Bischof, sag bitte „Hvaljen Isus!“
Synode der kroatischen Alt-Katholiken
Festliches Glockengeläut empfing Bischof Bernhard Heitz, emeritierter Bischof der österreichischen Kirche,
und mich, als wir uns der Kirche von Šaptinovci im
Osten Kroatiens näherten. Irgendjemand hatte uns erspäht und schon ertönten die
Glocken vom Turm der alt-katholischen Pfarrkirche an jenem 27. September.
Quer durch Ungarn waren wir in den äußersten Osten
Slawoniens gereist, in die Landschaft Baranja, durch langgezogene Straßendörfer, die oft noch Spuren des letzten
Krieges aufweisen. Es war bereits mein dritter Besuch bei den Alt-Katholiken
Kroatiens, jedes Mal als Dolmetscher für Bischof Bernhard fungierend.
Erst Anfang Juli, in Zagreb, fand ein ziemlich intensives
Synodenvorbereitungstreffen bei der Kirche Sveti Križ (Heiligkreuz) statt. Gern denke ich an dieses
Wochenende zurück, bei dem ich u.a. zwei Enkel des ersten alt-katholischen
Bischofs Kroatiens, Marko Kalogjera, kennenlernte und
Gelegenheit hatte, den Sonntagsgottesdienst als Diakon mitzufeiern und die
Predigt zu übernehmen.
Nach dem Gottesdienst zeigte uns der für Zagreb zuständige
junge Priester Darko Mejaški
die gerade in Renovierung befindliche zweite Kirche in Stenjevec,
einem Vorort von Zagreb. Die Renovierungsmaßnahmen werden in Kürze
abgeschlossen sein, und die Kirche soll am 15. März neu geweiht und in Dienst
genommen werden. Neugierig schaute ich in einen Schrank, der irgendwo rumstand,
und entdeckte die verstaubte rote Soutane des letzten kroatischen
alt-katholischen Bischofs Huzjak.
Außerdem besuchten wir einen alt-katholischen Friedhof aus
den dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts und erinnerten uns der tragischen
Geschichte jener einst größten alt-katholischen Ortskirche Europas mit etwa
hundert Gemeinden, hundert Priestern und einem blühenden Leben, das im Zweiten
Weltkrieg Opfer eines unseligen Zusammenwirkens gemeinsamer
römisch-katholischer und nazistischer Interessen im damaligen Ustaša-Staat wurde.
Zurück nun zum 27. September: Kaum in Šaptinovci
angekommen, ging es gleich in die Vorbereitung der Synode der drei Gemeinden:
Zagreb und Šaptinovci in Kroatien und Dubrave Donje in Bosnien-Herzegovina. Schon im Vorfeld waren Befürchtungen
und Ängste zu spüren, die hauptsächlich in der Zugehörigkeit der in der Synode
zusammengefassten Gemeinden zu zwei verschiedenen Staaten begründet waren und
die in intensiven Gesprächen ausgeräumt werden konnten.
Tridentinischer Ritus
Es waren die üblichen Fragen, die Bischof Bernhard noch vor
dem Gottesdienst in zwei Interviews mit dem kroatischen Fernsehen und dem
regionalen Rundfunk gestellt wurden und die dem Bischof Gelegenheit gaben,
etwas über Sinn und Bedeutung unserer an der Alten Kirche maßnehmenden Bewegung
zu sagen. Dann ging es unter Orgelklang und Gesang in die vollbesetzte
Pfarrkirche. Der Bischof und ich wurden an die Seite unter einen Baldachin
gebeten, Pfarrer Stjepan Topolski,
57 Jahre alt und seit seinem 21. Lebensjahr Priester, leitete den Gottesdienst
unter Assistenz der zwei weiteren Priester, Jozo Kljajić aus Dubrave Donje und Darko Mejaški aus Zagreb. Das festliche Hochamt wurde zwar in
kroatischer Sprache, aber im tridentinischen Ritus zelebriert, was mich etwas
an längst vergangene Gottesdienste meiner Kindheit erinnerte. Aber die
Beteiligung der Gemeinde war überwältigend, die Feier war alles andere als eine
Ein-Mann-Show. Ich las die kroatische Übersetzung der
bischöflichen Predigt, die mit Applaus beantwortet wurde. Fast alle Teilnehmer
gingen auch zur Kommunion, und nachdem am Ende der Bischof den Segen sprach,
lud Pfr. Topolski alle, die
Lust und Zeit dazu hatten, auch noch zur Teilnahme an der Synode ein. Und fast
alle blieben da! Vertreter der politischen Gemeinde, der Kirchenbeauftragte des
Kultusministeriums, die Feuerwehr, römisch-katholische Freunde sorgten dafür,
dass die Kirche aus den Nähten platzte.
Das Programm der Synode enthielt den Bischofsbericht,
Berichte der Pfarreien, Berichte über die Finanzsituation und Neuwahlen, auch
die Wahl eines neuen Vorsitzenden des Synodalrats. Es wurde hierzu der Enkel
von Bischof Kalogjera, Prof. Damir
Boras gewählt, der danach in Interviews kurz seine Linie und Pläne erläuterte.
Ich erlebte eine trotz ihrer Kleinheit echte Synode, die
mich sehr beeindruckte. Der Geist der Alten Kirche wehte durch die Versammlung
und das strenge Gesicht Gregors von Nin (Grgur Ninski), des großen
Förderers der kroatischen kirchlichen Selbständigkeit
aus dem 9. Jahrhundert, schaute auf uns herab.
Nach der kurzen und intensiven Synode (Gottesdienst und
Synode dauerten zusammen etwas weniger als fünf Stunden!) traf sich noch alles
im großen Festsaal des Nachbarortes Đurđenovac
zu einem gigantischen Mittagessen, das irgendwann in einen großen Volkstanz
überging. „Dass niemand nach der Synode nach Hause geht! Bleiben wir zusammen
und feiern wir unser Kirchesein“, lud Pfarrer Stjepan alle ein und etwa 400 Leute kamen.
Ich muss gestehen, dass mir diese drei alt-katholischen
Pfarreien (bald werden es mehr sein) in Kroatien und Bosnien ans Herz gewachsen
sind. Es lebt in diesen lebendigen Gemeinden eine unerhörte Treue und Beständigkeit,
die sich in Šaptinovci zum Beispiel auch in der Feier
der alten Liturgie ausdrückt, und die dennoch ökumenisch offen ist. Mit einer
nahegelegenen reformierten Gemeinde wird enge Gemeinschaft gepflegt! Bei jedem
meiner Besuche lernte ich noch mehr interessante Menschen kennen. Die
kroatische Gastfreundschaft ist immer überwältigend herzlich, die alten und
jungen Menschen, die den Gottesdienst mitfeiern und sich im Leben der Pfarreien
einbringen, das Vertrauen, das Bischof Bernhard entgegengebracht wird, und die
Freude über den deutschen Diakon, der Kroatisch spricht, die Freude am Feiern
und an der Geselligkeit – all dies bringt es mit sich, dass ich mich schon auf
den nächsten Besuch freue. Diese Menschen sind echte Alt-Katholiken, sie dürfen
nicht vernachlässigt werden und sind jeglicher Hilfe und Unterstützung wert.
Am Schluss des Gottesdienstes bat mich ein älterer Herr: Wir
mögen Bischof Bernhard sehr, aber sagen Sie ihm, er soll uns doch in Zukunft
mit dem kroatischen Gruß „Hvaljen Isus“
(Gelobt sei Jesus) begrüßen. I bit će još više
naš biskup – und er wird
noch mehr unser Bischof sein!
Georg Spindler