Erlöserkirche

Die Erlöserkirche in Heidelberg – ein ökumenisches Kleinod mit besonderer Geschichte

Die kleine Kirche fällt kaum auf, dort wo sie steht, Ecke Plöck/Schießtorstraße. Dass sie die alt-katholische Pfarrkirche ist, wissen wenige – und bei manchen alten Heidelbergern ist sie immer noch die „Englische Kapelle". Ihre Außenmauern sind die des Weißnonnenklosters (Dominikanerinnen), dessen Bau in der durch die Orleanschen Erbfolgekriege zerstörten Stadt im Jahr 1724 fertiggestellt worden war. Die Klosterkapelle, die der Hl. Katharina v. Siena geweiht war, ragte mit ihrem Chor in die Schießtorstraße hinein.

78 Jahre lang hatte das Kloster Bestand, bis es 1802 im Zuge der Säkularisierung aufgelöst wurde. Die evangelisch-lutherische Kirche übernahm die Gebäude und nutzte sie als Spital. Später wurde dort eine katholische Frauenarbeitsschule eingerichtet, bis das Gebäude an der Plöck zugunsten eines Anbaus an die danebenliegende Höhere-Töchter-Schule abgerissen wurde. Die kleine Klosterkapelle blieb ungenutzt.

Mitte des 19. Jahrhunderts begann für sie die „Englische Zeit“. Die in Heidelberg ansässige englische Gemeinde suchte einen Kirchenraum. Die Stadtverwaltung kam der Bitte nach, und so wurde nach einem eingreifenden Umbau aus der ehemaligen Klosterkirche die „Englische Kapelle“.

1914 war diese Zeit vorbei. Deutschland und England wurden Kriegsgegner, und die Kirche wurde geschlossen.

Schulraum wurde gebraucht, auch von der benachbarten Schule, und so erklangen In dem ehemaligen Kirchenraum Mädchenstimmen und Stricknadelgeklapper an Stelle von Orgelspiel und Gemeindegesang.

Im Jahr 1936 erhielt die alt-katholische Gemeinde dieses Gebäude als Pfarrkirche zugesprochen. Sie zog aus der Heiliggeistchorkirche aus, mit Inventar (Altar mit Kruzifix, Orgelprospekt, Kirchenbänke), das aus verschiedenen Klöstern stammte. Aus der Englischen Kapelle war die alt-katholische Erlöserkirche geworden. Zwei große Renovierungen haben den Innenraum verändert, am eindringlichsten wirken die Buntglasfenster, die Harry McLean 1962 entworfen hat.

Vielfältig konfessionell geprägt ist die Geschichte dieses Kirchengebäudes, und so ist es auch geblieben.

Immer wieder öffnete und öffnet die Gemeinde ihren Raum in bester ökumenischer Tradition:
in den 50er Jahren für russisch-orthodoxe Christen, in den 60er und 70er Jahren für Lutheraner.

Seit 1971 feiert hier auch wieder eine „Englische Gemeinde“ ihren sonntäglichen Gottesdienst, und einmal im Monat kommen griechisch-orthodoxe Gläubige zu ihrer Feier zusammen.