Schwestern sind mitgemeint

Eine Vorschau auf die baf-Jahrestagung

Heute schon gesprochen? Welche Frage! Die Sprache ist unser wichtigstes Verständigungsmittel und wirkt gleichzeitig bewusstseinsbildend. In Sprache spiegeln sich gesellschaftliche Strukturen. Ein Wandel in der Sprache wirkt auf das Bewusstsein und verändert mittelbar unsere soziale, kirchliche und politische Welt. Daher ist die Gleichstellung von Frauen und Männern in der Sprache ein wichtiger Teil der rechtlichen, sozialen und auch kirchlichen Bewertung der Geschlechter.

Dass es in Sachen Gleichstellung und Ausgewogenheit der Sprache noch einiges zu tun gibt, ist offensichtlich: Lektorinnen und Lektoren verwenden auch in unserem Bistum immer mal wieder die Anrede „Brüder“ statt „Brüder und Schwestern“, in biblischen und liturgischen Texten wird immer noch von „Söhnen“ gesprochen auch an Stellen, wo „Kinder“ oder „Söhne und Töchter“ durchaus nicht text- oder sinnentstellend wäre. Müssen nur die Frauen sich damit begnügen, dass sie immer „mitgemeint“ sind?

Asymmetrie

Trifft eine Asymmetrie in der Sprache zufällig einmal Männer, dann wird sich sofort um eine Umformulierung gemüht: Als in Deutschland vor einigen Jahren männliche Hebammen offiziell zugelassen wurden, begann die Diskussion um die Berufsbezeichnung. Eine Ableitung der weiblichen Form für Männer (etwa der „Hebammer“, analog zu „Witwe - Witwer“) schien unzumutbar. Es wurde daraufhin der Begriff des „Entbindungspflegers“ kreiert. Umgekehrt sind Frauen meist etwas schneller und sensibler: Die Teilnehmerinnen beim letztjährigen Pfarrfrauen-Seminar haben sich schon vorsorglich darüber Gedanken gemacht, wie sich das Seminar nennen soll, wenn künftig auch Partner von Frauen im apostolischen Dienst dazu stoßen.

Wie kann denn aber nun geschlechtergerechte Sprache aussehen, eine Sprache, die Männer und Frauen in ihrer Gleichwertigkeit einbezieht und ihrer Unterschiedlichkeit berücksichtigt, zugleich aber auch den Sprachfluss in seiner Schönheit und Lesbarkeit nicht beeinträchtigt? Reicht das anhängen von „In“ z.B. ÄrztIn, PriesterIn aus? Was ist bloß holperige Sprachspielerei, was notwendiger Ausdruck von Gerechtigkeit? Wo stimmen wir emotional zu, wo wird emotionale Abwehr gefördert? Wie weit kann man liturgisches, religiöses Sprechen verändern, ohne den Sinn zu verkehren? Wie kann sich die Sensibilität kirchlicher Sprache positiv absetzen, etwa vom Beipackzettel eines Pharmaprodukts? Manche ausländischen Idiome haben es einfacher als wir Deutschen. Ist unsere – sehr differenzierte, sehr poetische – deutsche Sprache eher nützlich oder schädlich für die Geschlechtergerechtigkeit?

Jahrestagung

Da werden viele Fragen aufgeworfen. Die diesjährige baf-Jahrestagung vom 19. bis 22. Oktober 2006 (Achtung: erstmals mit Rücksicht auch auf berufstätige Frauen von Donnerstag bis Sonntag!) wird sich mit diesem spannenden und umfangreichen Thema befassen.

Das Thema Gleichstellung ist und bleibt spannend. Wie immer wird bei der Tagung, in diesem Jahr wieder im Bildungshaus Schmerlenbach bei Aschaffenburg, in Bibelarbeit und Referaten, Gruppenarbeiten, Diskussionen und Übungen, auch mit Witz und Augenzwinkern am Thema gearbeitet.

Die Tagung wird vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert.

Nähere Informationen sind zu erhalten über unsere Homepage www.baf-im-netz.de oder über die Vorstandsfrauen. Einladungen und Infoblätter sind ab Anfang Juli bei allen Pfarrämtern oder bei baf, Gregor-Mendel-Str. 28, 53115 Bonn zu erhalten. Herzlich eingeladen sind nicht nur Mitglieder unseres Frauenverbandes. Für Mütter mit Kleinkindern wird eine qualifizierte Kinderbetreuung angeboten.

Mariette Kraus-Vobbe