Alt-Katholisch: Unser Selbstverständnis

Unsere Gemeinde gehört dem Katholischen Bistum der Alt-Katholiken in Deutschland an.

In der Tradition der einen ungeteilten Kirche des ersten Jahrtausends!

Alt-Katholiken suchen ihre Wurzeln in der einen ungeteilten Kirche des ersten Jahrtausends.

Wir  Alt-Katholiken suchen hier, in dem von Renaissance, Reformation und Aufklärung geprägten Abendland, eine Versöhnung mit der ursprünglichen ungeteilten Kirche des ersten Jahrtausends in Glauben und kirchlicher Praxis. Wir Alt-Katholiken wollen dabei offen sein für die mystische Tiefe einer aus dem Herzen kommenden Spiritualität.

Die alt-katholische Kirche entstand gegen Ende des 19. Jahrhunderts als Reaktion auf die  Beschlüsse des I. Vatikanischen Konzils. Dort wurde zum Dogma erhoben, dass der Papst in Fragen des Glaubens und der Sittenlehre aus sich selbst heraus unfehlbar für die Gesamtkirche spreche. Ebenfalls dogmatisiert wurde der Jurisdiktionsprimat, also die unbedingte höchste kirchliche Leitungsgewalt des Papstes.  

Für synodale ­– also demokratische – Entscheidungen!

Damit waren etliche Katholiken nicht einverstanden. Sie verteidigten die Auffassung, dass der Papst nicht über der Tradition, sondern in der Tradition der Kirche stehen müsse. Dabei hielten sie an der altkirchlichen Auffassung fest, dass wichtige Entscheidungen in Glaubensfragen nur gemeinsam durch die Versammlung der Bischöfe getroffen werden können.

Katholisch ist, was überall, immer und von allen geglaubt worden ist!

Damit konnten sich die Gegner der Konzilsbeschlüsse jedoch nicht durchsetzen. Da sie die neuen Papst-Doktrinen nicht anerkannten, wurden sie von der römisch-katholischen Kirche exkommuniziert.

Und so sahen sie sich schließlich gezwungen, in einigen Ländern zur Gründung von katholischen „Notkirchen“, den alt- beziehungsweise christkatholischen Kirchen, überzugehen. In einer der ersten offiziellen Erklärungen der Alt-Katholiken hieß es: „Wir verwerfen die vatikanischen Dekrete, bleiben aber Katholiken nach dem Grundsatz, daß nur das katholisch ist, was überall, immer und von allen geglaubt worden ist (Vinzenz von Lerin).“

Traditionen und Reformen unter einem Hut!

Im Jahr 1889 vereinigten sich die Alt-Katholiken Deutschlands und der Schweiz mit der römisch-katholischen Kirche der alt-bischöflichen Klerisei in den Niederlanden (Kirche von Utrecht) zur Utrechter Union der Altkatholischen Kirchen. Die Kirche von Utrecht war schon länger unabhängig von Rom gewesen. Durch einen Bischof dieser Kirche hatte der erste alt-katholische Bischof Deutschlands 1873 die Bischofsweihe empfangen.

Im Laufe der Zeit hat sich die alt-katholische Kirche zu verschiedenen Reformen entschlossen: Gleich bei seiner Gründung hat sich das Alt-Katholische Bistum eine synodale Verfassung mit quasi demokratischen Prinzipien gegeben. Dadurch ist eine Beteiligung der Gläubigen in allen wichtigen Entscheidungen möglich. Der Zölibatszwang wurde 1878 abgeschafft, alt-katholische Priester dürfen also heiraten. Seit 1884 wird die Liturgie in deutscher Sprache gefeiert. Inzwischen können auch Frauen in der altkatholischen Kirche die Priesterweihe empfangen.

Gelebte Ökumene: Orthodoxe Kirchenlehre – römisch-katholischer Ritus – evangelische Freiheit

Alt-Katholiken betrachten die Wiedervereinigung aller getrennten christlichen Kirchen als ein wichtiges Anliegen. So sind alle Getauften, die den Glauben an die  Wirklichkeit und leibliche Gegenwart des erhöhten Herrn im Heiligen Sakrament der Eucharistie mit uns teilen, zum Empfang der Kommunion eingeladen.

Mit der weltweiten Anglikanischen Kirchengemeinschaft kam es 1931 zur vollen Kommunion. In der hannoverschen Gemeinde wurde dies deutlich, als sie in den 1990er Jahren einen Anglikaner als Pfarrer bekam. Auch mit anderen Konfessionen, etwa der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), werden ökumenische Verbindungen aktiv aufgebaut und gepflegt. Und im Jahr 2009 hat eine Internationale Römisch-Katholische - Altkatholische Dialogkommission unter dem Titel „Kirche und Kirchengemeinschaft“ Vorschläge für eine Gemeinschaft der beiden katholischen Kirchen  formuliert. Darüber wird derzeit beraten. 

Einladung an Gottsuchende

Wir Alt-Katholiken vertreten eine Kirchenlehre, die in vielen Punkten der orthodoxen Lehre ähnelt. Die Liturgie wird in einer Form gefeiert, die im Kern dem römisch-katholischen Ritus entspricht. In unserer liberalen Glaubenspraxis, bei der wir auf die Selbstverantwortung der Menschen setzen, sind wir geprägt vom Gedanken der evangelischen Freiheit. Bei uns soll jeder Gottsuchende so akzeptiert werden, wie er oder sie ist.