Stranzenbach

Ein Weinberg im Bergischen Land


Ain Karem, so nennt sich der ehemalige Bauernhof in Stranzenbach-Ruppichteroth nun, der Bezug nimmt auf den biblischen Ort der Begegnung zwischen den schwangeren Frauen Maria und Elisabeth, so wie es das Lukasevangelium berichtet. Der Name bedeutet so viel wie „Weinberg Quelle“ und erinnert daran, als wohl noch zu biblischen Zeiten im Bergland von Judäa Wein angebaut wurde.
Auf dem Gelände der einstigen Hofstelle in Stranzenbach ist nach fast vierjähriger Bauzeit ein interaktives Wohn- und Arbeitsprojekt entstanden. Zu den sechs Wohneinheiten, in denen Menschen unterschiedlicher Herkunft und Generationen ihr neues Zuhause gefunden haben - die jüngste Bewohnerin ist 27 Jahre alt, die älteste 76 Jahre – gehört ein Tagungs- und Seminarraum mit Gästebereich im ehemaligen Heuboden. Seit August vergangenen Jahres, kurz nach der Einweihung des Hofes durch unseren Bischof Matthias, wurden sowohl der Seminar- als auch der Praxisbetrieb aufgenommen. Die Praxisgemeinschaft fons salutaris hat sich mit drei Therapeuten im Bereich der Körperpsychotherapie niedergelassen. Es ist eine Freude, miterleben zu dürfen, wie sehr die Menschen von Nah und Fern das Ambiente von Hof und Landschaft genießen und sich den Inhalten in Ruhe widmen können. Auch das Hilfswerk St. Martin e.V., das sich sowohl national als auch international im Rahmen seiner Möglichkeiten engagiert, hat sich hier vor Ort zur Aufgabe gemacht, den Menschen ein Stück Erholung und Lebensqualität zu schenken. Seniorennachmittage finden ebenso statt wie ein neues Präventionsprogramm zum Schutz unserer Kinder und natürlich das Hoffest zu St. Martin, dessen 1700 jährigen Geburtstag wir 2016 feiern.
Herzstück aber ist die im alten runden Siloturm entstandene Kapelle St. Mariä Begegnung, die durch einen quadratischen Erweiterungsbau Raum für bis zu 20 Personen bietet, um dort gemeinschaftlich die Eucharistie und Andachten zu feiern. Einzelne Elemente der Kapelle wurden von verschiedenen Künstlern gestaltet. Die Mensa des Altars bildet eine Scheibe aus etwa 22 Mio. Jahre altem versteinerten Holz, die auf einem Altargestell des Stahlkünstlers Tobias Drave (Hamburg/Pinneberg) ruht. Das Gestell greift die Konturen der Mensa auf, lässt so den Eindruck eines stilisierten Baumstumpfes entstehen. Am Fuße des Altares steht gleichsam der „Grundstein“ - ein Stein aus dem Marienbrunnen in Ain Karem/ Israel. Aus derselben Schmiede stammen auch die Sockel für Tabernakel und Madonna. Die aus Lindenholz von der Künstlerin Barbara Tappeser-Köhler geschlagene fast lebensgroße Madonna trägt den Namen „Maria unterm Kreuze“ und zeigt die Züge der trauernden Mutter, die sich im Leid suchend nach dem Größeren wendet. Den Lindenholzstamm durchzieht ein Riss, der an die Weissagung des Propheten Simeon erinnert: Dir wird ein Schwert durch die Seele dringen.
Das in den Jahren 1992-94 entstandene Altartriptychon zeigt im aufgeklappten Zustand den Abstieg Gottes in der Menschwerdung Jesu, seine Kreuzigung und die Auferstehung bzw. Erhöhung. Neben  dem wie im Philipperhymnus 2, 6-11 beschriebenen Heilsgeheimnis des Gottessohnes spielt das Thema Licht eine entscheidende Rolle auf den insgesamt fünf Leinwänden. Die recht dunklen Tafeln (Acryl auf Leinwand) bringen das Spiel des Lichtes in verschiedenen  Formen und Intensitäten zum Ausdruck. Besonders im zugeklappten Zustand zu Advent und zur Fastenzeit erscheint der Ursprung des Lichtes, das allein Gott ist, wie ein Ur-Knall des Lebens, das sich ausbreitet und über alle Grenzen hinweg, trotz Dunkelheit, zum Leben strebt.
Ein Abstecher ins schöne Bergische und ein Besuch unserer Kapelle lohnen sich also, wenn gleich auch ein Weinberg in Steilhanglage eher nicht anzutreffen ist.

Für weitere Informationen und Gottesdienstzeiten: www. stranzenbach.info
Michael N. Schenk, Rector Ecclesiae