Spirituelle Impulse

Liebe Gemeindemitglieder,

liebe Freundinnen und Freunde der Gemeinde!

das Reformationsgedenken begegnet einem im Jahr 2017 auf Schritt und Tritt. Stimmen in den verschiedenen ökumenischen Gruppen werden laut, dass das vor allem eine Veranstaltung der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und der römisch-katholischen Kirche sei. Und doch hat die 500ste Wiederkehr der Reformation auch etwas mit uns, der alt-katholische Kirche zu tun.

 

Die alt-katholische Kirche ist zwar keine Kirche der Reformation, aber sie ist aus einem Protest hervorgegangen. Wie sehr haben sich unsere Eltern darum bemüht katholisch aber nicht römisch zu sein, eine Reform durchzuführen, aber keine Reformation!? Die alt-katholische Kirche wurde manchmal mit Schlagwörtern belegt, die eher als Kampfbegriffe zu verstehen waren: „Die alt-katholische Kirche ist eine neu-protestantische Kirche“; „sie ist weder alt noch katholisch“. Heute lässt sich sagen, dass ­beides gar nicht so falsch ist. Die alt-katholische Kirche ist im Wortsinn eine protestantische Kirche und zählt erst süße 145 Jahre. Und die Bezeichnung „katholisch“ passt auch nicht, wenn darunter konfessionell „römisch-katholisch“ verstanden wird.

 

Als sich die alt-katholische Bewegung nach 1870 zu einer eigenständigen Kirche entwickelte, waren Kontakte auch zu den evangelischen ­Kirchen wichtig. Ein Ziel war ja die Aussöhnung der getrennten Kirchen, insbesondere mit den orthodoxen und den protestantischen Kirchen. So gab es auch deutliche Einflüsse aus der evangelischen Tradition: Das biblische Wort rückte in den alt-katholischen Gemeinden wieder ­stärker ins Zentrum der Verkündigung. Die Geistlichen wurden verpflichtet ihrer Predigt den biblischen Text zugrunde zu legen. Es entstanden alt-katholische Andachtsbücher für das tägliche Gebet mit rein biblischen Betrachtungen. Bereits in die ersten alt-katholischen Gesangbücher wurde evangelisches Liedgut aufgenommen. Auch die synodale Verfassung der Kirche ist eine Gemeinsamkeit, die uns verbindet. 1985 folgte dann die gegenseitige Einladung zu Abendmahl bzw. Eucharistie und 2016 die gegenseitige Anerkennung von Firmung bzw. Konfirmation. Mit den anglikanischen Kirchen (1931) und der (ev.-luth.) Kirche in Schweden (2016) sind wir in voller Kirchengemeinschaft. Für uns als eine zahlenmäßig kleine Kirche ist auch die Zusammenarbeit mit der EKD in den diakonischen Werken wie z.B. „Brot für die Welt“ wichtig.

 

In den vergangenen Jahrzehnten definierte sich die alt-katholische Kirche so immer mehr als Brücken-Kirche zwischen der römisch-katholischen und der evangelischen Kirche. Eine Brücke spannt sich zumeist über einen Fluss. So verbindet die alt-katholische Kirche den Schatz der Tradition und die Früchte ­synodaler Strukturen. Bewegen sich die Brücken­köpfe, tut sich für die Brücke die Gefahr auf, zerrissen oder zerquetscht zu werden. Die Statik ist auch in Gefahr, bewegt sich die Brücke selbst. So erlebte das unser Bistum im Nachgang zum Vaticanum II, so erlebt sie es, wenn die EKD neue Entscheidungen trifft und nicht zuletzt, wenn im Bistum selbst ein Kern-Thema der katholischen Tradition aufs Tablett kommt, wie die Sakramenten-Theologie. Worin zeigt sich dann aber die Brücken-Stellung unserer Kirche? Will sie zwischen der römisch-katholischen und den evangelischen Kirchen vermitteln? Will sie eine Mittelstellung „dazwischen“ einnehmen? Will sie mit möglichst allen Kirchen befreundet sein?

 

Ich fände es schade, wenn sich eine Kirche vorrangig über ihr Verhältnis zu „den anderen“ definieren würde. Die Brückenbögen, die geschlagen werden, können immer nur Beziehungen sein, die hüben und drüben einen Anker brauchen. Wir als alt-katholische Kirche können also lediglich eine ebenso selbständige Landmasse sein, wie es offensichtlich die anderen Kirchen sind, auf der dann solche Brückenbögen ankern können. In diesem Sinne erinnert auch uns das Reformationsgedenken 2017 daran: Wir können nur verlässliche Partnerin sein, wenn wir einen eigenen Stand haben und wissen, wer wir sind und wohin wir wollen.

 

Ihr Thomas Mayer, Pfarrvikar

 

 

 

Archiv der vergangenen spirituellen Impulse

Freitag, 21. Juli - Sonntag, 23. Juli

Dekanatstage in Pappenheim

Donnerstag, 3. August

Fahrt und Wanderung nach Andechs

Sonntag, 6. August

12.00 Uhr Berggottesdienst auf der Stie-Alm

Sonntag, 19. November

10.00 Uhr Firmung in St. Willibrord