Gemeindeversammlung

Bericht des Seelsorgers für den Zeitraum 01.10.16-28.02.2017

Werte Damen und Herren,

ich lege Ihnen als Ihr zuständiger Seelsorger einen Bericht vor. Die Zahlen betreffen das gesamte Jahr 2016. Meine Eindrücke können sich allerdings vakanzbedingt nur auf den Zeitpunkt vom 01.10.2016 bis heute beziehen.

2016 bis heute erfolgten leider keine Beitritte und auch keine Taufen, was sicher auch, aber nicht nur mit den häufigen und unglücklichen Umständen der Personalwechsel in der Gemeinde zu tun hat, die erwartungsgemäß bis heute deutliche Spuren hinterlassen haben, wie sich in den Seelsorgegesprächen immer wieder zeigt. Es sind zum Teil aus unterschiedlichen Gründen sehr tiefe Verwundungen entstanden, aus denen es zu lernen gilt, um derartige für die Zukunft nach Möglichkeit zu vermeiden. Zwischenzeitlich haben sich zwei Familien mit einem Taufwunsch an mich gewandt und ein Beitrittsinteressent. Es geht also langsam „aufwärts“.

Der Gottesdienstbesuch speziell in unserer Himmelfahrtskirche pendelt sich mittlerweile auf einem Niveau von durchschnittlich 18-25 Personen ein, vergleichbar mit der Zahl der Teilnehmer an den AWO- Altenheimgottesdiensten, die sehr gerne und dankbar angenommen werden, wie die Rückmeldungen zeigen: „Herr Pfarrer, schön, dass Sie uns nicht nie Messe wie die Leviten lesen, sondern mit dem Herzen dabei sind.“ Meistens verbinde ich die Gottesdienste dort mit Krankenbesuchen.

Außerordentlich wichtig sind mir die Hausbesuche auch und gerade zu den Menschen, die aus Enttäuschung oder Verärgerung unserer Gemeinde und/oder Kirche leider den Rücken gekehrt haben. Nicht, mit dem Ziel, das unrealistisch wäre, diese zurückzugewinnen, wohl aber mit der Intention, mein persönliches Interesse an ihnen als Person auszudrücken, ihnen zuzuhören, ohne zu be- und schon gar nicht zu verurteilen.

Es ist für Sie keine Überraschung: Die Alterspyramide unserer Gemeinde zeigt analog zur Altersstruktur röm.-katholischer und evangelisch-landeskirchlicher Gemeinden weiterhin eine strukturelle Überalterung, der gesamtgesellschaftlichen Entwicklung folgend.

Ich wohne mit meiner Familie seit Okt. 2016 in einem renovierten Pfarrhaus, für das von Seiten des Bistums ein nicht unerheblicher Zuschuss von 15000 Euro gewährt wurde, wofür wir dankbar sein dürfen. Meine Familie und ich fühlen uns hier im Pfarrhaus, in Neugablonz, in Kaufbeuren, im Ostallgäu sehr wohl.

Die Unterbringung des Büros im Gemeindezentrum hat den Vorteil einer deutlicheren Abgrenzung privat/dienstlich und den Preis einer gewissen Heizungsproblematik, wenn nicht sowieso für Vermietungen geheizt werden muss.

Sie, die Gemeindemitglieder, können aus meiner Sicht durchaus stolz sein auf Ihr gepflegtes Immobilienensemble. Wie mir Kollegen versichert haben, ist dies alles andere als selbstverständlich. Es ist alles da, was ich als Seelsorger brauche, um meine Arbeiten gut erledigen zu können. Unsere sanierte Kirche ist ein echtes Kleinod, die viele, naturgemäß nicht alle Wünsche erfüllt.

Klar ist aber auch: Gebäude müssen mit Leben gefüllt werden, um nicht zu Museen zu werden. Gegenwärtige und künftige Anstrengungen müssen auch dem personellen Gemeindeaufbau als den Immobilienfragen gelten, um am Ende nicht vor sanierten Gebäuden zu stehen, die keiner mehr nutzt. Darum ist es mir ein sehr großes Anliegen, gerade Kinder -wenn denn welche da sind- sehr eng in die Gottesdienste einzubeziehen. Die Wortgottesdienste, die ich feiere, lassen dafür mehr Spielraum als die Eucharistiefeier mit Priester. Es ist mir wichtig, Kinder (nicht nur als Ministranten) als liturgische Subjekte wahrzunehmen, getreu dem Wort Jesu: „Lasst die Kinder zu mir kommen und verschließt ihnen nicht das Himmelreich“.

Ich bin sehr dankbar für das große Engagement so vieler Engagierter in dieser Gemeinde: Den Damen zum Beispiel, die sich so liebevoll um den Kirchenschmuck und die Altarwäsche kümmern, dem Frauenkreis und den Männern für das Engagement bei meiner Einführung und Weihe, das Basarmanagement, die Unterstützung in Bezug auf die Gemeindekartei und der EDV und die handwerkliche Unterstützung eines Seelsorgers, der diesbezüglich leider „zwei linke Hände“ hat und vieles andere mehr.

Die Gottesdienste im AWO- Altenheim, an jedem ersten Freitag im Monat um 16 h, werden sehr gerne von den Bewohnerinnen angenommen. Die Möglichkeit dazu wurde uns von dem r.-k. Kollegen, Pfr. Hagen, eröffnet, durch Verzicht auf einen r.-k. Gottesdienst. Auch die monatlichen Gottesdienste am Samstagabend in Marktoberdorf sind bei einer Zahl von bis zu acht TeilnehmerInnen stabil.

Hervorheben möchte ich aber ausdrücklich das alles andere als selbstverständliche Engagement meines Kollegen Markus Schäfler, Priester im Ehrenamt, der Sie im Rahmen seiner Möglichkeiten durch die Vakanzzeit gottesdienstlich begleitet haben, neben den KollegInnen aus Augsburg und München. Wir führen regelmäßige Dienstgespräche, um die Gottesdienste des Kirchenjahres und die Sakramentenvorbereitung gut zu planen.

In diesem Zusammenhang ist es trotz der nicht erfreulichen Zahlen bei der Mitgliederentwicklung ein sehr gutes und ermutigendes Zeichen, dass wir wider Erwarten 2017 nun doch immerhin ein Kommunionkind, Manuel Maurus, haben, den wir auch in den Ministrantendienst einbinden. Die acht Kinder bzw. Jugendlichen unseres Religionsunterrichtes treffen sich mit mir montags im vierzehntägigen Rhythmus zweistündig auf Basis des geltenden Lehrplanes. Hier bietet die Kleinheit der Gruppe und die Besonderheit des außerschulischen Rahmens eine erhebliche Chance gegenüber dem üblichen Religionsunterricht an den Schulen.

Die SchülerInnen erlebe ich als außerordentlich motiviert, so dass aus dieser Form der schulbezogenen, außerschulischen Kinder- und Jugendarbeit heraus ein Krippenspiel am Heiligen Abend durchgeführt werden konnte und ein Teil der Kinder musikalisch in sehr beeindruckender Weise im Rahmen meines Weihegottesdienstes tätig wurde.

Dies wird ein weiterer Schwerpunkt meiner seelsorglichen Arbeit sein: Die Intensivierung der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, z.B. auch über die baj- Freizeiten, für die ich ein Kind unserer Gemeinde gewinnen konnte. Über Pfingsten begleite ich zusammen mit meiner Mentorin, unserer Pfarrverweserin Alexandra Caspari Jugendliche nach Taizé, einem Ort der spirituellen Begegnung für Jugendliche und junge Erwachsene und im Sommer in die fränkische Schweiz.

Das konfessionelle Milieu im Ostallgäuer Territorium unser Gemeinde erlebe ich als verfestigt konservativ mit wenig Bereitschaft zur intellektuellen Hinterfragung des (katholischen) Glaubens: Man ist „römisch-katholisch“ und bleibt es auch, oder man tritt aus Institutionsverdrossenheit aus, ohne in eine neue Konfession überzutreten. Die Alt-Katholiken scheinen keine überzeugende Alternative für die über 10000 Menschen zu sein, die 2015 die röm.-kath. Kirche verlassen haben. Etwa 57 Prozent der Menschen im Einzugsbereich des Bistums Augsburg sind noch röm.-katholisch von ehemals 70 Prozent im Jahr 2000. Die Alt-Katholiken werden leider nach wie vor eher als „Sekte“ oder „Anti-Römer“ wahrgenommen denn als eigenständig profilierte, katholische Kirche. Auch die wiederkehrenden Personalwechsel und Querelen haben gewiss bei vielen potentiell interessierten Menschen keinen sonderlich einladenden Eindruck hinterlassen. Umso schöner, dass ich die Zusammenarbeit im Kirchenvorstand und dessen Vorsitzenden als außerordentlich konstruktiv, „an der jeweiligen Sache orientiert“, sehr unbeschwert und wertschätzend erlebe.

Die ökumenischen Kontakte und Beziehungen zur Stadt, insbesondere dem gegenwärtigen Oberbürgermeister, sind, wie die Ansprachen zu meiner Weihe im Februar gezeigt haben, sehr gut. Die Alt-Kath. Kirchengemeinde in Neugablonz genießt trotz ihrer Kleinheit eine hohe öffentliche Reputation, so dass die Stadt bisweilen sogar ohne unser Wissen alt-kath. Gottesdienste anberaumt (wie am Volkstrauertag 2016).

Auch hierüber dürfen wir uns glücklich schätzen.

Zu den Verpflichtungen außerhalb meiner pastoralen Tätigkeit hier in der Gemeinde:

Durchschnittlich einmal pro Monat fahre ich für zwei Tage zum Masterstudium nach Bonn mit jeweils sechs Stunden Anreisezeit. Das Studium erlebe ich als sehr bereichernd und intensiv, sicher durch die Kleinheit der Lerngruppen und die theologische Offenheit des Fakultätsleiters, Prof. Andreas Krebs, bedingt. Diese Kosten trägt übrigens das Bistum, ebenso wie die Finanzierung der Supervision in München, welche bei Stellenantritten verpflichtend geworden ist.

Regelmäßiger Kontakt persönlich wie telefonisch besteht selbstverständlich auch zu meiner Mentorin, Pfr.verweserin Alexandra Caspari aus Augsburg, das ich als außerordentlich unterstützend, inspirierend, ermutigend und in konstruktiver Kritik ausgesprochen wertschätzend erlebe. Von Kollegen aus dem Bistum weiß ich, dass auch dies alles andere als selbstverständlich ist. Es handelt sich immerhin um eine deutliche Mehrbeanspruchung neben dem Dienst als Pfarrerin, Pfarrverweserin und Dekanatsjugendseelsorgerin. Dafür bin ich sehr dankbar.

Die Alt-Katholische Kirche Kaufbeuren-Neugablonz sollte in ihrer Herkunftskirche St. Dominikus auch mit eigenen, nicht in Konkurrenz zu Neugablonzer Gottesdiensten stehenden, kulturellen und gottesdienstlichen Angeboten in klar umgrenztem Umfang präsent sein: Engl.sprachige Gottesdienste, Taizégebete, Lichtfeiern etc. In diesem Zusammenhang lade ich Sie sehr herzlich zu einem Konzert des Kiewer Bandura Ensembles „Beriska“ am Do., den 30.03.2017 um 19.00 h in unserer Kirche ein. Bitte kommen Sie zahlreich! Die Gruppe finanziert sich über die Türkollekte! Die Gruppe wird dann umso begeisterter auch im Dezember einen Sonntagsgottesdienst bei uns musikalisch mitgestalten.

Vor meiner Weihe wurden wir mit einer sehr aktuellen Kirchenasylfrage konfrontiert, die wir sehr ernsthaft und in enger Abstimmung erörtert haben. Klar ist, wir können –wenn überhaupt- Kirchenasyl nur mit Unterstützung durch andere Kooperationspartnern und auf einen klar umgrenzten Zeitraum hin Menschen in Not im Gemeindezentrum beherbergen, um eine Abschiebung in ein nachweislich nicht sicheres Herkunftsland wie Afghanistan zu vermeiden. Es ist aber auch klar, dass uns gerade in unserer Kleinheit hier deutliche, auch rechtliche und personelle Grenzen gesetzt sind.

Ich danke Ihnen von Herzen für Ihr Engagement und rufe Ihnen den Eröffnungsvers des heutigen Sonntags „Laetare“- Freuet Euch!- ins Gedächtnis: „Seid fröhlich zusammen mit ihr, alle, die ihr traurig wart.“

Der Seelsorgebericht als PDF