Bad Tölz

Gemeindebrief

     

„Pfingsten, das liebliche Fest, war gekommen;

Es grünten und blühten Feld und Wald …“ (J.W. v. Goethe; aus Reineke Fuchs)

 

Liebe Leserinnen und Leser unseres Kirchenzettels,

Pfingsten – das „vergessene“ Fest, so könnte man es nennen. Nun rein liturgisch und liturgiegeschichtlich ist Pfingsten auch gar kein selbständiges Fest. Pfingsten ist der 50. und letzte Tag des Osterfestkreises, darauf weist bereits der Name des Festes hin:

„Pentekoste“ ist griechisch und bedeutet ganz einfach fünfzig. Pfingsten schließt den Osterfestkreis ab. Gleichwohl hat dieses Fest am Abschluss der Osterfestzeit eigene Inhalte. Nur Welche?

Bereits Goethe beginnt seinen Reineke Fuchs mit Pfingsten, nimmt aber mit keiner Silbe Bezug zum Inhalt des Festes, sondern lediglich zur Jahreszeit, auf die es (jedenfalls auf der Nordhalbkugel des Planeten) fällt. Ich zitiere mal ausnahmsweise Angela Merkel: „Wenn Sie mal Aufsätze in Deutschland schreiben lassen, was Pfingsten bedeutet, dann würde ich mal sagen, ist es mit der Kenntnis übers christliche Abendland nicht so weit her. Und sich anschließend zu beklagen, dass sich Muslime im Koran besser auskennen, finde ich irgendwie komisch.“ (Angela Merkel am 03.09.2015 in Bern)

Man mag zu diesen Sätzen der Bundeskanzlerin und auch zum Kontext, in dem sie gesprochen sind, stehen wie man will. Aber bei Weihnachten werden wir noch von relativ vielen Leuten auf der Straße zumindest halbwegs zutreffende Antworten erhalten, bei Ostern wird’s schon schwieriger und Pfingsten scheint heute eher etwas für „Kenner“ des Christentums zu sein, für die „Einser-Schüler“ in Religion.

Nun – ich unterstelle mal Ihnen bzw. Euch, den Leserinnen und Lesern unseres Kirchenzettels, dass Sie wissen, was wir an Pfingsten feiern und wo das Fest neutestamentlich verankert ist:

„Als der Pfingsttag gekommen war, befanden sich alle am gleichen Ort.

Da kam plötzlich vom Himmel her ein Brausen, wie wenn ein heftiger Sturm daherfährt, und erfüllte das ganze Haus, in dem sie waren.

Und es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich verteilten; auf jeden von ihnen ließ sich eine nieder. Alle wurden mit dem Heiligen Geist erfüllt und begannen, in fremden Sprachen zu reden, wie es der Geist ihnen eingab.“ (Apg 2,1-4)

Pfingsten, das Fest der Herabkunft des Heiligen Geistes, ist das Fest des Übergangs. Jesus Christus ist nicht mehr leibhaftig bei den Seinen, sie müssen auf eigenen Füßen stehen. Es beginnt das, was man später „Kirche“ genannt hat und nennt. Denen, die Pfingsten erlebt haben ging es nicht darum ein „christliches Abendland“ zu erschaffen. Dieser Begriff ist vom Machtanspruch der beiden christlichen Kaiser im Osten und im Westen geprägt und von Anfang an politisch und mit durchaus irdischen “Reichsideen“ verknüpft. Denen, die Pfingsten erlebt haben, ging es aber eben nicht um Macht und Politik, sondern um nichts Geringeres als um eine bessere Welt und um ein „Reich, das eben nicht von dieser Welt ist“. Und Pfingsten erlebt – das haben nicht nur ein paar zunächst verschreckte Jüngerinnen und Jünger Jesu vor fast 2000 Jahren, das haben alle, die irgendwann von der Botschaft des Mannes aus Nazareth, von der Botschaft des Gekreuzigten und Auferstandenen ergriffen worden sind, durch die Jahrhunderte bis heute.

Pfingsten ist die Geburtsstunde der Kirche, der Kirche im besten und eigentlichen Sinn des Wortes: „Kyriakon oikon“ = Haus des Herrn, oder „ekklesia“, was ursprünglich in den griechischen Demokratien, sowas wie eine „Bürgerversammlung“ gemeint hat, wurde übertragen auf die Versammlung all derer überall auf der Welt, die ihre Hoffnung auf den Gekreuzigten und Auferstandenen setzen.

Mit Pfingsten beginnt das Christentum zu wachsen und zu grünen und zu blühen – über alle Grenzen und Sprachgrenzen und weltliche Machtbereiche hinweg. Und jetzt bin ich wieder bei Goethes Bild von Pfingsten als Fest, an dem alles grünt und blüht.

Lassen wir es Pfingsten werden, nicht nur am 50. Tag des Osterfestkreises, sondern an jedem Tag unseres Lebens, an jedem Tag, an jedem Tag, an dem die Welt sich dreht. Unser Leben und diese Welt brauchen Pfingsten – heute mehr denn je.


Ihr / Dein / Euer                                                                                            Kurat Peter Priller

 

 

 

                      

                                                                 Termine in Bad Tölz

 

 

 

 

 

 

Diakonatsweihe in Bonn

 

Am 24. Juni 2017, 14.00 Uhr  wird in unserer Bischofskirche Namen Jesu in Bonn

Frau Dr. Liesel Bach aus unserer Münchner „Muttergemeinde“ zur Diakonin geweiht, zusammen mit weiteren Weihekandidatinnen. Das ist erst jetzt im Juni und nicht wie im letzten Kirchenzettel fälschlich angegeben im Mai. Die Gemeinde München organisiert eine gemeinsame Fahrt zum Weihegottesdienst nach Bonn. Wir können uns gerne anschließen.

 

 

 

 

Regelmäßige Gottesdienste

Gottesdienst in der Tennerkapelle
Gottesdienst in der Tennerkapelle

Sonntag abwechselnd 10:00 Uhr oder 19:00 Uhr

in der Tennerkapelle, Benediktbeurer Straße 2.

Den Zeitpunkt finden Sie unter Termine.

 

 

Hausbesuche – Krankenkommunion


Gerne besuch ich Sie zu Hause, einfach so, um sich kennenzulernen, oder wenn Sie aus Gesundheits- oder Altersgründen nicht zum Gottesdienst kommen können, bringe ich Ihnen gern die Kommunion nach Hause oder feiere mit Ihnen daheim Gottes-dienst. Das gilt immer, insbesondere  In der österlichen Bußzeit, in der Karwoche und in der Osterzeit.

Anruf genügt: (08041) 73550                                                                        

Peter Priller