsorger. Beide zogen sich als Mönche zurück. Doch beide blieben nicht im Rückzug stecken. Aus beiden quoll die Begeisterung hervor, die Gotteserfahrung weiterzugeben. Praktische Nächstenliebe (Leonhard) und Verkündigung der frohen Botschaft (Willibrord) waren die Frucht ihrer Gottsuche und ihres Lebens im Gebet.

So wie all unser Tun und Machen leeres „Getue“ bleibt, wenn es nicht von geistlichem Leben, von Spiritualität getragen ist, so bleibt auch unser Gebetsleben, unser spirituelles Bemühen leer und ich-bezogen, wenn es nicht nach dem Menschenbruder und der Menschenschwester fragt ...

Ich wünsche uns schöne, besinnliche und gute Tages im Spätherbst.

Ihr Kurat in Bad Tölz
Peter Priller

„Den Alltag würzen ...“ - Gemeindebrief von Kurat Peter Priller

„Den Alltag würzen ...“ fällt mir ein, wenn ich auf die „Highlights“ dieses Kirchenzettels so blicke. Wir sind in der „ganz normalen“ Zeit des Kirchenjahres. Doch die ist keineswegs fad oder langweilig: Berggottesdienst, Mariae Himmelfahrt, Gitarren-Konzert, Bischofsbesuch, Erntedank – all das sind sehr schöne Perlen im „Gewebe“ dieser so normalen Zeit ...

Solche „Perlen“ kann jede und jeder von uns auch im eigenen ganz profanen  Alltag „einweben“. Das ist wichtig, das macht das Leben schön ...

Ich wünsche uns allen noch schöne Sommer- und Herbsttage

Ihr Kurat in Bad Tölz
Peter Priller

Jahresmitte - Gedanken von Kurat Peter Priller

Jahresmitte: Es geht wieder auf Weihnachten zu ...

Klar will ich mit dieser Überschrift am Anfang des Sommers provozieren. Denn diese Überschrift ist wahr. Auch wenn Weihnachten im Moment unendlich weit weg scheint.

Mit Pfingsten sind wir mal wieder durch die Festkreise durch. Der Weihnachtsfestkreis vom ersten Adventsonntag bis Lichtmess, der Osterfestkreis vom Aschermittwoch bis Pfingsten - das alles liegt für dieses Kirchenjahr bereits wieder hinter uns. Jetzt kommt der „normale“ Teil des Kirchenjahres. Und in die Geltungsdauer dieses Kirchenzettels fällt auch die Zeit, in der das Jahr insgesamt seine Mitte überschreitet. Nach dem 21. Juni werden die Tage wieder kürzer und am 1. Juli ist das zweite Halbjahr erreicht ...

Und so ruf ich ganz provokant mitten in den Sommer hinein: Es geht auf Weihnachten zu!

Und ich halte diesen Kontrapunkt für heilsam. Jedenfalls kann er heilsam sein, wenn man ihn an sich heran lässt.

Nichts dauert ewig, auch nicht dieser Sommer. Aber nie kommt ein Nichts. Auch auf diesen Sommer folgt wieder ein Herbst und ein Winter, folgen Weihnachten und Ostern ... Es geht weiter. Immer.

Und Gott sei Dank bleibt ja noch Zeit – Zeit, den Sommer zu genießen. Zeit, das Leben zu genießen.

„Geh aus, mein Herz und suche Freud in dieser lieben Sommerzeit“ hat Paul Gerhardt in der Barockzeit geschrieben. „Schau an der schönen Gärten Zier und siehe wie sie dir und mir sich ausgeschmücket haben!“

Gerade der barocke Mensch wußte um den Wechsel der Zeiten, wußte um Werden und Vergehen. Und genau deshalb konnte der Barockmensch die Zeit, die gerade ist, genießen – barock eben! In vollen Zügen –

und im Bewußtsein, dass es wieder anders weitergeht. Dieses Bewußtsein ist uns „modernen“ Menschen leider ziemlich abhanden gekommen. Vielleicht tun wir uns auch deshalb so schwer, das, was gerade ist, zu genießen. Da kann es dann hilfreich sein, im Sommer daran zu erinnern: Es geht auf Weihnachten zu.

O.k. – ich ergänze: Aber bitte nicht so schnell!

Frohe Sommergrüße sendet

Ihr Kurat in Bad Tölz
Peter Priller

Der Schöpfungsbericht - Nachtrag zu Ostern von Pfarrer Siegfried Thuringer

Eine der regelmäßigen Lesungen in der Osternacht ist der Schöpfungsbericht aus dem Buch Genesis (Gen 1,1 – 2,4a). Ich muss gestehen, dass ich mich als vermeintlich aufgeklärter Mensch des Öfteren bei dieser Lesung über die Erschaffung der Welt gefragt habe, was hat mir dieser Text eigentlich noch zu sagen. Hat er eine Bedeutung für mich? Sicher: Der zentralen Aussage dieses Textes: Gott hat die Welt erschaffen, der stimme ich zu! Aber brauche ich dafür die doch stellenweise recht langatmige Entfaltung desSchöpfungsgeschehens in sieben Tagen, die auf dem Hintergrund der Evolutionstheorie wohl eher mythologisch gesehen werden muss? Solche Gedanken sind mir immer wieder mal in den Sinn gekommen.

In diesem Jahr habe ich die Erzählung von der Schöpfung aber anders gehört.
Es ist wenige Wochen her, dass ein Erdbeben und ein Tsunami einen ganzen
Landstrich in Japan verwüstet haben. Tausende Menschen sind umgekommen,
noch mehr haben Hab und Gut, ja ihr bisheriges Leben, ihre Existenz verloren.
Das alleine wäre schon schlimm genug! Die atomare Katastrophe – erst nach
Wochen endlich auch solche bezeichnet – hat das Ausmaß des Schreckens
noch potenziert und in eine völlig andere Dimension gebracht.

Zwei Sätze sind es, die mir in dieser Zeit immer wieder in den Sinn gekommen sind.

Der eine stammt aus dem Schöpfungsbericht. Gleich siebenmal wird er gesagt, am Abend eines jeden Tages: „Und Gott sah, dass es gut war.“ Angesichts von Naturkatastrophen fällt es mir schwer, diesen Satz einfach so stehen zu lassen. Die Schöpfung ist nicht so perfekt, wie das im Schöpfungsbericht behauptet wird. Freilich – so kann man einwenden – der erzählt ja auch noch von paradiesischen Zuständen, die es leider nicht mehr gibt.

Der zweite Gedanke schließt sich hier an und führt ihn fort:
Er stammt aus einem Eucharistiegebet unserer Kirche. Da beten wir: „Wir stehen vor dir mit dankbarem Staunen, Schöpfer des Alls. Du hast auch unser wohnliches Gestirn ins Dasein gerufen: die Erde. In ihrer Fruchtbarkeit und in der Vielfalt der Geschöpfe spüren wir deine mütterliche Sorge, lange bevor
unsere Unruhe und unser Wollen eingreifen konnten.“

Das ist der zweite Satz, der mir in den letzten Wochen öfters in den Sinn kam: „Lange bevor unsre Unruhe und unser Wollen eingreifen konnten.“ Auch da kann man freilich einen Einwand machen: Nicht alles, was der Mensch an Leid und Schrecklichem erlebt und erfährt, ist auf ihn selbst zurückzuführen, auf seine Unruhe und sein Wollen. Es gibt Naturgewalten, denen bin ich ausgeliefert, die muss ich respektieren, mit denen muss ich rechnen, die kann ich nicht verhindern.

Daneben gibt es aber auch das andere, das hausgemachte, das von uns zu verantwortende Leid, dass tatsächlich seine Ursache bei uns selber hat. Tschernobyl und Fukushima gehören in diese Kategorie.

Im Blick auf den Schöpfungsbericht haben wir den Auftrag Gottes an den Menschen da wohl missverstanden: „Bevölkert die Erde, unterwerft sie euch, und herrscht über die Fische des Meeres, über die Vögel des Himmels und über
alle Tiere, die sich auf dem Land regen.“ Wenn ich das höre, dann erinnere mich ich auch an die schrecklichen Bilder von verendenden Vögeln nach der Ölkatastrophe im letzten Jahr im Golf von Mexiko.

Von Zerstörung und Vernichtung ist im Schöpfungsbericht aber nicht die Rede. Gerade auf diesem Hintergrund finde ich es wichtig, ihn in der Osternacht zu hören. Es bleibt aber die Frage: Hat dieser uralte Text mir noch etwas zu sagen?

Er ist kein geschichtlicher Bericht und diese Feststellung entlastet ihn. Er muss nicht konkurrieren mit wissenschaftlichen Erkenntnissen. Er ist ein poetischer Text mit grandiosen Bildern. Bilder, die Ursehnsüchte des Menschen aufgreifen, wie die Sehnsucht nach Ordnung: Im Schöpfungsbericht heißt es gleich am Anfang „Die Erde war wüst und wirr, Finsternis lag über der Urflut“. Die Wirrniss, das Chaos bzw. wörtlich das Tohuwabohu das vor Gottes Schöpfung herrschte, wird sinnvoll geordnet.

In diesem Text spiegelt sich die Sehnsucht des Menschen nach – biblisch gesprochen – Shalom wieder und dies meint mehr als das deutsche Wort Friede. Shalom bedeutet Befreiung von jedem Unheil und Unglück, aber auch Gesundheit, Wohlfahrt, Sicherheit und Ruhe. Shalom umfasst den persönlichen
und gesellschaftlichen Bereich, schließt aber auch die Schöpfung mit ein. In so einem Zustand zu leben, das ist wahrscheinlich unser aller Wunsch, unsere Sehnsucht. Und jede Katastrophe, jede Erfahrung von Leid und Tod macht uns deutlich, das wir in diesem Shalom noch nicht angekommen sind, das dieser Shalom noch aussteht.

Wir erwarten, wie es im zweiten Petrusbrief heißt, einen „neuen Himmel und eine neue Erde“ (2 Petr 3,13), und sind allerdings überzeugt, dass diese Neuschöpfung mit der Auferstehung Jesu schon begonnen hat.

Ostern, die Feier des Siegs über den Tod, ist für mich auch die Vergewisserung, auf dem Weg zu diesem Heilszustand zu sein, den ich mit Shalom umschreiben möchte.

Ostern ist die Botschaft des Dennoch, im Blick auf Leid und Tod, aber auch im Blick auf Katastrophen wie in Japan. Auch wenn die Schöpfung immer wieder am Abgrund stehen, leben wir doch in der Erwartung, dass sie und auch wir selber nicht einfach ins Nichts fallen werden.

Der niederländische Theologe und Schriftsteller Huub Osterhuis hat das, was Gott für uns Menschen ist und sein will, einmal in seinem sogenannten „Schriftlied“ besungen. Es ist fast ein Liebeslied an die Heilige Schrift, an das Buch der Bücher, ja an Gott selbst. Es wird ein Bogen gespannt von der
Schöpfung am Anfang der Zeit über die konkreten Erfahrungen unseres Lebens, die eben auch leidvoll sind, bis hin zur Zukunft, die Gott uns schenken will und zwar über den Tod hinaus:

Die chaos schiep tot mensenland,           Der Chaos schuf zu Menschenland,
die mensen riep tot zinsverband,            der Menschen hier zusammenband,
Hij schreef ons tot bescherming,             Er schrieb sein Wort, gegeben
zijn handvest van ontferming,                 zum Schutz für unser Leben.
Hij schreef ons vrij, met eigen hand.       Er schrieb uns frei mit eigner Hand.
Schrift die mensenoorsprong schrijft.      Schrift, die Menschenursprung schreibt.
Woord dat trouw blijft.                            Wort, das treu bleibt.

Dat boek waarin getekend staan,           Das Buch, das jeden Namen nennt,
gezichten, zielen, naam voor naam,        Gesichter, Seelen, Menschen kennt,
hun overslaande liefde,                           die Liebe, so lebendig,
hun overgaande liefde,                            die Liebe, so vergänglich,
hun weeën, die niet overgaan.                die Wehn, die nie zu Ende gehen.
Schrift die mensendagen schrijft.             Schrift die Menschentage schreibt.
Licht dat aanblijft.                                    Licht, das hell bleibt.

Zijn onvergankelijk testament:                Sein unvergänglich Testament:
dat Hij ons in de dood nog kent -            dass er uns auch im Tod noch kennt –
de dagen van ons leven                          die Tage, die wir leben,
ten dode opgeschreven,                          auf Tod hin festgeschrieben,
ten eeuwig leven omgewend.                  zum ewig Leben hingelenkt.
Schrift die mensentoekomst schrijft.        Schrift, die Menschenzukunft schreibt.
Naam die trouw blijft.                               Er, der treu bleibt.


                                                       Huub Osterhuis

Was uns auf dem Herzen liegt - Gemeindebrief zu Ostern von Kurat Peter Priller

Von Golgotha nach Fukushima            Der Mensch wird zur Gefahr 

ist der Weg nicht weit                         und richtet Schlimmes an.

die Menschen sind sich nahe               Er wir es kaum gewahr

in Angst und Not und Leid.                  in seinem Größenwahn.

 

Von Golgotha nach Fukushima            Von Golgotha nach Fukushima

der Mensch verzweifelt schreit:           führt ein gerader Weg,

Mein Gott, mein Gott!                          der führt mich zu der Frage,

Warum bist du so weit?                       wohin ich mich beweg.

 

Warum sind wir verlassen?                 Dass Golgotha in diesem Jahr

Warum bin ich allein?                           in Japan liegt, mag sein.

Mein Gott, ich kann’s nicht fassen!       Doch Golgotha wird immer wahr,

Mein Gott, hör doch mein Schrein!        wo Menschen nichts bereun.

 

Dass Mensch den Menschen quält,       Wo sie voll Hochmut meinen,

ist schmerzlich schlimm genug.             nur sie wären die Herrn,

Was er in Händen hält,                         da müssen andre weinen,

ist Blut und Lug und Trug.                      da tut sich Leid vermehrn.

 

Der Mensch hat sich erdreistet              Von Golgotha nach Fukushima

zum Schein zu sein wie Gott                  da schau ich zweifelsvoll

Was er sich dabei leistet,                       und trotzdem hoff ich wieder,

wird der Natur zum Spott.                      dass Ostern werden soll ...

 

Liebe Leserinnen und Leser unsere Kirchenzettels,

diese Zeilen sind mir in der österlichen Bußzeit in diesem Jahr so aus der Feder geflossen. Natürlich kann man da kritisch dazu stehen und es auch ganz anders ausdrücken. Und doch legt sich das, was die Welt bewegt, auf unser ganzes Leben, auch auf unsere Feste.

Wir können kein Fest feiern, wenn wir das, was uns auf dem Herzen liegt, was uns belastet, draußen lassen. Das würde sich ganz schnell um so heftiger hereindrängen. Und dies gilt nicht nur für die großen Dinge des Weltgeschehens, dies gilt genauso für unsere persönlichen kleinen und Großen Belastungen, die uns auf dem Herzen liegen.

Das alte Wort für Ostern heißt „Pascha“ – das bedeutet Durchgang, Übergang, Vorübergang ...

Ich lade Sie / Dich / Euch ganz herzlich ein, dass wir (wieder) miteinander Ostern feiern. Dass wir alles, was uns auf dem Herzen liegt, alles, was diese Welt belastet, am Karfreitag zum Kreuz tragen und Gott um ein „Pascha“ bitten, um einen Vorübergang, um Verwandlung ...

Aus dem Karfreitag wird wieder ein Ostern werden, wie jedes Jahr.

Und aus dem, was uns belastet, was uns weh tut – wird da Freude werden?

Und aus dieser Welt, aus allem Elend in Japan und überall – wird da Heilung werden?

Ich wünsche Ihnen besinnliche Kartage, ein frohes, gesegnetes Osterfest und ein Leben voll Wandlung zum Guten!

Ihr Kurat in Bad Tölz
Peter Priller

Ihr seid das Salz der Erde! Ihr seid das Licht der Welt! - Gemeindebrief von Pfarrer Siegfried Thuringer

Liebe Gemeinde, liebe Freundinnen und Freunde der Gemeinde,

mit diesem Gedicht leitete der Schriftsteller Wolfgang Borchert sein 1946 erschienenes Buch „Laterne, Nacht und Sterne“ ein. In  diesen wenigen Worten beschreibt Borchert seine großen Erwartungen für sein Leben und gleichzeitig drückt er damit seinen Schmerz aus, weil er das bisher nicht erreicht hat und wohl auch nicht mehr erreichen wird. Ein Jahr später starb er mit nur 26 Jahren an den Folgen des II. Weltkriegs, der ihn physisch und psychisch zermürbt hat.

Dieses Gedicht ist mir in den Sinn gekommen, als ich an einem der letzten Sonntage die Worte vom „Salz der Erde“ und vom „Licht der Welt“ im Evangelium gehört habe.  

Wie weit sind wir Christen, sind die Kirchen und ganz persönlich auch ich selber davon entfernt, Salz der Erde und Licht der Welt zu sein? Nicht das der Wille dazu fehlte, aber vielleicht doch die Kraft und die Zuversicht, dass wir genau das sein könnten. Gleichen wir nicht allzu oft dem Schiff in Not, von dem Wolfgang Borchert spricht: „Ich möchte Leuchtturm sein … für jedes Boot – und bin doch selbst ein Schiff in Not!!

Dazu muss ich mir nur in Erinnerung rufen, was die Verantwortlichen in den Kirchen heute so umtreibt: Da geht es um das Bewahren von vermeintlich heiligen Ordnungen (Hierarchien) und weltfremden Strukturen, es geht wie in großen Konzernen um die Effizienz der Verwaltung und wegen der schwindenden finanziellen Ressourcen, werden Überlegungen angestellt,  sich zukünftig auf das Kerngeschäft zu konzentrieren, manchmal ohne noch zu wissen, was das für eine Kirche eigentlich bedeutet.

Unsere kleine alt-katholische Kirche ist davon gar nicht ausgenommen: Auch da gibt es Ängste vor der Zukunft: Was wird aus einer Gemeinde? Kann eine Gemeinde noch mit einem eigenen Seelsorger besetzt werden, sinkt die Kirchensteuer? Schaffen wir es zu wachsen?

Natürlich haben diese Fragen und Sorgen ihre Berechtigung, müssen ernst genommen und auch aufgegriffen werden. Wenn das aber die Grundsatzfragen des kirchlichen Lebens werden, dann stehen wir Christen in der Gefahr, dass wir an unserem Auftrag vorbei leben und um mit dem Evangelium zu reden, wie Salz werden, das schal geworden ist und das zu nichts mehr taugt, das hinausgeworfen und zertreten wird.

Oder wir werden wie Licht, das mehr und mehr verlöscht, und schließlich unter den Scheffel gestellt, ausgeht.

Jesu Worte „Ihr seid das Salz der Erde“ – „Ihr seid das Licht der Welt“ werden überliefert im Kontext der Bergpredigt mit den Seligpreisungen. Die Adressaten sind keine Experten für Öffentlichkeitsarbeit, nicht auserwählte Amtsträger,  Finanzexperten oder Manager, sondern die, die ihm gefolgt sind und die ihm gerade zu hören. Leute, die alles andere als besondere Menschen sind. Das gilt auch für seinen engsten Jüngerkreis.

Auch das sind  Menschen, die das meiste von dem, was er sagt, nicht verstehen!

Menschen, die nicht selbstsicher sind und selbstbewusst auftreten, die aber auf der Suche sind, die nachfragen und offen sind für Neues.

Menschen, die auch Angst haben, die sich nach seinem Tod aus dem Staub machen und einsperren. Menschen, die ihn verraten und verleugnen.

Also ganz normale Menschen mit ihren Stärken und Schwächen, wie wir alle.

Und zu den sagen er: Ihr seid das Salz der Erde! Ihr seid das Licht der Welt.

Jesus sagt nicht: Bemüht euch standhafte Menschen zu werden, die ihm Glauben feststehen, die fromm sind, dann werdet ihr irgendwann einmal zum Salz und zum Licht für andere Menschen. Nein: Ihr schwachen Menschen, so wie ihr mir zuhört,  ihr seid schon jetzt das Salz der Erde, das Licht für diese Welt.

In eurem Leben, in euren Taten soll das sichtbar sein:

Wie das aussehen kann, wird vielleicht deutlich, wenn man Jesu Aussagen vom Salz und vom Licht mit den Seligpreisungen verbindet:

Salz sind wir; wenn wir im Geist arm sind,  d.h. wenn wir offen sind für Gott, ihn suchen und nach ihm fragen.

Licht sind wir, wenn wir nach Gerechtigkeit streben, in unserem privaten und im öffentlichen Leben.

Salz sind wir für die Menschen, wenn wir Erbarmen mit anderen haben und barmherzig sind, d.h. auch über Fehler und Schwächen anderer hinwegsehen zu können.

Licht sind wir, wenn wir ein reines Herz haben, ein offenes und weites Herz, in dem viel Platz ist für Gott und für andere Menschen.

Salz sind wir, wenn ihr aus unserm Herzen keine Mördergrube machen und nicht alles mit Hintergedanken tun.

Licht sind wir für andere, wenn wir in unserer Welt voller Hass, Streit und Unversöhnlichkeit, immer wieder versuchen, Frieden zu stiften.

Wenn wir ganz normalen Menschen, das immer wieder versuchen, dann sind wir  gesegnet, selig zu preisen, glücklich zu schätzen.

Dann zeigt sich, dass wir mit Gott verbunden sind, von ihm gesegnet sind.

Dann zeigt sich, dass wir dort wo wir stehen, Salz sind, das Würze und Stärke hat, oder wie es Fridolin Stier übersetzt: Salz das Witz hat.

Dass uns das als Kirche, als Gemeinde und in unserem persönlichen Leben wünsche ich uns allen, denn das ist die Kern der frohen Botschaft Jesu Christi.

Ihr Pfarrer in München,
Siegfried Thuringer

Freiheit ... - Gedanken von Kurat Peter Priller

... fällt mir ein, wenn ich an die Zeit vor Ostern denke. Eigentlich erstaunlich!

Freiheit - ein äußerst strapaziertes Wort. Erstmal sehr positiv besetzt, und kostbar erkämpft, musste das Wort Freiheit leider oft genug auch herhalten, wenn das glatte Gegenteil gemeint war. Den Gipfelpunkt dieses Missbrauchs des Freiheitsbegriffs haben die braunen Machthaber gesetzt: „Arbeit macht frei“ – der Spruch über den Eingangstoren der Konzentrationslager war der blanke Zynismus angesichts des Grauens, das hinter diesen Toren geschah. Gerade im Hinblick auf diese beispiellose Bosheit, die das Wort Freiheit auch noch im Mund geführt hat, könnte uns bewußt werden, welch hohes Gut die Freiheit eigentlich ist. Dieses Gut ist es wert, bewahrt und verteidigt zu werden. Leider muss das inzwischen wieder manchmal eigens betont werden.

 „Zur Freiheit hat uns Christus befreit. Bleibt daher fest und laßt euch nicht von neuem das Joch der Knechtschaft auflegen!“ schreibt Paulus an seine Gemeinde (Gal 5,1) vor  fast 2000 Jahren. Sein Aufruf stimmt immer noch. Wir sind nicht nur frei  v o n  Ketten und Fesseln, wir sind auch frei  z u  wählen und zu entscheiden.

Was hat das mit der Zeit vor Ostern zu tun? Wir schließen Weihnachten an Lichtmess ab, wir gehen auf Ostern zu. Es kommen die Faschingstage, es kommt die Fastenzeit. Beides Fasching und Fastenzeit können auf je eigene Weise Zeiten sein, in denen wir Freiheit bewußt leben, vielleicht bewusster als sonst. Fasching und Fastenzeit ergänzen sich prächtig und wollen uns Freiheit auf je eigene Weise im eigenen Leben ermöglichen. Freiheit in der je eigenen Lebensgestaltung Wirklichkeit werden lassen, das ist etwas sehr persönliches. Da muss auch jede Frau und jeder Mann wissen, was ihr bzw. ihm guttut, was hilft und was weiterbringt. „Fastengebote“ wären da wenig hilfreich ... Die Freiheit nach außen zu bewahren und hochzuhalten ist nochmal was anderes. Das ist etwas öffentliches, man könnte auch sagen etwas politisches, auch kirchenpolitisches – ja ganz sicher. Die Freiheit ist schnell verspielt, im persönlichen Leben, genauso wie in Staat, Kirche und Gesellschaft. Wo Religion zur Unfreiheit führt, wird sie in ihr Gegenteil verkehrt. Dieser Freiheit zu ihrem Recht zu verhelfen, heißt, den Menschen zu ihrem Recht zu verhelfen. Das verlangt Einsatz und manchmal auch Mut. Schon Luther wußte um den Wert der „Freiheit eines Christenmenschen“...

Ich lad Sie ein, als freie Menschen und Christen Verantwortung zu übernehmen – Verantwortung für die Freiheit. Das wäre ein großer Vorsatz – nicht nur zur Fastenzeit ... 

Ihr Kurat in Bad Tölz
Peter Priller

Ab 4. Oktober immer mittwochs

19.30 Uhr Workshop Christbaumschmuck

Wochenende 13. - 15. Oktober

Ökumenisches Bibelwochenende

Samstag, 11. November

10.00 Uhr  - 13.00 Uhr baf-Frauenfrühstück

Sonntag, 12. November

10.00 Uhr Familiengottesdienst

Sonntag, 19. November

10.00 Uhr Firmung in St. Willibrord