Kirchen- und Gemeindezentrum

Ein Kirchengebäude im Wandel der Zeit

St. Willibrord in der Blumenstraße 36

St. Willibrord liegt zentral an der U-Bahn-Station Sendlinger Tor und damit direkt an der U-Bahn-Linie, die Hauptbahnhof und Messegelände verbindet. Die Kirche wirkt jedoch an diesem Platz am Altstadtring und umgeben von urbanem Leben ein wenig überraschend, denn das Äußere erinnert an eine englische Dorfkirche.

Grundstein

Dieser Eindruck ist nicht falsch; die Kirche wurde 1911 als englische Botschaftskirche in München erbaut und St. George geweiht.

 

 

 

 

Nach einigen wenigen Gottesdiensten verließen die Engländer mit Beginn des 1. Weltkriegs Bayern. Da nach dem Krieg und nach dem Ende der  bayerischen Monarchie keine englische Botschaft mehr in Bayern bestand, wurde die Kirche von der alt-katholischen und der evangelisch-reformierten Gemeinde genutzt. 1929 wurde sie von den Alt-Katholiken schließlich gekauft.

 Im 2. Weltkrieg wurde die Kirche
1944 schwer beschädigt, konnte
jedoch schon 1949 neu geweiht
werden; seit damals hat sie den
Namen St. Willibrord.

 

Allerdings beschäftigten notwendige Renovierungsarbeiten in den nächsten Jahrzehnten immer wieder die Gemeinde, einer Renovierung in den 50er Jahren verdanken wir das schöne Glasfenster im Altarraum, der großen Sanierung in den 90er Jahren die Wiedernutzbarmachung der Räume unter der Kirche als Gemeindezentrum.

 

 

 

 

 

 

Weitere Maßnahmen wie der Austausch der Decke,

 

 

 

 

 

 

 

die Erneuerung der Fenster

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

und die Umgestaltung des Altarraums,

 

 

 

 

 

die für 2009 vorgesehen waren und zum Ökumenischen Kirchentag 2010 abgeschlossen sein sollten, konnten aus bautechnischen Gründen erst danach ausgeführt werden.

 

 

 

 

 

 

 

 

Eine Kirchengemeinde findet ihren Platz

Doch ist St. Willibrord nicht die erste Kirche der Münchner Gemeinde gewesen, die sich bald nach dem 1. Vatikanischen Konzil als Gottesdienstgemeinde zusammenfand.

München war der Wohnsitz von Ignaz von Döllinger (1799-1890), der einer der entschiedensten Kritiker des 1. Vatikanischen Konzils war. Er war der bedeutendste Kirchen- und Dogmengeschichtler seiner Zeit, Professor an der Universität  München und Stiftspropst an der Theatinerkirche. Als er sich "als Christ, als Theologe, als Geschichtskundiger und als Bürger" nicht den Bestimmungen des 1. Vatikanums anschließen wollte, wurde er förmlich exkommuniziert. Für viele Katholiken war Döllingers Exkommunikation der letzte Anstoß, sich in Katholikenvereinen zu organisieren.

In der Münchner Museumsadresse vom 10. April 1871

wurde der König gebeten, den Dogmen von der Unfehlbarkeit des Papstes und seines Jurisdiktionsprimates die staatliche Anerkennung zu verweigern, da diese Neuerungen auch das Verhältnis zwischen Staat und Kirche veränderten und deswegen staatsgefährlich seien. Die Regierung verweigerte die Anerkennung der Dogmen, womit kircheninterne Maßnahmen gegen die Gegner der Konzilsbeschlüsse zunächst keine Wirkung auf die politische oder bürgerliche Stellung der Betroffenen hatten.

 

Das sogenannte Pfingsttreffen unter der Leitung von Döllinger lud zu einem Kongress nach München ein, der im September 1871 stattfand und der später als 1. Alt-Katholikenkongress gezählt wurde.

Obwohl König Ludwig II. Döllinger dazu drängte, stand er nach seiner Exkommunikation keinem Gottesdienst mehr vor. Er nahm aber an Alt-Katholikenkongressen teil und leitete 1874 und 1875 die Bonner Unionskonferenzen. In diesen für das 19. Jahrhundert eher unüblichen ökumenischen Gesprächen, wurden die Grundlagen für die Kirchengemeinschaft mit den Anglikanern und den theologischen Konsensgesprächen mit der Orthodoxie gelegt.

Döllinger wurde am 13. Januar 1890 auf dem Alten Südlichen Friedhof von seinem Schüler Prof. Johannes Friedrich nach alt-katholischem Ritus bestattet.

Alljährlich gedenkt die Münchner Gemeinde zum Todestag mit einem Friedhofsbesuch dieses herausragenden "Vordenkers".

Prof. Friedrich war es auch, der zusammen mit Professor Joseph Meßmer ab 1871 regelmäßig alt-katholische Gottesdienste angeboten hat, bis 1872 ein eigener Pfarrer angestellt werden konnte.

Der Stadtrat hatte den Münchner Altkatholiken 1871 die kleine St. Nicolaikapelle am Gasteig zum Gottesdienst überlassen. Diese Überlassung wurde allerdings, als sich die Mehrheitsverhältnisse im Stadtrat änderten, 1882 wieder rückgängig gemacht.

Danach hat die Gemeinde als erste eigene Kirche ein umgebautes Atelier in der heutigen

Kaulbachstraße genutzt. Beschreibungen dieser Kirche klingen hinreißend, "die Kirche ist im Stil der italienischen Renaissance eingerichtet", doch leider wurde die Kirche 1922 wegen Baufälligkeit verkauft und ist heute nicht mehr erhalten, auf dem Grundstück steht heute ein Kloster der Redemptoristen.

 

 

 

Was besichtigt der Tourist auf den Spuren der ersten Alt-Katholiken in München?

  • Theatinerkirche - hier hat Ignaz von Döllinger als Stiftspropst gewirkt
  • Ludwigskirche –  hier in der Universitätskirche hat Döllinger regelmäßig gepredigt
  • Alter Südfriedhof – hier ist das Grab Döllingers  (in der Nähe von St. Willibrord)
  • St. Nicolaikirche am Gasteig – erste alt-katholische Gottesdienste (S-Bahn Station Gasteig)
  • Alter botanischer Garten (Nähe Hbf) - hier stand der Glaspalast, in dem der Müncher Kongress von 1871 stattfand

 

Die Kirche - ein Ort gelebter Ökumene

St. Willibrord in der Blumenstraße 36

St. Willibrord wird seit 1919 von den Alt-Katholiken genutzt, gemeinsam mit anderen Konfessionen. Die evangelisch-reformierte Gemeinde war viele Jahre weiter Mitnutzerin bis sie in eine eigene Kirche ziehen konnte. Auch die Anglikaner haben die Kirche bis in die 1970er Jahre genutzt, bevor sie ihre Gottesdienste in die größere evangelische Emmauskirche in Harlaching verlegten. Seit über 30 Jahren ist in St. Willibrord auch die Gemeinde der rumänisch-orthodoxen Kirche in München zu Gast.

Das Gartenhaus im Innenhof des Pfarramtes

Für die Münchner Gemeinde gibt es außer der Kirche noch ein zweites wichtiges
Gemeindezentrum, das Gartenhaus in der Adalbertstraße, in dem sich kleinere
Gruppen regelmäßig treffen. Dort finden u.a. die Kirchenvorstandssitzungen, die Treffen der baf-Frauengruppe, aber auch die Treffen der Meditationsgruppe, die Exerzitien im Alltag und die bereits erwähnten Gartenhausgespräche statt. Das Gartenhaus liegt in der Nähe der Ludwig-Maximilians-Universität, wird aber, da es nur Raum für kleine Gruppen bietet, für den Kirchentag nicht genutzt. Hier in der Adalbertstraße 32 befinden sich auch das Pfarrbüro und die Pfarrwohnung.

Buch zur Geschichte von St. Willibrord


Das anlässlich dieses Jubiläums erschienene Buch "KirchenRaum - Zur Geschichte der alt-katholischen Kirche in München" ist ab sofort  über das Pfarramt zum Preis von 10,00 Euro plus 1,50 Euro Versandkosten zu beziehen. Es hat 112 Seiten, ist durchgehend farbig und gibt einen Überblick über die Geschichte unserer Kirche. Es beinhaltet auch historische Artikel, z.B. über die Orgel, die Bildfenster und frühere Renovierungen, sowie Berichte über einige Schwerpunkte der aktuellen Renovierung. Dabei werden auch die Glaubensgemeinschaften und Gruppen miteinbezogen, die die Kirche mit uns nutzen.

Sonntag, 11. September

10.00 Uhr Familiengottesdienst zum Schulanfang

Donnerstag, 15. September

19.30 Uhr Gartenhausgespräch

Donnerstag, 22. September

19.30 Uhr Gartenhausgespräch

Donnerstag, 20 bis Sonntag, 23. Oktober

baf-Jahrestagung

Freitag, 21. bis Sonntag, 23. Oktober

Ökumenisches Bibelwochenende in Bernried