Bad Tölz

Gemeindebrief

Liebe Leserinnen und Leser unseres Kirchenzettels,

grüne Zweige und hartes Holz, Feuer und Wasser, Dunkel und Licht, Brot und Wein, Höhe und Tiefe, Gefangenschaft und Freiheit, Trauer und Freude, Angst und Hoffnung, Verzweiflung und Zuversicht, Tod und Leben – alle diese Begriffe, Gegensätze, Elemente, Emotionen und Erfahrungen kommen in der Liturgie der Osternacht bzw. ergänzend zur Osternacht in der Karwoche vor.

Die Welt und die ganze Schöpfung, die elementarsten Erfahrungen der Menschheit, all das greift die Feier dieser Tage auf. Manchmal kommen mir die Liturgie dieser Tage und erstrecht die Inhalte dieser Feier äußerst komplex und erklärungsbedürftig vor. Und ein andermal scheint mir alles so einfach, logisch und klar, weil es so nah an den eigenen Erfahrungen und an den Erfahrungen der Menschheit ist – seit Jahrtausenden. Die Geschichte dieses Festes beginnt ja nicht erst mit der Kreuzigung und Auferstehung Jesu Christi. Ostern hat eine lange, lange jüdische Vorgeschichte, die bis heute andauert. Das christliche Ostern ist ohne das jüdische Pascha (Pessach) gar nicht denkbar. Ostern dürfte das älteste durchgehend gefeierte Fest der Menschheitsgeschichte sein. Aus gutem Grund.

In der jüdischen Paschafeier steht im Vordergrund die Freiheit. Man feiert die Befreiung aus der Knechtschaft, die Freiheit, leben, lieben und glauben zu können im Angesicht eines Gottes, dessen Name lautet „ICH-BIN-DA“. Die christliche Paschafeier, das Osterfest, hält an dieser Erfahrung Israels fest. Auch Jesus hat das Paschafest nach jüdischer Sitte gefeiert.

Und doch beginnt mit Jesus Christus ein neuer Abschnitt in der Geschichte dieses Festes. Nicht mehr die ethnische Zugehörigkeit ist entscheidend, sondern das Bekenntnis zu ihm, Jesus, dem Christus, dem Gekreuzigten und Auferstandenen. Die ganze Menschheit ist berufen zur „Freiheit und Herrlichkeit der Kinder Gottes“ (Röm 8,21). Wer sich zu ihm bekennt, ist Teil des Volkes Gottes und kann Pascha feiern, das Fest der Freiheit. In diesem Licht haben bereits die frühen Christen begonnen die Symbolik des jüdischen Paschafestes auf Jesus Christus hin zu interpretieren und auszudeuten: Das geschlachtete Paschalamm des Ersten Bundes findet seine Erfüllung im endgültigen Paschalamm – Jesus Christus. Die Schlachtopfer im Tempel von Jerusalem haben sich aus ihrer Sicht damit erübrigt.

Für Israel bedeutete das Gesetz, die Tora, Freiheit: Die Freiheit von Unterjochung durch andere Völker, aber auch die Freiheit von der Willkür menschlicher Machthaber. Mit Jesus Christus wird das Gesetz Israels keineswegs aufgehoben. Aus Sicht der ersten Christen erfüllt sich das Gesetz Israels im neuen Gesetz – im Neuen Bund – durch Jesus Christus. Das Johannesevangelium lässt Jesus in seiner Abschiedsrede im Abendmahl sagen: „Ein neues Gebot gebe ich euch: Liebt einander! Wie ich euch geliebt habe, so sollt auch ihr einander lieben. Daran werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid: wenn ihr einander liebt.“ (Joh 13,34-35) Die Liebe wird zum entscheidenden Gebot in der Auslegung und Anwendung des Gesetzes. Christliche Freiheit wandelt den Freiheitsbegriff von einer „Freiheit von“ hin zu einer „Freiheit zu“: Zur Freiheit zu glauben, zu hoffen und zu lieben. „Für jetzt bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; doch am größten unter ihnen ist die Liebe.“ (1 Kor 13,13)

Damit verbunden ist eine Individualisierung des Glaubens und der Religion. Das Judentum fand seine Identität in der Zugehörigkeit zum Volk Israel, in der Einhaltung bestimmter altehrwürdiger Religionsgesetze von der Beschneidung über die Vorschriften zur Einhaltung des Sabbats und der verschiedenen Feste, über Speise- und Gebetsvorschriften usw.

Am Anfang waren sich die Anhänger Jesu nicht sicher, ob alle diese Vorschriften des jüdischen Gesetzes für sie weiterhin gelten. Doch bereits in den Tagen der Apostel schält sich heraus: Entscheidend ist die Hinwendung des einzelnen Menschen zu Gott, die er in der Jüngerschaft, der „Nachfolge“ Jesu Christi vollzieht. Das Christentum rückt das Individuum, die persönliche Entscheidung und damit das persönliche Verhältnis des einzelnen Menschen zu Gott in den Vordergrund. Die entscheidende Symbolhandlung für diese persönliche Hinwendung zu Jesus Christus – und mithin zu Gott selbst – wird die Taufe.

„Denn ihr alle, die ihr auf Christus getauft seid, habt Christus angezogen.

Es gibt nicht mehr Juden und Griechen, nicht Sklaven und Freie, nicht männlich und weiblich; denn ihr alle seid einer in Christus Jesus. Wenn ihr aber Christus gehört, dann seid ihr Abrahams Nachkommen, Erben gemäß der Verheißung.“ (Gal 3, 27-29)

Und jetzt komm ich – für manche vielleicht erstaunlicherweise – wieder auf die eingangs genannten Elemente, Gegensätze, Erfahrungen und Emotionen der christlichen Osterliturgie zurück: Grüne Zweige und hartes Holz, Feuer und Wasser, Dunkel und Licht, Brot und Wein, Tiefe und Höhe, Gefangenschaft und Freiheit, Trauer und Freude, Angst und Hoffnung, Verzweiflung und Zuversicht, Tod und Leben.

Das sind Vorkommnisse in der Welt und Erfahrungen, die jeder Mensch im Leben macht, egal ob er glaubt und was er glaubt. Die Feier des Osterfestes holt den Menschen grundsätzlich dort ab, wo er steht. Die Osterliturgie greift all diese Erfahrungen auf, sowohl durch Texte, die gelesen werden, als auch durch Symbolhandlungen, die vollzogen werden. Damit kann sie grundsätzlich jeder Mensch verstehen und nachvollziehen. Für gläubige Christinnen und Christen vergegenwärtigt sich, was einst geschehen ist, aufs Neue. Die Handlungen werden für sie zu wirkmächtigen Zeichen, zu Sakramenten.

Wir beginnen die Feier am Anfang der Karwoche mit den grünen Zweigen des Palmsonntags, Zeichen der Sehnsucht der Menschheit nach einem Frieden, der wahre Gerechtigkeit bringt – wie aktuell heute wie damals, als Jesus in Jerusalem eingezogen ist! Am Gründonnerstag versammelt sich die Gemeinde und gedenkt zuerst des Paschamahls des Volkes Israel in der Lesung vom Aufbruch Israels aus Ägypten (Ex 12). Dann hört und vollzieht sie das Letzte Abendmahl Jesu, hört das neue Gebot der Liebe, bricht das Brot und trinkt den Wein und erkennt darin die Gegenwart Christi. Und sie beginnt über die Todesangst, von der zuerst Jesus, dann aber auch die Seinen ergriffen wurden, zu meditieren. Am Karfreitag hören die Christen die Geschichte vom Leiden und Sterben Jesu, das Kreuz, das harte Holz, wird erneut aufgerichtet und erhöht und die Bitten des einzelnen Menschen, der gesamten Christenheit und der ganzen Menschheit vor das Kreuz getragen. Was sich dann ausbreitet, ist die Stille und Leere des Karfreitagabends und des Karsamstags. Diese Leere und Ratlosigkeit gilt es auszuhalten, denn sie gehört zu den Erfahrungen, die jeder Mensch immer wieder im Leben machen muss.

Schließlich treten wir ein in den Dreh- und Angelpunkt der ganzen Feier in der Nacht von Karsamstag auf Ostersonntag: Es beginnt die Osternacht. Die Gemeinde versammelt sich in der Dunkelheit am Anfang, in der Mitte oder am Ende der Nacht. Ein neues Feuer wird entzündet, sein Licht verbreitet sich von der Osterkerze hinein in die wartende Gemeinde und erhellt das Dunkel. Wieder wird an Israel erinnert, an die Geschichte Gottes mit seinem ersten Volk. Die Gemeinde, die sich Menschwerdung, Leben und Sterben Jesu vergegenwärtigt, wartet auf sein Kommen in Herrlichkeit, auf die Erfüllung aller Sehnsucht. Osternacht hat auch adventlichen, hat endzeitlichen Charakter. Bis sich die Hoffnung der Menschheit auf endgültigen Frieden und endgültige Freiheit erfüllt, hört sie die Frohe Botschaft: „Ihr sucht Jesus, den Gekreuzigten. Er ist nicht hier. Er ist auferstanden.“ (Mt,28-5.6) Der Tod bleibt uns nicht erspart. Aber er ist bereits überwunden, das Leben siegt. Wasser für die Taufe wird bereitet. Noch einmal wird an Israel erinnert, dem durch das Wasser des Roten Meeres die Freiheit geschenkt worden war. Nun sollen die Taufbewerber durch das Wasser „zur Freiheit und Herrlichkeit der Kinder Gottes“ gelangen. Und so feiert die Gemeinde das Paschamal des neuen Bundes. In Brot und Wein weiß sie den Gekreuzigten und Aufer-standenen unter sich gegenwärtig. Der Osterjubel bricht durch, der Übergang ist vollzogen von der Dunkelheit zum Licht, von der Angst zur Hoffnung, von der Trauer zur Freude, vom Hass zur Liebe und vom Tod zum Leben.

In diesem Sinn wünsche ich Ihnen/Euch allen besinnliche Tage auf Ostern hin und ein gesegnetes, frohes und friedliches Osterfest.

Ihr/Dein/Euer Kurat Peter Priller

 

 

                      

                                                                 Termine in Bad Tölz

 

 

 

 

 

 

Studientag am 17. März in München – St. Willibrord mit Prof. Dr. Andreas Krebs


Soll das Ehesakrament auch auf gleichgeschlechtliche Paare ausgeweitet
werden? Auf dem Hintergrund dieser Fragestellung hat Bischof Dr. Matthias Ring auf der letzten Synode des Katholischen Bistums der
Alt-Katholiken in Deutschland um eine grundsätzliche Diskussion  zum
Thema „Ehe, Sakramentalität, Partnerschaft“ gebeten.
In unserer Kirche können zurzeit heterosexuelle Paare das Ehesakrament
empfangen, während homosexuelle Paare gesegnet werden.
Bei einem Studientag am 17. März, der vom Alt-Katholischen Dekanat
Bayern organisiert wird und in München stattfindet, wollen wir darüber
ins Gespräch kommen.
Prof. Dr. Andreas Krebs, Direktor des Alt-Katholischen Seminars und Inhaber des Lehrstuhls für alt-katholische Theologie an der Universität Bonn, wird uns in die Thematik einführen und die Diskussion begleiten.
Eingeladen sind alle, die sich für dieses Thema interessieren!

Der Studientag beginnt am 17. März 2018 um 10.30 Uhr und dauert bis

16.00 Uhr. Kostenbeitrag € 15,--

Anmeldungen möglichst bitte bis 4. März (oder bald danach) an das Pfarramt:

muenchen(at)alt-katholisch.de

 

 

 

Ergebnis der Sternsingeraktion 2018


Mit großer Begeisterung waren unsere Sternsinger auch heuer wieder unterwegs. Insgesamt konnten sie € 500,15 zugunsten des alt-katholischen Schulprojekts auf den Philippinen sammeln. Ein herzliches Vergelt’s Gott den Kindern und den Mamas für ihr Engagement und allen Spenderinnen und Spendern!

 

 

 

Regelmäßige Gottesdienste

Gottesdienst in der Tennerkapelle
Gottesdienst in der Tennerkapelle

Sonntag abwechselnd 10:00 Uhr oder 19:00 Uhr

in der Tennerkapelle, Benediktbeurer Straße 2.

Den Zeitpunkt finden Sie unter Termine.

 

 

Hausbesuche – Krankenkommunion

Gerne besuch ich Sie zu Hause, einfach so, um sich kennenzulernen, oder wenn Sie aus Gesundheits- oder Altersgründen nicht zum Gottesdienst kommen können, bringe ich Ihnen gern die Kommunion nach Hause oder feiere mit Ihnen daheim Gottesdienst.

Das gilt immer, insbesondere in der Fasten- und Osterzeit.

Anruf genügt: (08041) 73550

 

Peter Priller

                                                                                                                          

                                                                    

27. April bis 1. Mai

Jugendfahrt "Ring frei"

Freitag, 20. Juli bis Sonntag, 22. Juli

Dekanatstage in Pappenheim

30. Juli / 4. August bis 12. August

Jugendfahrt ins Elsaß und nach Taizé

Sonntag, 5. August

12.00 Uhr Berggottesdienst