Weihnachten niederländisch

 

In den Niederlanden wird das Fest des Heiligen Nikolaus stärker gewichtet als in der Schweiz und in Deutschland. Damit ist die Weihnachtsfeier weniger materiell belastet, solange diese Tradition erhalten bleibt.

Etwas über die spezifische Bräuche der eigenen Heimat zu schreiben, ist immer eine interessante Aufgabe, denn der erste Gedanke, der aufkommt ist: Es gibt gar keine. Das heißt, es gibt gar nichts Besonderes, denn vom Ablauf her ist alles dort „normal“. Besonderheiten gibt es deswegen nur im Ausland.

Diese Aussage stimmt natürlich nur zum Teil:

Unbewusst nimmt man die eigene Heimat, den Ort, wo man aufgewachsen ist, die Gewohnheiten der eigenen Familie zum Maßstab für alles andere. Da mein Vater Pfarrer war und meine Mutter Organistin ist, sind diese auch wohl kaum repräsentativ. Zudem muss ich anmerken, dass die Gemeinde, in der ich aufwuchs, mehrheitlich protestantisch (reformiert) geprägt war, wobei es in den Niederländen große Gebiete gibt, die mehrheitlich römisch-katholisch geprägt sind.

Da sind die Bräuche natürlich anders als die in den mehrheitlich protestantischen Teilen der Niederlande.

Geschenke von Sankt Nikolaus

 

Eines der ersten Dinge, die mir in den Sinn kommen, besteht darin, dass man eigentlich bei Samichlaus / Sankt Nikolaus anfangen sollte. Deswegen zuerst eine Vorbemerkung dazu:

Andernorts ist die Weihnachtsfeier die Feier, an der man sich gegenseitig Geschenke gibt oder sich vom Weihnachtsmann beschenken lässt; in den Niederlanden ist das eigentlich nicht der Fall. Geschenke empfängt man, von wem auch immer, an der Samichlaus-Feier (Sinterklaasfeest). Diese Feier ist nicht am 6. Dezember, sondern am Vorabend des Festtages des heiligen Bischofs von Myra, das heißt am Abend des 5. Dezembers. Damit ist die Weihnachtsfeier natürlich auf eine bestimmte Art und Weise entlastet.

 

Angesichts neuerer Entwicklungen muss ich dazu aber noch eine Anmerkung machen: Es findet im Moment eine Verschiebung in Sachen Geschenke von der Sankt Nikolaus-Feier zu Weihnachten statt. Dieses niederländische Spezifikum findet damit demnächst wohl sein Ende. Kinder freuen sich allerdings im Moment über diese Verschiebung, denn in der Übergangsphase bekommen sie jetzt häufig zweimal Geschenke.

Vom Ablauf und von der Bedeutung des Festes her gibt es natürlich nicht allzu viele Unterschiede. Gefeiert wird – insofern dies noch im Bewusstsein der Niederländer ist, die noch Mitglied einer Kirche sind – natürlich die Menschwerdung Christi. Dies geschieht, sicher in dem Teil der Niederlande, aus dem ich stamme (Noord-Holland, Agglomeration Amsterdam/Haarlem). Da die Menschen dort stark entkirchlicht sind, wird der religiöse Charakter des Weihnachtsfestes bei den bewussten Christen noch zusätzlich hervorgehoben. Dieses ist natürlich kein spezifisch niederländischer Brauch, aber trotzdem eine niederländische Erfahrung. Es dürfte zudem so sein, dass der erste Weihnachtstag etwas schwerer gewichtet wird als im deutschsprachigen Europa, wo Heiligabend im Mittelpunkt steht.

Keine Weihnachtsmärkte

 

Ein weiterer Punkt, der hervorgehoben werden kann, ist folgender: die Tradition von Weihnachtsmärkten ist dem niederländischen Weihnachtsbrauchtum fremd. Die niederländische Tradition hat damit auch weniger den Charakter eines Volksfestes und vielmehr den Charakter eines Familienfestes. Im Vergleich mit den deutschsprachigen Ländern ist dies natürlich immer eine Frage des Ausmaßes, denn es ist klar, dass auch hier Weihnachten eine besondere Bedeutung für die Erfahrung der Gemeinschaft der Familie ist.

Peter-Ben Smit