Kirchenneubau in Hannover
Fast 50 Jahre lang seit ihrer Gründung 1955 war die Gemeinde
Hannover-Niedersachsen zu Gast bei anderen Gemeinden, ist dabei von Gastgeber
zu Gastgeber gewandert und war mal gern und mal weniger gern gesehen. So war es
ein gewaltiger Schritt, als Ende 2003 im Osten Hannovers, im Stadtteil Kirchrode, ein ehemaliges Pfarrhaus der
evangelisch-lutherischen Kirche erworben werden konnte. Ein mehrstufiger Plan
sah zunächst die Herrichtung als Gemeindezentrum und Pfarrwohnung vor, zu einem
späteren Zeitpunkt den Anbau einer Kirche an das bestehende Gebäude.
Gleich nach dem Kauf stellte sich die erste große
Herausforderung: der Umbau sollte erheblich teurer werden als zunächst gedacht.
„Eigenleistung“ hieß das Zauberwort, das uns aus der Patsche holte: Wände
abreißen, Fliesen abschlagen, Fenster einbauen, Fußböden verlegen, streichen,
baggern, mauern, pflastern – das alles haben Gemeindemitglieder und
Sympathisanten gemeinsam geschafft, so dass der erste Bauabschnitt, gekrönt
durch einen sprudelnden Quellstein inmitten des kleinen Vorplatzes, im Sommer
2007 fertig gestellt werden konnte.
Der sprudelnde Stein, umgeben von einem Sitzmäuerchen,
ist ein Anziehungspunkt für Gemeindemitglieder und Passanten, für Alt und
besonders für Jung. Er ist zugleich die Programmansage des Gemeindezentrums.
Hier geht es darum, dass Menschen in Liturgie und Begegnung, in Meditation und
Gespräch zur Quelle finden. Immer wieder lassen Suchende sich zu diesen
Angeboten einladen und finden darüber zur Gemeinde. Unsere Gottesdienste feiern
wir seit Advent 2004 im provisorisch als Kapelle eingerichteten Gemeindesaal.
Sie haben sich zahlenmäßig und geistlich gut entwickelt. An hohen Festtagen,
bei Gemeindeversammlungen und feierlichen Anlässen wie Erstkommunionfeiern,
Firmungen und Trauungen, reichen die Kapazitäten dieses Raumes allerdings nicht
aus, und wir müssen immer wieder in fremde Gebäude ausweichen. Umso wichtiger
wird nun der Bau der eigenen Kirche.
Was haben wir vor?
Die niedersächsische Gemeinde will im April 2009 mit dem Bau
ihrer Pfarrkirche beginnen. Diese erste und einzige alt-katholische Kirche in
Niedersachsen soll ein Zentrum werden, das in einer extremen Diaspora
Gemeinschaft und Identität der 1.600 Gemeindemitglieder stärkt. Zur Zeit bearbeitet die Stadt Hannover eine Bauvoranfrage zu unserem Bauprojekt. Die Planungen sind
aber so weit fortgeschritten, dass wir bei einem positiven Bescheid zügig den
Bauantrag stellen können. In einem mehrjährigen Prozess haben Kirchenvorstand
und andere Gemeindemitglieder ihre gemeinsame Idee vom Kirchbau entwickelt und
von dem hannoverschen Architekten Bernd Amberge zu
einem Entwurf umsetzen lassen. Ein moderner und zugleich traditionsbewusster
Bau soll es werden, zeltartig, ausgerichtet nach Osten, zur aufgehenden Sonne
hin. Ein hervorgehobenes Fenster hinter dem Altar lässt das Morgenlicht herein.
Kosmos und Steine künden im Zusammenspiel immer neu von der Auferstehung Jesu
Christi. Die Menschen, die hier zusammen kommen, sollen eingeweiht werden in
die Tiefe des Lebens, zu der Christus uns die Tür geöffnet hat. Gegenüber im
Westen ist das Taufbecken vorgesehen. Es ermöglicht nicht nur die Taufe durch
Übergießen. Der Taufkandidat bzw. die Taufkandidatin kann auch nach
frühchristlichem Vorbild hinein steigen, eintauchen, das Becken von Westen nach
Osten durchschreiten. „Menschen, die heute bewusst zur Kirche finden, suchen
oft mehr als die Minimalform des Rituals, die zur Regel geworden ist; sie
möchten Religion erleben, Erfahrungen machen, die sie prägen.“ So hat ein
Gemeindemitglied die innovativen Überlegungen zu einem für manche noch
ungewohnten Taufbecken auf den Punkt gebracht.
Über der Sakristei ist ein von der Kirche abgeteilter Raum
geplant, der als Gruppenraum oder auch als Meditationsraum genutzt werden kann.
Schon jetzt sind Meditationsabende und -tage für Kontemplation und Herzensgebet
im Gemeindezentrum zu Hause. Gleichzeitig mit dem Bau der Kirche, die
unmittelbar an das bestehende Gebäude anschließt, wird dort das marode Dach
erneuert und angehoben. Der dadurch neu entstehende Raum kann auf der einen
Seite als zusätzlicher Gemeinderaum genutzt werden. Unsere Überlegungen gehen
dahin, hier einfache Übernachtungsmöglichkeiten zu schaffen, damit sich auch
Gemeindemitglieder aus größeren Entfernungen willkommen fühlen. Hunderte wohnen
über 200 Kilometer vom Pfarrort Hannover entfernt!
Auf der anderen Seite des Gebäudes wird durch das neue Dach eine Erweiterung
der relativ kleinen Pfarrwohnung ermöglicht.
Helfen und sich einen
bleibenden Namen machen
Alle geplanten Maßnahmen werden gut und förderlich für die
Gemeinde sein. Sie haben aber auch ihren Preis. Für den kompletten Ausbau, bis
zum fertig gestrichenen Keller und neu angelegten Grünflächen, sind rund 1,5
Millionen Euro erforderlich. Rund 600.000 Euro stehen bisher zur Verfügung.
Angesichts des fehlenden Betrages wird es nicht anders gehen, als dass auch
diesmal wieder Gemeindemitglieder selbst Hand anlegen: Dämmen, Leitungen
verlegen, Verputzen, Streichen und einiges mehr werden wir in Eigenleistung machen
können. Aber das allein wird noch nicht ausreichen. Damit erstmals eine
alt-katholische Kirche in Norddeutschland gebaut werden kann, ist die Gemeinde
Hannover-Niedersachsen auf die Solidarität des ganzen Bistums angewiesen. Die
Gemeinde Hannover-Niedersachsen bittet Sie herzlich um Ihre persönliche
Unterstützung unseres Vorhabens:
1. Sie können mit uns bauen, indem Sie Ihren Beitrag unter
dem Stichwort „Sonderopfer Hannover 2009“auf das Girokonto der Gemeinde
Hannover-Niedersachsen überweisen: Konto 30 25 160 bei der Commerzbank Hannover
(BLZ 250 400 66). Bitte geben Sie im Verwendungszweck auch Ihren Namen und ihre
Anschrift an, sofern Sie eine Zuwendungsbestätigung erhalten möchten.
2. Wenn Sie handwerklich ausgebildet oder begabt sind und
freie Zeit zur Verfügung haben, nehmen wir auch gerne Ihre ehrenamtliche
Mithilfe als Bauhelfer oder Bauhelferin entgegen. Bitte melden Sie sich bei
Pfarrer Oliver Kaiser, der die Eigenleistungen koordinieren wird (Tel.
0511-664508).
Unser ganz besonderer Dank gilt allen, die uns bei diesem
großen Vorhaben unterstützen. Alle Spenderinnen und Spender sowie alle
ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer sollen unvergessen bleiben: Sie alle
werden namentlich in der Kirche verewigt werden.
Oliver Kaiser