Spirituelle Impulse 2009

Am Ende eines Jahres - Gedanken von Pfarrer Siegfried Thuringer

"Preise Gott, den Herrn, zu jeder Zeit, bitte ihn, dass dein Weg geradeaus führt und dass alles, was du tust und planst, ein gutes Ende nimmt." (Tob 4,19)

Liebe Gemeindemitglieder,
liebe Freundinnen und Freunde,

wir stehen schon fast wieder am Ende eines Jahres und viele von uns halten Rückblick auf das vergangene Jahr.  War es so wie ich es mir vorgestellt habe?  Hat das, was ich in diesem Jahr geplant und getan habe, ein gutes Ende genommen, so wie es in einen Vers aus dem Buch Tobit heißt: "Preise Gott, den Herrn, zu jeder Zeit, bitte ihn, dass dein Weg geradeaus führt und dass alles, was du tust und planst, ein gutes Ende nimmt." – so der alt gewordene Tobit an seinen Sohn Tobias. Ja, wenn es denn so einfach wäre: Wir preisen Gott, und dann führt unser Weg geradeaus und alles, was wir tun und planen, wird ein gutes Ende nehmen.

Ist das nicht eher Wunschdenken? Unsere Wirklichkeit nehmen wir doch vielfach anders wahr.

"Die gerade Linie ist gottlos" – dieser Satz ist mir vor vielen Jahren einmal untergekommen. Er war geschrieben in vielen Sprachen und gestaltet als Bild ohne eine einzige gerade Linie. Der Satz stammt vom österreichischen Künstler Friedensreich Hundertwasser. Er hat ihn 1957 bei einem vielbeachteten Vortrag zur Gegenwartsarchitektur gesprochen. Praktische Auswirkungen hatte er auf die Architektur Hundertwassers. Er baute Häuser, Kirchen und Bahnhöfe mit  phantastischem Aussehen unter Vermeidung von geraden Linien.

"Die gerade Linie  ist gottlos" – wer die Natur, die Schöpfung Gottes, aufmerksam  beobachtet, kann diesem Satz leicht zustimmen, gerade Linien finden sich darin kaum. Nachdenklich gemacht hat mich diese Aussage aber im Hinblick auf etwas Anderes.

Die meisten Menschen heute, und da nehme ich mich nicht aus, haben eine sehr geradlinige Vorstellung von ihrem Leben. Wir träumen von diesem und jenem und versuchen persönliche Ziele möglichst schnell und auf  geradem Weg zu erlangen.  Die Erfahrung ist freilich: Vieles läuft nicht so wie erwartet oder erträumt.

Eine Erfahrung, die Menschen immer wieder machen müssen. Die biblischen Texte der Advents- und Weihnachtszeit sind dafür ein beredtes Zeugnis. Johannes der Täufer kündigt den Messias an und fordert seine Zuhörer auf: Bereitet dem Herrn den Weg, ebnet ihm die Straßen, was krumm ist soll gerade werden ...

Und die Wirklichkeit von Weihnachten ist dann ganz anders: Gott kommt  nicht auf geraden Straßen und bereiteten Wegen, sondern in Verhältnissen auf die Welt, wie sie unpassender nicht sein könnten. Und das ist eine urbiblische Erfahrung. In vielen Erzählungen findet sich Gott eben nicht auf geraden Wegen, in geradlinigen Lebensverläufen, sondern die Wege, die Menschen in den biblischen Geschichten gehen, sind oft Wege des Neuanfangs, des Aufbruchs, auch Wege des Flüchtens, des sich Zurückziehens und auch des Scheiterns.

Abraham und Sara brechen am Ende ihres Lebens noch einmal neu auf; Isaak wird ihnen geschenkt und sie machen sich auf den Weg in ein von Gott verheißenes Land. Josef und Maria machen sich mit ihrem Kind auf den Weg der Flucht. Ein Engel – ein Bote Gottes – hat sie dazu aufgefordert. Und auch das Leben Tobits reiht sich hier ein: Er wird vom Unglück verfolgt. Er ist auf der Flucht, büßt seine Habe ein und verliert sein Augenlicht. Viele Lebensgeschichten, die uns in der Bibel begegnen, sind alles andere als geradlinig. Und eine gemeinsame Botschaft aller dieser Geschichten ist: Gott  begegnet diesen Menschen gerade dann, wenn sie es nicht erwarten. Gott ist gegenwärtig an Wendepunkten des Lebens, an Kehrungen, beim Aufbrechen, beim Nicht-Mehr-Weiter-Gehen-Wollen und in vermeintlichen Sackgassen. „Die   gerade Linie ist gottlos“... . Auch wenn Hundertwasser dies zunächst auf die Architektur bezogen hat, meine ich, es stimmt auch für unser Leben.

Die Sehnsucht nach einem geradlinigen Leben, in dem alles glatt geht, in dem es nicht immer der neuen Vergewisserung braucht, ist trügerisch und führt nicht zu Gott.

Labyrinth als Bild für de Lebensweg.

Ein altes Bild für den Lebensweg des Menschen ist das Labyrinth. Wenn wir heute von einem Labyrinth reden, dann haben wir vielfach das Bild eines Irrgarten vor Augen.  Das Labyrinth im eigentlichen Sinn ist anders.

Es gibt da nämlich - anders als im Irrgarten – nicht verschiedene Wege, von denen dann einige als Sackgassen enden, sondern es gibt nur einen Weg.

Vom Eingang führt ein verschlungener Weg zum Ziel in die Mitte. Eine Wegstrecke, die freilich nicht geradlinig ist, die immer wieder Kehrungen aufweist, auf der man sich manchmal schon ganz nah dem Ziel wähnt, die dann aber doch wieder von der Mitte wegführt.

Wenn das Labyrinth für meinen Lebensweg steht, dann sind Anfang und Ende leicht zu bezeichnen mit den Ereignissen von Geburt und Tod. Freilich - so besehen - wollen wir vielleicht  gar nicht  ankommen und gehen doch unweigerlich auf das Ziel zu. Aber ist der Tod das Ziel? Das Bild vom Labyrinth hat aber etwas Tröstliches: Es gibt Darstellungen von Labyrinthen, in denen in der Mitte ein Schmetterling schwebt. Er ist Zeichen für eine neue Geburt, er ist Zeichen für die Auferstehung. Wer zum Ziel kommt, findet Gott, aber das bedeutet nicht das Ende, sondern einen neuen Anfang. 

Das Labyrinth ist auch ein Bild für meinen Glaubensweg: Auf dem Weg zur Mitte, zu Gott hin gibt es Wegstrecken, in denen ich mich ihm ganz nahe weiß, aber auch Strecken und Wendepunkte, wo ich mich weit weg fühle. Der Weg freilich windet sich um diese Mitte und führt letztlich zu ihr hin.

Wir stehen vor einem Jahreswechsel und ich meine, das ist ein gute Gelegenheit  mit   dem  Symbol   des  Labyrinths, das eigene Leben zu betrachten. Wo bin ich im Labyrinth meines Lebens? War in diesem Jahr eine Kehrtwende? Bin ich nahe dem Ziel oder weit weg von der Mitte? War da die Erfahrung eines Neuaufbruches, der Auferstehung? War auf diesem Weg auch Gott zu finden, zu spüren gewesen?

Das, was uns Menschen auszeichnet, ist ja gerade die Fähigkeit über unser Leben zu reflektieren. Wir sind nicht einfach in einem Labyrinth unterwegs, sondern haben die Möglichkeit, uns gedanklich außerhalb des Labyrinthes zu begeben und eine Standortbestimmung zu versuchen. Dass wir Zeit dafür finden, wünsche ich uns für die bevorstehenden Weihnachtstage und den Jahreswechsel.

Ihr Pfarrer
Siegfried Thuringer

Kleine Weihnachtslitanei - Gedanken von Kurat Peter Priller

Wenn Kinderaugen staunend leuchten - dann ist Weihnachten
Wenn Ruhe endlich wirklich wird - dann ist Weihnachten
Wenn Hoffnung sich erfüllt, anders als erwartet - dann ist Weihnachten
Wenn Sehnsucht ihren Frieden findet - dann ist Weihnachten
Wenn Tränen endlich fließen dürfen - dann ist Weihnachten
Wenn Lachen wirklich Wahrheit ist - dann ist Weihnachten
Wenn der Schmerz der Seele sich wie ein Geschenk anfühlt - dann ist Weihnachten
Wenn im Innehalten neuer Mut zum Aufbruch wächst - dann ist Weihnachten
Wenn Trauer ihren Wert bekommt - dann ist Weihnachten
Wenn Angst sich auflöst in Vertrauen - dann ist Weihnachten
Wenn Wut zum Schlüssel für Verständnis wird - dann ist Weihnachten
Wenn Schweigen da sich breit macht, wo jedes Wort zuviel ist - dann ist Weihnachten
Wenn endlich Worte erbarmungsloses Schweigen brechen - dann ist Weihnachten
Wenn Wunden einen Blick nach Innen schenken - dann ist Weihnachten
Wenn Achtung über den Vorteil siegt - dann ist Weihnachten
Wenn Menschen sich verlieben - dann ist Weihnachten
Wenn Verliebtheit zur Liebe wird - dann ist Weihnachten
Wenn Dankbarkeit für das, was war, stärker wird als Bitterkeit - dann ist Weihnachten
Wenn der Blick den eigenen Horizont erweitert - dann ist Weihnachten
Wenn tiefer Friede sich im Herzen ausbreitet - dann ist Weihnachten
Wenn Menschen Menschen mögen, weil sie Menschen sind - dann ist Weihnachten
Wenn Menschen endlich die Schöpfung respektieren - dann ist Weihnachten
Wenn Menschen Menschen eine Chance geben - dann ist Weihnachten
Wenn Menschen Unrecht Unrecht nennen - dann ist Weihnachten
Wenn Menschen aus den Fehlern lernen - dann ist Weihnachten
Wenn Menschen endlich Menschen werden - dann ist Weihnachten
Dann wird es Zeit, ein Fest der Menschwerdung zu feiern - dann ist Weihnachten

Liebe Leserinnen und Leser,

diese kleine Weihnachtslitanei ist mir so aus den Fingern geflossen, als ich über Weihnachten nachgedacht, oder besser gesagt – nachgefühlt hab. Sie wäre natürlich beliebig lang fortsetzbar. Wichtig ist mir, sie mit einer sehr berühmten Stelle im Alten Testament in Verbindung zu setzen, nämlich mit Jes 11,1-10.

"... Dann wohnt der Wolf beim Lamm, der Panther liegt beim Böcklein, Kuh und Bärin freunden sich an ..."

Die Vision eines allumfassenden Friedens – im Hier und Jetzt unrealistisch – aber trotzdem tiefe Sehnsucht, das ist die Vision der Menschwerdung Gottes, die Vision von Weihnachten.

Machen auch wir uns auf den Weg der Menschwerdung!

Ich wünsche Ihnen besinnliche Tage des Advent, ein frohes und friedvolles Weihnachtsfest, eine gute und erfüllte weihnachtliche Festzeit und Gottes Segen und Begleitung im neuen Jahr.

Ihr  Kurat in Bad Tölz
Peter Priller

"Wie ein Baum" - Gedanken von Pfarrer Siegfried Thuringer

Wie ein Baum,

- Ich bin wie ein Baum –

mit Wurzeln, die tief in die Erde reichen,
und mit solchen, die sehr flach an der Oberfläche liegen,
mit einem Stamm, auf dem die vergangene Zeit ihre Spuren hinterlassen hat;
Sommer und Winter haben meine Rinde rissig werden lassen,
empfindlicher für große Schwankungen.
Lebensbaum bin ich geworden,
Stammbaum für jene, die nach mir kommen

- der an Wasserbächen gepflanzt ist –

meine Wurzeln finden Wasser
jeden Tag aufs Neue;
doch in dürren Zeiten
müssen sie tiefer hinunterreichen,
andere haben mich
an diesen Platz gestellt,
ohne mein Zutun bin ich geworden,
was ich heute bin und morgen sein werde

- der zur rechten Zeit seine Frucht bringt –

ohne mein Tun
wachsen an meinen Ästen die Früchte,
ich ängstige mich nicht;
zu meinen Früchten
gehören auch der Schatten,
die Ruhe, die von mir ausgeht,
die ich dem schenke, der sie bei mir sucht

- und dessen Blätter nicht welken –

wenn die Früchte geerntet sind,
welken doch meine Blätter nicht,
lebendige Kraft bleibt in mir,
gibt mir die Hoffnung für neues Wachsen.
Glück und Gelingen
schenkt mir Gott
täglich ohne meine Sorge.
Ich bin gewiss:
Kein Blitz wird zur unrechten Zeit in meine
Krone einschlagen,
kein Sturm mich entwurzeln.

(VerfasserIn unbekannt)

Allerheiligen - Gedanken von Kurat Peter Priller

Liebe Leserinnen und Leser,

manche wundern sich, warum ich an Allerheiligen auf die Gräber gerne Osterkerzen stelle. „Hat der sich in der Zeit vertan? Oder sind ihm so viele Osterkerzen übriggeblieben, dass er sie irgendwann verbrennen muss?"

Nein, nein! Das ist schon Absicht. Allerheiligen bezeichne ich oft als das „Ostern der kleinen Leute". Am Osterfest und an jedem Sonntag feiern wir die Auferstehung Jesu Christi, den Sieg des Lebens über den Tod. Und an Allerheiligen feiern wir die Auferstehung von allen – auch die Auferstehung von dir und mir. Und natürlich feiern wir die Auferstehung von all denen, die uns vorausgegangen sind, die Jesus durch den Tod hindurch gefolgt sind ins Leben. Das sind neben den großen und bekannten Heiligen alle unsere Verstorbenen.

Paulus nennt noch alle Christen „Heilige" und wir sollten uns immer wieder bewußt machen, dass wir alle zur „Gemeinschaft der Heiligen" gehören, zu der wir uns im Glaubensbekenntnis bekennen.

Tragen wir ruhig zu Allerheiligen das Osterlicht auf die Gräber derer, die uns im Leben nahe gestanden sind!

Und holen wir dieses Licht des Lebens zu uns herein! Im wörtlichen Sinn z.B. am Martinstag oder zum Anfang des Advents. Holen wir dieses Licht aber noch viel mehr im übertragenen Sinn zu uns herein! Lassen wir den lebendigen Christus an uns heran, in unser Herz! Spüren wir die Wärme, die wir woanders her empfangen, gerade in dieser Zeit des Rückzugs, da die Tage kürzer werden und die Temperaturen sinken: Die Wärme der Heizung, die wärme des Ofens, die Wärme des Kerzenlichtes, die Wärme der Menschen, die uns lieb und teuer sind, die Wärme aller Menschen guten Willens. Und geben wir diese Wärme weiter – und das Licht!

Die Welt braucht Herzenswärme, braucht Licht zum Leben. Es ist die Aufgabe von uns „Heiligen", diese Wärme und dieses Licht in unsere Welt hineinzutragen. Es ist das Licht der Auferstehung, das Licht, das Leben gibt.

Besinnliche Tage wünscht
Ihr Kurat Peter Priller

"Alles fließt" - Gedanken von Pfarrer Siegfried Thuringer

Liebe Gemeinde,
liebe Freundinnen und Freunde der Gemeinde

bei Exerzitien, die ich vor einigen Jahren im Schwarzwald gemacht habe, wurden die Teilnehmer eingeladen, sich alleine auf den Weg zu machen und in der Umgebung einen Ort zu suchen, der sie anspricht und der zum Verweilen einlädt. Mein Ort wurde ein  kleiner Bach mitten im Wald. Das schnell fließende Wasser sprach mich an und weckte in mir Erinnerungen an die sehr verkürzte Erkenntnis des griechischen Philosophen Heraklit "Panta rhei" - "Alles fließt". Darin drückt sich die Erfahrung aus, dass sich im Fluss des Lebens alles fort bewegt und nichts so bleibt wie es ist. Eine zwar banale für manche aber erschreckende und Angst machende Wirklichkeit menschlichen Lebens.

Der Blick auf das sprudelnde Wasser weckte eine weitere Assoziation. Das biblische Bild von Gott als Quelle des Lebens tauchte in mir auf. Im Psalm 36 heißt es dazu „Denn bei dir ist die Quelle des Lebens, in deinem Licht schauen wir das Licht“.

Gott als Quelle meines und jeden Lebens – das finde ich einen schönen Gedanken. Das Wasser erinnert mich an meine Taufe, daran, dass ich aus Wasser und Heiligem Geist zu einem Leben geboren bin, das mein irdisches weit übersteigt. Das Wasser fließt nicht einfach so dahin -  es hat seinen Ursprung und sein Ziel in Gott. Er ist auch für mein Leben Anfang und Ende, Ursprung und Ziel.

Ein Lied  in unserem  Gesangbuch „Eingestimmt.“ (ES Nr. 535) greift dieses Bild von Gott als Quelle des Lebens auf,  malt es aus und wird zu einem  großartigen Glaubensbekenntnis:

Alle meine Quellen entspringen in dir, in dir mein guter Gott!
Du bist das Wasser, das mich tränkt und meine Sehnsucht stillt!
Du bist die Kraft, die Leben schenkt, eine Quelle welche nie versiegt.
Du bist der Geist, der in uns lebt, der uns reinigt, der uns heilt und hilft.
Du bist das Wort, das mit uns geht, das uns trägt und uns die Richtung weist.
Du bist der Glaube, der uns prägt, der uns stark macht, offen und bereit.
Du bist die Liebe, die befreit, die vergibt, wenn uns das Herz anklagt.
Du bist das Licht in Dunkelheit, du erleuchtest unseren Lebensweg.
Du bist das Lamm, das sich erbarmt, das uns rettet, uns erlöst und liebt.
Ströme von lebendigem Wasser brechen hervor!
(Leonore Heinzl)

Am 18. Oktober wird Bischof Joachim Vobbe das Sakrament der Firmung an sechs Jugendliche aus unserer Gemeinde spenden. Wir wollen dieses freudige Ereignis zum Anlass nehmen, uns über die Bedeutung von Taufe und Firmung für unser Leben  neu bewusst zu werden.

Am 11. Oktober werden wir einen Gemeindetag dazu veranstalten. Dazu lade ich sie heute schon ein. Für die kommenden Wochen wünsche ich eine gute und erholsame Sommer- und Ferienzeit.

Mit herzlichen Grüßen,
Ihr Pfarrer Siegfried J. Thuringer

"Die Allegorie von den Fröschen" - Gedanken von Kurat Peter Priller

„Es war einmal eine Gruppe von Fröschen, die einen Wettlauf machen wollten. Ihr Ziel war es, die Spitze eines hohen Turmes zu erreichen. Viele Zuschauer hatten sich bereits versammelt um diesen Wettlauf zu sehen und sie anzufeuern ... Das Rennen konnte beginnen.

Ehrlich gesagt: Von den Zuschauern glaubte niemand so recht daran, dass es möglich sei, dass die Frösche diesen hohen Gipfel erreichen konnten. Alles, was man hörte, waren Aussprüche wie: „Ach, wie anstrengend! Die werden sicher nie ankommen!" oder „Das können sie gar nicht schaffen, der Turm ist viel zu hoch!"
Die Frösche begannen zu resignieren... außer einem, der kraftvoll weiterkletterte. Die Leute riefen weiter: „Das ist viel zu anstrengend! Das kann niemand schaffen!" Immer mehr Frösche verließ die Kraft und sie gaben auf... aber der eine Frosch kletterte immer noch weiter, er wollte einfach nicht aufgeben!

Schließlich hatten alle aufgehört, weiterzuklettern, außer diesem einen Frosch, der mit enormem Kraftaufwand als einziger den Gipfel des Turms erreichte. Jetzt wollten die anderen Mitstreiter natürlich wissen, wie er das denn schaffen konnte. Es stellte sich heraus: Der Gewinner war taub.

Die Moral von der Geschicht: Sei einfach taub, wenn jemand Dir sagt, dass Du Deine Träume nicht realisieren kannst!"
(Autor unbekannt)

Liebe Leserinnen uns Leser,

diese Geschichte habe ich vor ein paar Tagen in einem Seminar gehört. Inzwischen hab ich rausgefunden, dass sie unter dem Titel „Die Allegorie von den Fröschen" im Internet kursiert. Trotzdem hat sie mir gefallen.

Manchmal muss jemand einfach das scheinbar Unerreichbare anstreben, wenn überhaupt etwas herauskommen soll. Auch dann, wenn wir die Spitze des Turmes nicht erreichen sollten, ohne den Mut, sich aufzumachen, würden wir gar nichts erreichen. Manchmal schaut das Ziel auch anders aus als erwartet. Aber wir würden überhaupt nirgendwo hinkommen, wenn wir immer nur auf die „Entmutiger" hören.

Als Christ kann ich die Geschichte noch etwas ergänzen: Hab den Mut, das scheinbar Unmögliche zu wagen! Du bist nicht allein. Dieser Mut zum Aufbruch – das ist Pfingsten.

Lass die „Entmutiger" hinter Dir und wage es, Dein Leben zu leben! Wage es, Deine Träume zu verwirklichen, dann kommt Geist und Sinn in Dein Leben!
Und manchmal kann sich auch ein vordergründiger Nachteil (der Sieger-Frosch war taub) als große Chance erweisen.

Das gilt für jeden Menschen persönlich, das gilt auch für die Idee von Kirche. Die Pfingstbotschaft heißt: Trau Dich zu leben!

Ihr Kurat in Bad Tölz
Peter Priller

"Ein schweres Kreuz" - Gedanken zur Fastenzeit von Pfarrer Thuringer

Liebe Gemeinde, liebe Freundinnen und Freunde unserer Gemeinde,

eine Mutter hat mir vor einigen Jahren einmal gesagt, dass sie mit ihrem Kind so gerne in unsere Kirche geht, weil hier kein Kreuz zu sehen ist.  Der Anblick eines gemarterten und gehängten Menschen sei für ein Kind doch zu schrecklich und unzumutbar. Abgesehen davon, dass es nicht stimmt, dass es in der alt-katholischen Kirche St. Ursula in Freiburg, wo ich damals Pfarrer war,  kein Kreuz gibt - es gibt die Kreuzigung als Gemälde und ein zugegebenermaßen sehr unscheinbares Kreuz am barocken Tabernakel im Hochaltar – muss ich für mich sagen, dass mich Kreuzesdarstellungen aus meiner Kindheit sehr geprägt haben. Etwas, was mir erst sehr viel später bewusst geworden ist.

Es sind eigentlich zwei Darstellungen, die mir aus meiner Kindheit in Erinnerung sind. Ein romanisches Kreuz und ein Kreuz aus der Zeit der Gotik. Beide sind im Passauer Dom zu sehen. Auf dem einen, einem romanischen Kreuz, ist der Gekreuzigte dargestellt als einer, der „über der Sache“ steht. Er hat etwas Erhabenes, Majestätisches. Es zeigt nicht den leidenden Jesus von Nazareth, sondern schon den erhöhten Christus. Das gotische Kreuz zeigt dagegen den unendlich leidenden, mit Wunden übersäten Menschen  Jesus von Nazareth, der stöhnend am Kreuz hängt.

Als Kind und vor allem als Jugendlicher hat mich die Darstellung des erhabenen Christus sehr  fasziniert. Vielleicht war das damals auch der Ausdruck einer jugendlichen Unbefangenheit. Der Glaube über den Dingen zu stehen, stark zu sein, unverletzlich zu sein nach dem Motto: Was kost´die Welt, ich kauf sie mir, ist ja irgendwie ein Vorrecht der Jugendlichen.

Müsste ich heute zwischen den beiden Kreuzesdarstellungen wählen, ich wäre sehr viel nachdenklicher. Die Erfahrung im Laufe der Jahre zeigt mir dann doch, dass das Leben nicht ganz so einfach ist, wie ich das einmal gedacht habe. Zu viele Menschen habe ich kennengelernt, die an ihrem Leid fast zerbrochen sind und die Frage nach Sinn und Unsinn von Leid, lässt sich meiner Meinung nach auch im Glauben oft nicht beantworten. Aber ich habe auch die Erfahrung gemacht, dass Menschen im Blick auf den leidenden Jesus - nicht auf den erhabenen Christus - Tröstung erfahren haben. Mit ihm konnten sie sich in ihrem Leid identifizieren. Das ist wohl auch der Grund, warum das Kreuz zum Zeichen der Christen geworden ist. Auch andere Zeichen wären ja denkbar.

Mit dem Kreuz wird uns unausweichlich unsere menschliche Begrenztheit vor Augen gestellt. Unser Leben wird immer wieder buchstäblich "durchkreuzt", da verändert sich urplötzlich das Leben, der gewohnte Ablauf: Eine Krankheit, die mich zwingt, meine Lebensgewohnheiten zu ändern;  die Sorge um den Arbeitsplatz; das Scheitern von Beziehungen, drohende Umweltkatastrophen,  Kriege, die immer mehr werden und manchmal ganz nahe sind, die Konfrontation mit dem Tod…

"Der oder die hat ein schweres Kreuz zu tragen" - so drücken wir solche und andere notvolle Situationen von Menschen aus. Mit dem Kreuz wird uns auch vor Augen gestellt, wie brutal und gewaltvoll Menschen sein können, was sie einander antun können. Jesus hat durchlebt, was auch wir immer wieder erfahren müssen, womit wir in unserem Leben nicht zurechtkommen, woran wir leiden. Er kennt die Passionsgeschichten der Menschen und der Welt.

Das Kreuz als Identifikationssymbol für unsere Passionserfahrungen. Das ist ein Aspekt. Aber so könnte jemand, der nicht mit dem Kreuz als christliches Zeichen aufgewachsen ist, zurecht einwenden, warum sollte ich mir ständig beim Anblick des Kreuzes das Leid der Welt vor Augen führen.

Das Zeichen des Kreuzes bleibt unvollständig und ist missverständlich, wenn es nicht im Licht der Osterbotschaft gesehen wird. Es bleibt nicht Zeichen des Leids und des Todes, sondern wird zum Baum des Lebens, zum Zeichen der Überwindung von Leid und Tod. Dieses miteinander zu feiern, lade ich Sie in den nächsten Tagen und Wochen herzlich ein!

Ihr Pfarrer Siegfried Thuringer

Re-Animationszeit - Gedanken zur Fastenzeit von Kurat Priller

Liebe Leserinnen und Leser,

Re-Animationszeit ist ein Begriff, den ich gerade "erfunden" habe als ich über die bevorstehende Fastenzeit nachgedacht habe. Der Begriff Reanimation stammt bekanntlich aus der Medizin und bedeutet soviel wie Wiederbelebung. Rettungssanitäter und Ärzte leisten da oft ganz Erstaunliches. Doch um das Medizinische geht’s mir hier nicht. Da gäbe es auch keine bestimmt Zeit im Jahr, die sich dafür besonders gut eignet. In der Medizin wird reanimiert, wenn’s nötig ist. Gott sei Dank!

Ich hab den Begriff der Reanimation für mich mal auf die Fastenzeit übertragen. Und heraus kam die "Re-Animationszeit". Eine Zeit der Wiederbelebung. Und ich meine das erstmal sehr persönlich. Was gibt es in meinem Leben, das einer Wiederbelebung bedarf? Was möchte ich neu mit Leben füllen und was ist vielleicht längst unwiderruflich tot?

Eine kleine Hilfe dazu: Re-Animation heißt wörtlich übersetzt gar nicht Wieder-Belebung, sondern wörtlich heißt es "Wieder-Beseelung" (lat.: re=wieder; anima=Seele). Vielleicht geht so manchem Lebensbereich die Seele ab. Projekte gelingen immer dann, wenn Menschen mit Leib und Seele dahinterstehen, sei's im Beruf, sei's im Privatleben, sei's in Staat, Gesellschaft oder Kirche.

Ohne die "gute Seele" im Haus, wird das Haus zwar evtl. ordentlich verwaltet, aber es wird nicht wohnlich, nicht gemütlich. Im Trott des alltäglichen Lebens neigen wir Menschen leider dazu, die Seele zu verlieren, zu vergessen. Dann gehen gute Vorhaben leicht verloren, Projekte laufen sich tot, und auch Beziehungen, Freundschaften, Familien drohen ohne eine Seele dahinter leer zu werden und zu veröden.

Und nun gibt es diese vierzig Tage im Jahr, die wir Fastenzeit oder österliche Bußzeit nennen, die den Blick genau dahin lenkt, wo's einer Re-Animation, einer Wieder-Beseelung bedarf. Die Wieder-Beseelungs-Maßnahmen können sehr unterschiedlich, ja geradezu gegensätzlich sein. Der Begriff „Fastenzeit“ ist da ein bisschen einseitig. Für den einen oder die andere kann die "Wiederbeseelung" des eigenen Lebens tatsächlich im Weglassen im Verzichten liegen, bei jemand anderem kann es genau das Gegenteil sein: Sich endlich mal was gönnen, sich was Gutes tun. Und wieder jemand anderer kann entdecken, dass Freundschaften nur dann am Leben bleiben, wenn beide Seite auch was dazu geben.

Wie auch immer Ihre persönlichen Wiederbelebungsmaßnahmen / Wiederbeseelungsmaßnahmen ausschauen: Diese vierzig Tage sind eine Chance, damit anzufangen. Auch wenn das Wort "Fastenzeit" keinen so super guten Klang in unseren Ohren hat, ich freu mich drauf. Es ist Re-Animationszeit. Es ist Zeit, dem Leben viele Chancen zu geben.

Ich wünsche Ihnen erstmal noch fröhliche Faschingstage und dann eine gute, erfüllte Zeit der vierzig Tage und dazu die jeweils passenden „Reanimationsmaßnahmen“.

Herzliche Grüße!
Ihr Peter Priller, Kurat in Bad Tölz

Ab 4. Oktober immer mittwochs

19.30 Uhr Workshop Christbaumschmuck

Samstag, 2. Dezember

17.00 Uhr Ökumenisches Adventsansingen in St. Bonifaz