Christkatholische Crescentia von Kaufbeuren?

Das Leben der Hl. Crescentia

Fromm, fröhlich, liebevoll und eine weise Zuhörerin
Die hl. Crescentia aus alt-kath. Sicht

Am 5. April 1744, einem Ostersonntag, stirbt Crescentia Höß. Kaufbeuren wird über Nacht von selbst zum Wallfahrtsort.
Kaufbeuren, die freie Reichsstadt, ist durch Stoffe wohlhabend geworden. Aber Weber sind dennoch in der Regel keine reichen Leute. 1579 wird Kaufbeuren evangelisch, und die Bikonfessionalität trägt nicht eben zur friedfertigen Stimmung der Bevölkerung bei.
Zudem wird das Allgäu dreimal von der Pest heimgesucht, am schlimmsten während des Dreißigjährigen Krieges. In den Jahren 1627 bis 1629 verliert Kaufbeuren zwei Drittel seiner Einwohner durch die Epidemie.

Mathias Höß ist Weber. Seine Frau Lucia hat von ihrem Vater, einem Barbier, einiges über Krankenpflege und kleine chirurgische Eingriffe gelernt. Die Eheleute sind hilfsbereit und großzügig, zuweilen über ihre Mittel hinaus, und sind in Kaufbeuren über die Konfessionsgrenzen hinaus beliebt.

Anna, das sechste von acht Kindern, zeigt bereits als Drei-, Vierjährige ein ungewöhnliches Interesse an allem, was heilig ist. Sie lernt das Vaterunser und das Credo und kann bald schon vernünftig auf Fragen des Katechismus antworten. Einmal erscheint ihr Jesus als Knabe und sagt, sie solle an den dreieinen Gott glauben.

Anna lernt schnell lesen und schreiben, ist eine talentierte Sängerin, handwerklich geschickt, klar denkend und phantasievoll und dabei ein liebes, folgsames Kind. Sie lebt zurückgezogen; man kann sagen, sie interessiert sich für Gott. Vom Vater lernt sie das Weben, von der Mutter die Krankenpflege. Zu Armen und Kranken empfindet sie eine besondere Liebe und hilft mit wahrer Begeisterung

Der Vierzehnjährigen nimmt eines Tages einen Engel wahr. Eine Vision? Er trägt in einer Hand ein rotes Kreuz, in der anderen das Ordenskleid der Franziskaner. Anna will Franziskanerin werden, aber ihr Vater verbietet das. Die Franziskanerinnen in Kaufbeuren sind im Zuge der Reformation verarmt, und Mathias Höß fürchtet, seine Tochter sei diesem harten Leben nicht gewachsen. Auch kann er die geforderte Mitgift nicht aufbringen. Sie bittet dennoch um Aufnahme, wird wegen ihrer Armut abgelehnt und fragt fast zwei Jahre lang immer wieder nach, betet und hofft. Einmal kniet sie vor einem Kruzifix im Klostergebäude nieder und bittet Jesus um Aufnahme. Sie hört Ihn sagen: „Hier wird deine Wohnung sein.“


Daß Anne abgewiesen wird, verübeln Katholiken wie Protestanten den Ordensschwestern gleichermaßen. Mathias Wörle, Bürgermeister und Protestant, ist schließlich der ausschlaggebende Faktor.

Ein Ärgernis für die Schwestern ist eine unmittelbar neben dem Kloster gelegene Kneipe, in der es bisweilen sehr laut zugeht. Der Stadtrat hat dem Kloster den Kauf von Immobilien verboten – selbst wenn die Schwestern Geld hätten, könnten sie also nichts machen. Aber Wörle findet, was einen Gottesdienst, und sei es ein katholischer, stört, ist falsch. Er verhandelt so oft und lange mit dem Stadtrat, bis endlich einstimmig beschlossen wird, die Kneipe gegen einen niedrigen Preis den Schwestern zu überlassen. Das Grundstück geht in Klosterbesitz über und wird auf stillere und frommere Weise genutzt als vorher – und die Schwestern sind dem Bürgermeister etwas schuldig. Der nun findet, wenn Anne unbedingt ins Kloster will, wäre es falsch, sie in der Welt zu lassen, und sagt das auch der Oberin, die sich widerwillig bereit erklärt, Anna aufzunehmen.

Im Sommer 1703 wird die zwanzigjährige Anna eingekleidet – nach all der Warterei ohne Vorbereitungszeit. Aber trotz dieses scheinbaren Entgegenkommens hat die Oberin keine Sympathie für die Novizin.

In einer Vision sieht Anna den kreuztragenden Heiland aus der Zelle der Oberin treten. In der Tat trägt sie selbst ein Kreuz, das ihr von der Oberin und einigen Mitschwestern aufgebürdet wird – sie erträgt freundlich und demütig, dass sie gemobbt und wie eine Sklavin gehalten wird. Mitleid erfährt sie von ihrer Novizenmeisterin, die ihr manchmal Brot zusteckt, wenn sie wieder einmal nicht annähernd genug zu essen bekommt.

Als die Oberin sie allerdings mehrmals vor Gästen lächerlich macht, wird es selbst den Schwestern zu viel, die sich an dem Mobbing beteiligt haben. Sie erklären Crescentia, daß der Gehorsam sie nicht zu würdelosem Verhalten auf Befehl verpflichte, die aber sagt freundlich und bescheiden, der Gehorsam sei ihr genug, mehr brauche sie nicht.

Nach einem Jahr legt sie die ewigen Gelübde ab. Sie erhält den Ordensnamen Crescentia.

In den folgenden vier Jahren häufen sich quälende Visionen, unter denen sie schon als Novizin gelitten hat.

Die Visionen bringen das Kloster in Verruf. Crescentia wird gemäß der damaligen Zeit teils für besessen, teils für eine Hexe gehalten. Zugleich nehmen die gemeinen Mobbing-Attacken durch die Oberin zu. Zwei junge Franziskanerpatres besuchen das Kloster und „diagnostizieren“, Crescentia sei mit dem Teufel im Bund.

Endlich fällt es dem Provinzial auf, wie tyrannisch und unfromm die Oberin nicht nur mit Crescentia umspringt; statt ihrer wird eine fähige und freundliche Schwester gewählt. Crescentia wird vom Beginn der Wallfahrt an nie wieder von bedrückenden Visionen geplagt. Jedoch ist sie häufig krank und hat fast immer starke Schmerzen.

Durch die große Armut bedingt, hat sich der Brauch im Kloster verselbständigt, Vesper und Komplet im Handarbeitssaal zu beten und dabei weiter zu arbeiten.

Sechzehn Jahre lang versieht sie das Amt der Pförtnerin und zeigt sich hier außerordentlich liebevoll bei aller gebotenen Zurückhaltung. Die Armen finden bei ihr immer ein offenes Ohr und Hilfe. Wohl wegen der hier bewiesenen Eigenschaften ist sie dann einige Jahre in der Krankenpflege tätig und lange Zeit als Novizenmeisterin. Sie bleibt zeitlebens gütig, heiter und humorvoll, von großer Klugheit und dabei ohne einen Funken Eitelkeit. 1722 schreibt sie: „Herr, schenke mir nur die Liebe zu Dir, so bin ich reich genug; ich begehre auch nichts weiter mehr als allein, dass Du mich in meinem Nichts lassest, und dass, wenn ich so aus Heftigkeit der Liebe reden darf, Du allein alles verbleibst, Du, der Du in Deiner unendlichen Vollkommenheit Dir immer gleich und alles in allem bist. Ich will Dich lieben in dem, was ich tue, wie Du Dich selbst liebst; ich will Dich lieben mit Dir selbst als mit dem höchsten Gut, das Du auch mir bist; ich will Dich lieben mit Deinen göttlichen Gnaden und Gaben. Ich will Dich lieben, weil Du alles mir selbst in allem bist; ich will mich in nichts erfreuen als allein in Dir und wegen Deiner Liebe.“

Im Sommer 1741 wird Crescentia zur Oberin gewählt. Sie will die Wahl zunächst nicht annehmen, wird aber vom Provinzial unter Gehorsam dazu verpflichtet. Die Wahl ist ein Segen für das Kloster; Crescentia zeigt sich als kluge, umsichtige, zugleich bleibend fromme und liebevolle Oberin, unter der das Kloster einen hervorragenden, weit über die Landesgrenzen hinausgehenden Ruf bekommt. Crescentia muss als Oberin auch zurechtweisen, tut dies aber niemals ohne Überlegung und vorhergehendes Gebet. Alle Schwestern dürfen jederzeit zu ihr kommen, um über Zweifel und Anfechtungen mit ihr zu sprechen, und sie ist eine weise Zuhörerin. Freude und Fröhlichkeit prägen unter dieser Oberin das Kloster.

Am 5. April 1744, einem Ostersonntag, stirbt Crescentia Höß. Kaufbeuren wird über Nacht von selbst zum Wallfahrtsort. 1900 wird sie selig- und 2001 heiliggesprochen.

Der alt- katholische Glaube kennt keine Selig- oder Heiligsprechungen, da dies nicht durch die Praxis der alten Kirche in der mittelbaren Inspiritation Jesu Christi belegt ist. Im Gegenteil: Gemäß Paulus Gal 3,28 sind alle einer und eine in Christus. Eine Ungleichheit im Glauben, eine Wertigkeit des Christseins theologisch nicht zu legitimieren. Dies schließt nicht aus, das sich bestimmte Menschen im Lauf der Kirchengeschichte als besonders eindrucksvolle Gestalten mit einem vorbildhaften Leben erwiesen haben. Eine Verehrung selbiger darf allerdings in keiner Weise mit dem Status Gottes in Konkurrenz treten, wenngleich auch in unseren Hochgebeten „die Heiligen“ („Heilige“ als Bezeichnung der ersten Christen) erwähnt werden.

Viele Menschen in und um Kaufbeuren, wie sich gerade bei Trauergesprächen immer wieder herausstellt, entwickeln eine innige Beziehung zur Hl. Crescentia, zum Kloster und den Schwestern.



Christ-Kath. Andachtsbüchlein

Ein besonderes Andachtsbüchlein zur Betrachtung

Erinnerungen an das Leben und die Tugenden der gottseligen Crescentia von Kaufbeuren; mit einem christkatholischen Andachtsbüchlein; von Michael Sintzel von 1847. Der Begriff "christkatholisch" deckt sich offensichtlich nicht mit der Schweizer Konfessionsbezeichnung für die dortige Kirche in alt-katholischer Tradition

 

Die Schwestern von der Hl. Crescentia von Kaufbeuren online um Unterstützung bei Gebetsanliegen bitten