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Gemeindebrief

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Leitartikel

Der Frühling nähert sich - Ostern rückt in den Blick
“Vom Eise befreit sind Strom und Bäche / durch des Frühlings holden belebenden Blick, / im Tale grünet Hoffnungsglück!“ – So leitet Goethe den Osterspaziergang seines Gelehrten Faust ein, und man spürt in diesen Worten die Erleichterung und die Freude darüber, dass das Eis endlich schmilzt, der Wind freundlicher wird und das Grün der ersten Knospen eine Ahnung von Sommer ins Herz schickt.
Für mich hat dieser Zyklus der Jahreszeiten, die Wiederkunft des Frühlings nach einem noch so langen Winter, etwas Tröstliches. Er sagt mir: Es geht weiter. Die Wärme kommt wieder, auch wenn sie manchmal auf sich warten lässt und dieses Warten schwer fallen kann. Das Neue ist doch schon da, nur verborgen.
Sicher braucht das Geduld, wie auch die Fähigkeit, zu vertrauen: Gerade erleben wir, wie der Winter sich im Februar noch entschlossen hat, den Neckar zufrieren zu lassen. Und doch: Wir wissen, dass unter der Schneedecke die Krokusse nur auf den rechten Zeitpunkt warten, ihre Köpfe hochzustupsen. In diesem „und doch“ liegt für mich ganz der Charakter des Frühlings, der unerschrocken die Farben in die Welt holt, jede Menge Bewegung bringt und verschwenderisch das Gedeihen von Frucht in Aussicht stellt. Auch das Ostergeschehen enthält so ein „und doch“, indem es gegen das Ende und das Endgültige aufsteht. Das lässt sich nicht nur im ganz großen Bogen von Leben und Tod verstehen. Auferstehung kann im eigenen Leben heißen: der Starre, dem Eingesperrtsein, der Resignation die Stirn bieten und Neuem die Chance geben, sich in einem selbst zu entfalten.
Auch dies ist ein Weg. Zuvor heißt es, durch den Schmerz des Karfreitag hindurchzugehen, die Leere des Karsamstag auszuhalten – doch dann strahlt das Licht wieder auf. Nachdem alles zu Ende schien, leuchtet das Leben überwältigender und überzeugender als jemals.
„Ich bin die Auferstehung und das Leben“ ist einer der wunderbaren Sätze Jesu, die uns das Johannesevangelium überliefert (Joh 11,25a). Sie sind für mich die Essenz des Glaubens: dass in uns das Leben ist und es immer wieder neue Wege findet, uns zum Erblühen zu bringen. Dass Auferstehung möglich ist, Tag für Tag von neuem. Dass Auferstehung Realität ist.

Jutta Wagner