Gemeindebrief

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Warum die Windeln wichtig sind

Auf dem Bild der Titelseite, ein Ausschnitt aus einem Glasfenster im Freiburger Münster, sehen wir einen frechen Ochsen und einen Vater, der sich um das Wohl seines Kindes kümmert. Der Ochse hat die Windel mitsamt dem Kind im Maul und Josef gibt ihm eine auf selbiges. Der Künstler, der dieses Weihnachtsmotiv entwarf, hatte Humor, was ich gut finde.In seiner Erzählung der Geburt Jesu erwähnt der Evangelist Lukas zwei Mal die Windeln: „Als sie dort, in Bethlehem, waren, kam für Maria die Zeit, da sie gebären sollte, und sie gebar ihren Sohn, den erstgeborenen, wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Futterkrippe, denn sie hatten in der Herberge keinen Platz gefunden.“ Und den Hirten soll als Zeichen dienen: „Ihr werdet ein Kind finden, das, in Windeln gewickelt, in einer Krippe liegt“. Wer Erfahrung mit Kindern und Windeln hat, weiß, dass Windeln je nach Zustand nichts süßes und idyllisches sind und auch nicht nach Christstollen duften. Ich denke, dem Evangelisten Lukas ging es darum zu zeigen, dass dieser Jesus aus Nazareth, den die Christen des ausgehenden ersten Jahrhunderts als Christus/Messias und Sohn Gottes verehrten, ein Mensch war wie wir alle; dass Gott in der „Menschwerdung Jesu“ zeigte, dass Menschsein etwas Gottgewolltes ist, mit allem drum und dran, ohne wenn und aber. So und nicht anders sind wir von Gott angenommen, ausnahmslos, mit allem, was zu unserem Leben gehört!Wir Christen glauben, dass es in der Geschichte der Menschheit einen Menschen gegeben hat, in dem Gottes Güte, Menschenfreundlichkeit und Liebe ganz nahe kam, begreifbar wurde.In Jesus, dem „Menschensohn“ (wie er sich selbst bezeichnet), will Gott mit Sympathie und Leidenschaft zu uns in Beziehung treten, damit unser aller Leben gelingt. Er tut dies aus Liebe, weil er Liebe ist, und deshalb achtet er auch unsere Freiheit. Er verausgabt sich ganz, um uns erfülltes und sinnvolles Leben in seiner unbegreiflichen Liebe zu ermöglichen.Er hofft, dass dieses Kind in der Krippe in unserem Leben den Platz bekommt, der ihm damals verweigert wurde. Denn dieses Kind ist der Retter und Heiland, seine menschgewordene Liebe.Die Botschaft der großen Freude, das „Fürchtet euch nicht, habt keine Angst“ wird sichtbar im Leben Jesu. Mit ihm gibt Gott uns sein Versprechen, dass Er-mit-uns-ist, auch in den Dunkelheiten unseres Lebens.In einem unserer Weihnachtslieder (334,2.) singen wir: „Er teilt Freud mit uns und Schmerzen, Gottes Wort für Menschenherzen. Wo wird Größres uns geschenkt? Gott ist’s selbst, der uns bedenkt. Eine neue Zeit bricht an dem, der ihm sich öffnen kann.“ Machen wir unser Herz weit auf für das Geschenk Gottes: Liebe ohne wenn und aber.

Pfarrer Bernd Panizzi