Gemeindegründung

Die alt-katholische Gemeinde in München wurde offiziell erst vor 125 ­Jahren, am 20. Juli 1890 gegründet.

Wie kam es dazu?

Anfang des Jahres haben wir ja den 125. Todestag von Ignaz von Döllinger gefeiert, der am Anfang der Geschichte des Alt-Katholizismus steht. Die Bayerische Staatsregierung teilte die Einschätzung Döllingers, dass die Lehre des I. Vatikanischen Konzils von der Unfehlbarkeit des Papstes in Glaubens- und Sittenfragen und des Jurisdiktionsprimats des Papstes für die gesamte Kirche „staatsgefährdend“ seien, die Zustimmung der Regierung zu diesen Dogmen wurde verweigert und deshalb gab es staatlicherseits in Bayern bis 1890 keine Trennung zwischen römisch-katholisch und alt-katholisch.

Seit 1889 hatten im bayerischen Landtag die ultra­montanen, romtreuen Kräfte eine Mehrheit und verlangten von der Staatsregierung Änderungen dieser Haltung. Da sie den Haushalt bestätigen mussten, verwendeten sie diesen als Druckmittel, und so wurden nach Döllingers Tod im März 1890 die Alt-Katholiken zwar nicht wegen des Widerstandes gegen die Beschlüsse des I. Vatikanischen Konzils aber wegen ihrer Ablehnung des Mariendogmas von 1854 nicht mehr als Katholiken anerkannt.

Damit gab es zunächst keine Klarheit, wie der rechtliche Status der Alt-Katholiken war. Der Münchner Rechtshistoriker und Universitätsprofessor Josef Berchthold (1833 – 1894), ein engagiertes Mitglied der alt-katholischen Bewegung und späteren Gemeinde, stellte den Antrag, die Alt-Katholiken in Bayern als öffentliche Religionsgemeinschaft anzuerkennen, und bis dahin die Alt-Katholiken des Bistums München-Freising als Privatkirchengesellschaft anzuerkennen. Ohne irgendeine Form der Anerkennung konnte die Gemeinde keine Gottesdienste feiern, noch Beerdigungen, Hochzeiten oder Taufen vornehmen.

Berchthold widersprach auch dem Beschluss der bayerischen Staatsregierung aus formalen und inhaltlichen Gründen: Die Alt-Katholiken wurden nicht gehört, die Nichtanerkennung des Dogmas von 1854 wurde nicht für die alt-katholische Kirche festgestellt, noch kann sie für jeden einzelnen Alt-Katholiken angenommen werden, der Beschluss glich einem Willkürakt, ebenso wie die spätere Auslegung der Gesetze zu Privatkirchengesellschaften.

Am 2. April wurden die Alt-Katholiken im Bistum München Freising als Privatkirchengesellschaft anerkannt, damit konnten sie an Ostern in ihrer Kirche Gottesdienst feiern. Allerdings versuchte die Gemeinde weiterhin, als öffentliche Re­ligionsgemeinschaft anerkannt zu werden.

 

Was bedeutete das für die Gemeinde damals?

Am 20 . Juli 1890 konstituierten sich die Münchner Altkatholiken förmlich im Sinne der Synodal- und Gemeindeordnung der Alt-Katholiken des deutschen Reiches als Kirchengemeinde. Damit konnten sie sich auch offiziell unter die Jurisdiktion des Bischofs stellen und fingen an, Matrikelbücher zu führen. Staatskirchenrechtlich ist dies der Gründungstag der Münchner Gemeinde.

Allerdings war die bayerische Staatsregierung der neuen Privatkirchengesellschaft nicht wohlgesonnen. Der Bischof wurde als Privatperson betrachtet, und durfte keine bischöflichen In­signien tragen, auch nicht innerhalb der Kirche, beim Gottesdienst. Im Oktober 1891 verbot die bayerische Staatsregierung auch das Tragen von priesterlicher Kleidung, das Glockenläuten war sowieso schon verboten.

Die Münchner Alt-Katholiken legten unter der Federführung von Berchthold Beschwerde ein, diese wurde erst am 4. Mai 1892 verhandelt. Die Beschwerde wurde zwar abgelehnt, doch wurde erlaubt, innerhalb des Gottesdienstes bischöf­liche und priesterliche Insignien zu verwenden.

 

Erst mit der Anerkennung der altkatholischen Religionsgemeinschaft in Bayern als Körperschaft des öffentlichen Rechts 1920 wurden alle Einschränkungen aufgehoben.

 

Für die Münchner Gemeinde, wie für alle bayeri­schen Alt-Katholiken war der Beschluss der Staatsregierung ein harter Schlag, der ihren Status in der Öffentlichkeit völlig veränderte. Es ist dem Juristen Josef Berchthold zu verdanken, dass es zu einem Modus kam, mit dem die alt-katholischen Gemeinden überleben konnten. Josef Berchthold starb kurz nach seiner Ernennung zum Rector Magnificus der Ludwig-Maximilians-Universität am 22. Oktober 1894. Sein Grab befindet sich auf dem alten nördlichen Friedhof.

 

Im Gottesdienst am 19. Juli 2015 werden wir der Gemeindegründung gedenken.

Dr. Elisabeth Bach

Ab 4. Oktober immer mittwochs

19.30 Uhr Workshop Christbaumschmuck

Wochenende 13. - 15. Oktober

Ökumenisches Bibelwochenende

Samstag, 11. November

10.00 Uhr  - 13.00 Uhr baf-Frauenfrühstück

Sonntag, 12. November

10.00 Uhr Familiengottesdienst

Sonntag, 19. November

10.00 Uhr Firmung in St. Willibrord