Alt-Katholiken gehen zur Messe

 

Spricht ein Katholik von einer „Messe“, denkt er normalerweise an die Eucharistiefeier. Andere, die von Messe reden, denken zum Beispiel an jede Menge Kunsthandwerk, wie es in Kirchen und Sakristeien wiederzufinden ist, oder an Paramente, Goldschmiedarbeiten, Kirchenheizungen, Glocken, Heiligenfiguren, christliche Bücher und CDs und vieles mehr. Auch das stimmt, denn auf der Gloria-Messe ist alles zu finden. Sogar vergoldete Gartenzwerge mit betenden Händen.

Die Gloria ist eine der größten Kirchenausstellungen (also auch Messe) im deutschsprachigen Raum und fand in diesem Jahr vom 16. bis 18. Oktober zum neunten Mal in Dornbirn (Vorarlberg/Österreich) statt. Ihre Besonderheit ist, dass sich zwischen all der sakralen Kunst, dem Kitschigen oder Praktischen, das ausgestellt wird, auch die Kirchen selbst bzw. ihre Institutionen und Hilfswerke, Orden und geistliche Gemeinschaften vorstellen. Da liegt der Stand eines Zisterzienserklosters gleich neben dem von Radio Maria und Kirchen-TV, dieser wiederum befindet sich genau gegenüber vom Stand der Alt-Katholischen Kirche, der seinerseits flankiert wird von einem Kerzenanbieter und einem Orgelbauer.

 

„Was wir bieten, sind wir selbst“, heißt es in einem modernen Kirchenlied. Das passt genau zu dem, worum es auch uns auf der Gloria ging. Wir wollten nicht verkaufen, sondern vorstellen, keinen Umsatz machen, sondern Einsatz für das Leben nach dem Evangelium fördern.

Unsere drei alt-katholischen Bistümer Österreichs, Deutschlands und der Schweiz, die erstmalig gemeinsam auf einem Messestand unsere Kirche präsentierten und sich den Fragen der Menschen stellten, zogen das Interesse vieler Messebesucher auf sich. Manche davon waren fromm, sogar so sehr, dass sie sich verpflichtet fühlten, uns vor der Hölle zu warnen, allein weil wir den Bischof von Rom nicht als unfehlbares Oberhaupt der Katholiken sehen können. Andere waren neugierig, weil sie noch nie von uns gehört hatten und mehr erfahren wollten. Wieder andere grüßten einfach nur nett und gingen dann weiter, ohne das Gespräch zu suchen, viele stöberten ein wenig auf unserem Büchertisch und kamen darüber mit uns ins Gespräch.

Unser Fazit: Die vielen Gespräche, gerade auch die mit skeptischen oder kritischen Menschen, zeigen uns, dass nicht nur unser Messe-Stand wahrgenommen wurde, sondern vor allem unsere Standpunkte, unser Katholischsein mit bischöflich-synodalem Profil, unser Wunsch nach Einheit in der Vielfalt und unsere Kirche als Teil der Gesellschaft in den verschiedenen Ländern.

Besonderer Dank gilt Bischof Johannes Okoro, seiner Frau Edith und dem Gemeindevorstand Toni Wenter, die sämtliche Planungen koordiniert und vor Ort umgesetzt haben. Und nächstes Jahr? Natürlich wieder zur Gloria – auch das im doppelten Wortsinn: zur Messe und zur Ehre Gottes.

 

Christian Edringer