Synoden sind Synoden
Eine Ansichtssache
Eine Wirtschafts- bzw. eine Sozialsynode sei
jetzt mal dran, meinte jüngst ein Kollege im Gespräch. Also nach den
Pastoralsynoden 2000 und 2007 und der Rechtssynode 2003 und vor der
Bischofswahlsynode 2011 im Jahr davor eine noch nie dagewesene Synode? Oder
sollten wir es am Ende mal wieder mit einer ganz normalen Synode probieren?
Offen gesagt war mir die Titulatur, die bei uns in den
neunziger Jahren und vor allem im Vorfeld der Synode 2000 Einzug gehalten hat,
schon immer suspekt. Damals wurde es Sitte, zwischen Rechts- und
Pastoralsynoden zu unterscheiden, als ob Rechtsfragen nichts mit der Pastoral
zu tun hätten und pastorale Konzepte und Entscheidungen ohne rechtliche
Konsequenzen auskommen würden. Als in den siebziger und achtziger Jahren des
19. Jahrhunderts unsere Synoden die großen Reformen auf den Weg brachten, wäre
niemand auf die Idee gekommen, von Reformsynoden oder – nach deren Gegenstand
differenziert – von Liturgie- und Zölibatssynoden zu sprechen. Synoden wurden
als das begriffen, was sie sind: Das obersten Entscheidungsorgan und die
Repräsentanz der Kirche. Als solche haben sie sich mit allen die Kirche
betreffenden Fragen zu befassen. Ihnen obliegt es, da, wo nötig, für alle verbindliche Entscheidungen zu treffen und eine
alt-katholische Position zu definieren. Das können Fragen der Pastoral, der
Katechese, der Liturgie, der Ethik oder sonst eines Bereiches sein.
Denkbar
Natürlich wäre es vor diesem Hintergrund denkbar, dass sich
eine Synode mit Wirtschafts- bzw. Sozialethik beschäftigt, um einen Standpunkt
festzulegen, der dann als der alt-katholische gilt. Allerdings wäre es fatal,
wenn einträte, was jüngst bei der Synode der Evangelischen Kirche in
Deutschland ein Synodaler als Gefahr benannte, nämlich das Ganze zu einer
Bildungsveranstaltung für die Gemeindeabgeordneten zu machen. Synoden sind
nicht dazu da, erwachsene Menschen für ein paar Tage auf interessante und
abwechslungsreiche Weise zu beschäftigen. Das wäre Geldverschwendung! Die Damen
und Herren werden gewählt, um zu entscheiden und um durch ihre Entscheidungen
den Weg der Kirche zu bestimmen.
So gesehen war das Konzept der letzten Pastoralsynode mehr
als fragwürdig, denn nicht um Entscheidungen ging es, Erfahrungen, spirituelle
Erfahrungen sollten im Mittelpunkt stehen. Gegen spirituelle Erfahrungen lässt
sich nichts sagen, aber es gibt eben einen Unterschied zwischen Besinnungstagen
und Synoden. Man schaue sich als warnendes Beispiel die Internationalen
Alt-Katholiken-Kongresse an, die zwar beliebte Veranstaltungen sind, aber sich
inhaltlich von Dekanatswochenenden nur noch in der Masse und der
Internationalität der Beteiligten unterscheiden. Als Forum des
Alt-Katholizismus, das nach innen und vor allem nach außen wirkt, haben sie
ausgedient. Wer das Gegenteil behauptet, möge mir beweisen, welche Impulse vom
letzten Kongress ausgegangen sind. (Damit wir uns nicht falsch verstehen: Der
Kongressbesuch lohnt sich nach wie vor, denn wo sonst kann man den
internationalen Alt-Katholizismus erleben. Die persönliche Begegnung an sich
ist auch ein Wert. Aber dafür wurden die Kongresse ursprünglich nichts ins
Leben gerufen.)
Entsetzt
Das blanke Entsetzen löst es jedesmal
bei mir aus (ja, Sie lesen richtig), wenn ich im Zusammenhang mit unserer
letzten Synode höre, sie sei als reine Pastoralsynode geplant gewesen, die
Finanzfrage sei kurzfristig reingerutscht. Damit soll wohl gesagt werden, außer
den Regularien (Bischofsbericht, Wahlen, Haushalt
etc.) sollte nur das stattfinden, was dann als sogenannter pastoraler Teil
stattfand. Nun bitte ich nachzurechnen: 2003 tagte die letzte „normale“ Synode,
2010 wird die nächste zusammentreten, nach dem Willen der Kirchenleitung wäre
dies sogar erst 2011 der Fall gewesen. Glaubt jemand allen Ernstes, zwischen
2003 und 2010 gibt es in einer Kirche wie der unsrigen nichts, was der
synodalen Diskussion und Entscheidung bedarf? Oder ist bei uns am Ende der Sinn
für das, was Synode ist und sein muss, im Schwinden begriffen?
Noch ein Letztes: Manchmal habe ich aufgrund des Untertons,
der mitschwingt, den Eindruck, Pastoralsynoden gelten als „schöne“ Synoden,
während der Begriff „Rechtssynode“ gerne mit einem Seufzer und Aufstöhnen
ausgesprochen wird. Der Wert einer Synode bemisst sich aber nicht danach, ob
sich die Teilnehmenden wohlgefühlt haben, sondern ob die Synode ihre Funktion
als oberster Gesetzgeber wahrgenommen hat. Dass dies nicht ohne Streit und
Konflikte abgeht, sollten wir akzeptieren, anstatt uns konfliktfreie Synoden
herbeizusehnen.
Matthias Ring