Auf dem Weg zu weiteren Übereinstimmungen
Die offizielle theologische Konferenz zwischen der Anglikanischen Gemeinschaft und den Alt-Katholischen Kirchen der Utrechter Union fand von 29. August bis zum 2. September 2005 in Hinsley Hall in Leeds (Großbritannien) statt. Ungefähr siebzig Theologinnen und Theologen, Anglikaner und Alt-Katholiken aus unterschiedlichen Ländern nahmen daran teil. Sie stand unter der Schirmherrschaft der jährlichen Internationalen Alt-Katholischen Theologenkonferenz und dem Zentrum des Studiums der christlichen Kirche. Der Erzbischof von Canterbury und der Erzbischof von Utrecht, der persönlich anwesend war, gaben ihre Unterstützung.
Grundlegende Idee der Konferenz war es, theologisch die Feier des 75-jährigen Jubiläums des Bonn Agreements von 1931 zu untermauern. Referate wurden gehalten von Professor Dr. Urs von Arx (christkatholische Kirche der Schweiz) und Dr. Charlotte Methuen (anglikanische Kirche) über die Ursprünge des Bonn Agreements; von Pfarrer Mattijs Ploeger (alt-katholische Kirche der Niederlande) und Dr. Paul Avis (anglikanische Kirche) über katholische, apostolische, trinitarische und eucharistische Konzepte der Kirche; von Dr. Colin Podmore (anglikanische Kirche) und Prof. Dr. Günter Esser (alt-katholische Kirche Deutschlands) über Episkopat - Konziliarität - Kollegialität und Primat und von Sarah Aebersold (Alt-Katholische Kirche der Niederlande) und Professor J. Robert Wright (episkopale Kirche von Amerika) über die Kirche als Orts- und Universalkirche. Den Vorsitz der Konferenz führten Pfarrer Robert Frede und Dr. Paul Avis.
Es gab nicht nur erstklassige Referate und intensive Gespräche im Plenum, ebenfalls fanden begleitend dazu Treffen in Kleingruppen statt; dort wurde das Gehörte nochmals besprochen und im direkten Gegenüber ausgewertet. Dabei wurde immer wieder betont, dass anglikanische und alt-katholische Kirchen episkopale (bischöfliche) Kirchen sind, nur eine unterschiedliche Geschichte haben. Allerdings sollten die kirchlichen Unterschiede nicht überbewertet werden. Als Basis sollten die Gemeinsamkeiten dienen, aus deren Blickwinkel Unterschiede zu bewerten sind, wobei im praktischen Bereich Unterschiede gemeinsam bearbeitet werden müssen.
Zwei abschließende Plenumssitzungen (unter Vorsitz von Bischof Jonathan Gledhill, Bischof von Lichfield, und Erzbischof Joris Vercammen) ermöglichten ein weiteres angeregtes Gespräch mit allen Referenten, aus dem die folgenden Übereinstimmungen festzuhalten sind:
- Anglikaner und Alt-Katholiken bekräftigen, dass die Ortskirche als Diözese die grundlegende ekklesiologische Einheit ist. Aber wie geht man mit parallelen Jurisdiktionen auf dem europäischen Festland um, wo anglikanische und alt-katholische Diözesen nebeneinander existieren? Kann das Prager Modell, wo Gemeinden einer Kirche dem Bischof einer andern Kirche unterstellt werden, hilfreich sein? Wie kann man größere (nationale, regionale und universale) Entscheidungsstrukturen finden, ohne die ortskirchlichen zu verletzen?
- Anglikaner und Alt-Katholiken bekräftigen, mit unterschiedlichen Gewichtungen, eine eucharistische Ekklesiologie. Dabei wurden Fragen nach der Bedeutung der Taufe und dem Umgang mit dem Begriff Mission aufgeworfen.
- Anglikaner und Alt-Katholiken sind durch das Bonn Agreement in voller Kirchengemeinschaft: dies ist die ausreichende und maßgebliche Basis für weitere Schritte zu tieferer Einheit. Die in diesem Zusammenhang entstandenen Fragen beschäftigen sich mit Fragen nach der Einheit unserer Kirchen und strukturellen Modellen, die zwar eine Vereinigung ermöglichen, aber keine Vereinnahmung der anderen Kirche bedeuten. Dabei wurde die Vielfalt in der Einheit hervorgehoben, die die jeweiligen eigenen Traditionen, Theologien und Praktiken der einzelnen Kirchen bewahrt. Weiterhin ist in diesem Zusammenhang auch über eine Möglichkeit der Annäherung im Verhältnis zur orthodoxen, römisch katholischen und lutherischen Kirche diskutiert worden. Auch die praktischen Schritte der Annäherung alt-katholischer und anglikanischer Gemeinden wurden erörtert.
Ein zweiter Fragenkomplex beschäftigte sich mit der Intensivierung gemeinsamer Projekte. Dabei war eine weitere Annäherung in der Verkündigung des Evangeliums unserer Kirchen in einem sich plural und säkular entwickelnden Europa als Frage aufgeworfen worden. Eindeutig war es der Wunsch der Teilnehmer, die momentane gemeinsame Zusammenarbeit noch weiter zu vertiefen durch Austausch von Theologen und Studenten und durch die Unterstützung von gemeinsamen Projekten der theologischen Ausbildung. Eine Intensivierung von Partnerschaften auf Gemeinde- und Diözesanebene wurde sehr begrüßt, genauso wie der Austausch von Priestern.
Das in den letzten beiden Plenumssitzungen erarbeitete Thesenpapier wird der internationalen Bischofskonferenz vorgelegt werden.
Die vielen Fragen, welche im Thesenpapier aufgeworfen wurden, zeigen das tiefe gegenseitige Interesse beider Kirchen und verdeutlichen auch den guten Weg, der gemeinsam beschritten wird. Eine gute Zusammenarbeit und angeregte Stimmung bestärkte die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, weitere anglikanisch/alt-katholische Theologenkonferenzen zu befürworten. Diese sollen alle vier Jahre von beiden Kirchen im Wechsel vorbereitet werden.
Stefan Kandels