Spirituelle Impulse 2008

Jeder Tag ist ein Brief - Gedanken zum Jahresende von Pfarrer Thuringer

Liebe Gemeinde, liebe Freunde unserer Gemeinde,

das Jahr 2008 ist fast zu Ende und vor uns liegt ein neues Jahr mit 365 Tagen, die es zu gestalten gilt. Der Schriftsteller Reiner Kunze hat sich in einem Gedicht einmal Gedanken über die Tage unseres Lebens gemacht. Sein Gedicht ist überschrieben mit „Jeder Tag".

Jeder tag
ist ein brief

Jeden abend
versiegeln wir ihn

Die nacht
trägt ihn fort

Wer
empfängt ihn

„Jeder Tag ist ein Brief…."

Ein einprägsames Bild: Jeder Tag meines Lebens, jeder Tag des kommenden Jahres ist wie ein Brief. Es wird den ganzen Tag an diesem Brief geschrieben: Von mir selber, aber auch von anderen, denen ich im Laufe eines Tages begegne. Und die Erfahrung, die ich mache, ist: Viele schreiben an meinen Tagesbriefen mit. Es gibt nur wenige Tage, in denen nur ich bestimme, was geschieht. So ein Tagesbrief hat deshalb auch keine einheitliche Form. Und auch wo ich selber schreibe, gibt es unterschiedlichste Passagen: Teile sind mit der Hand geschrieben, andere mit Computer, es gibt Kapitel auf Büttenpapier, kunstvoll verziert, es gibt aber auch das Format Standardbrief mit vorgefertigtem Briefkopf und Textbausteinen. Manches ist wohl durchdacht, anderes nur kurz notiert. Die Vielfalt von Briefen, sie spiegelt sich auch in den Tagen meines Lebens wieder, ja sogar in einem einzigen Tag.

Am Abend wird der Tagesbrief versiegelt und die Nacht trägt ihn fort.

Nur ein wichtiger Brief wird versiegelt. Das Siegel bürgt für die Echtheit, gibt den Absender an. Ein Siegel schützt den Inhalt. Nicht jeder darf dieses Siegel brechen und den Brief lesen.

Meine Tage, mit all dem, was sie ausmachen, sind mir so wichtig, dass ich sie am Abend versiegle. Der Tagesbrief ist dann abgeschlossen. Dieser Tag ist beendet und nichts kann dieser Zeit mehr hinzugefügt werden.

Die Nacht trägt ihn fort – so Reiner Kunze, und er fragt nach: Wer empfängt ihn?

Ja, wer empfängt die Tagesbriefe meines Lebens? Kunze lässt diese Frage offen – eine Antwort darauf kann man wohl auch nur im Glauben geben.

 

Der Theologe Karl Barth hat es in einem Gebet einmal so versucht:

Gott, was in deinen Händen steht, das steht.
Da steht es also mein Gestern, mein Heute und mein Morgen
mit allem Verborgenen und Offenkundigen was dazu gehört.
Da stand meine Zeit, meine Lebensgeschichte, ich selbst
schon lange, lange bevor ich geboren war in Deinem Ratschluss und so von Ewigkeit her.
Und da wird es stehen: nicht nur bis zu meinem Tode, sondern über ihn hinaus, für immer.
Nichts, gar nichts von dem, was da kam und noch kommt und jetzt ist, wird je verloren, vergessen und ausgelöscht sein.
Ich bin, ich werde leben, auch wenn ich sterbe, weil mein Leben in Deinen Händen steht.

Ich wünsche Ihnen für das neue Jahr erfüllte Tage und die Gewissheit, dass nichts davon verloren gehen wird, weil ihre Zeit in Gottes Händen steht.

Ihr Pfarrer Siegfried Thuringer

"Ihr sucht Jesus, den Gekreuzigten" - Gedanken zu Ostern von Pfarrer Thuringer

Liebe Gemeinde, liebe Freundinnen und Freunde der Gemeinde,

„Ihr sucht Jesus, den Gekreuzigten. Er ist nicht mehr hier; denn er ist auferstanden, wie er gesagt hat. Kommt her und seht euch die Stelle an, wo er lag. Dann geht schnell zu seinen Jüngern und sagt ihnen: Er ist von den Toten auferstanden. Er geht euch voraus nach Galiläa, dort werdet ihr ihn sehen“. (Mt 28,6f.) Das ist die Botschaft des Engels an die am Ostermorgen zum Grab kommenden Frauen. Das Titelbild dieses Kontaktbriefes – es ist ein Ausschnitt aus dem Kirchenfenster in der Apsis unserer Kirche St. Willibrord – zeigt diesen Engel.

Und ich finde seine Botschaft bemerkenswert. Sie lautet nämlich nicht gleich: Geht hin in alle Welt und kündet die Botschaft vom neuen Leben.

Sondern sie verweist zunächst auf Galiläa, also dahin, wo alles begonnen hat: „Er geht euch voraus nach Galiläa, dort werdet ihr ihn sehen.“ Galiläa ist das Land ihrer Herkunft, Galiläa ist die Welt ihres Alltags, dort haben die Jünger als Fischer gearbeitet. Galiäa ist auch das Land der Heiden, das Land der Widersprüchlichkeiten, der falschen Messias-Erwartungen. Dahin sollen sie gehen: ins Land der Bettler am Wege, der Arbeitslosen, der Prostituierten, der Zöllner und Sünder.

Nicht in der heiligen Stadt Jerusalem werden sie ihm begegnen, sondern dort, wo sie daheim sind, dort wo sie gelebt und gearbeitet haben, mitten in ihrem Alltag, in Galiläa.

Vielleicht ist in diesem Hinweis auf Galiläa auch der Ort genannt, wo wir heute den Auferstandenen finden können.

Galiläa war das Land, in dem Juden und Heiden gemeinsam wohnten. Galiläa steht daher nicht nur für den Alltag in dem wir leben, sondern auch für das „Mischvolk“, das dort lebt, und übertragen steht es für das Gemisch, aus dem auch unser Leben sich zusammensetzt.

Unser Leben ist Galiläa. In uns wohnen Juden und Heiden vermischt zusammen. In uns selber sind Gottesnähe und Gottesferne, Glaube und Unglaube, Liebe und Hass, Lebendigkeit und Starre, Licht und Dunkelheit nebeneinander.

Und auch wir wohnen mit Menschen zusammen, die Gott suchen und mit Menschen, die sich nicht um Gott kümmern, mit Menschen, die wir lieben und mit anderen, mit denen wir uns schwer tun.

Mitten in diesem Gemisch unseres Galiläas können wir den Auferstandenen schauen. Auch das ist eine Verheißung von Ostern.

In diesem Sinne wünsche ich uns allen eine gesegnetes Osterfest!

Ihr Pfarrer Siegfried Thuringer

Ab 4. Oktober immer mittwochs

19.30 Uhr Workshop Christbaumschmuck

Wochenende 13. - 15. Oktober

Ökumenisches Bibelwochenende

Samstag, 11. November

10.00 Uhr  - 13.00 Uhr baf-Frauenfrühstück

Sonntag, 12. November

10.00 Uhr Familiengottesdienst

Sonntag, 19. November

10.00 Uhr Firmung in St. Willibrord