Aufbruch zu besserer Kommunikation
Im Gegensatz zu früheren Synoden bin ich von dieser letzten
in Mainz ein wenig irritiert nach Hause gefahren. Für mich sind an einer Synode
zwei Dimensionen besonders wichtig: die sachlich/inhaltliche und die
atmosphärische. Auf der sachlichen Ebene hat die Synode den Antrag 1 auf
Einführung einer Synodalkasse angenommen. Ich habe die Bedenken, dass dieses Zentralsystem
am Ende die Einnahmen sinken lässt (weil man sich in den einzelnen
Kassenbezirken weniger verantwortlich fühlt und weniger kümmert) und dass die
Ausgabebegehrlichkeiten steigen werden (weil alle meinen, der große Topf gebe
es doch her). Die Zeit wird zeigen, ob die Vorteile oder die Nachteile der
neuen Finanzstruktur überwiegen.
Die eigentliche Problematik aber lag für mich im Bereich der
Atmosphäre, und die wurde besonders geprägt durch die Art und Weise der
Kommunikation. Ein paar Beispiele: Im Vorfeld gab es keine umfassenden
Informationen, erst recht keine Konsultationen zu dem weitreichenden Antrag 1.
Auf der Synode selbst waren viel Kritik, Wut und Ärger bei Synodalen, die sich
aber vor allem in den schönen Cafes und Kneipen der Stadt Mainz und im
Randgetuschel entluden; im Plenum aber Schweigen. Nachdem die kritische
Wahrnehmung einiger Gruppen auf Plakaten aushing, ging es in der Tagesordnung
einfach weiter, als wäre nichts gewesen.
Warum haben wir darüber nicht offen gesprochen? Warum hat die
Synodalvertretung nicht thematisiert, was in der Luft lag? Warum hat aus der
Reihe der übrigen Synodalen niemand gesagt: „Leute, hier stimmt doch was
nicht?“
Mir geht es nicht darum, im Rückblick einzelne zu
kritisieren. An dem Kommunikationsstil, der sich eingeschliffen hat, sind wir
alle ein wenig beteiligt. Ich möchte aber auf die Zukunft hin ganz klar
feststellen: Wir brauchen eine bessere Kommunikation für ein heilsameres
Miteinander. Dazu gehören aus meiner Sicht: mehr Transparenz, ein offener, angstfreier
und direkter Umgang miteinander und wirkliches, weil gewachsenes Vertrauen. Ich
finde, dass das alles Begriffe sind, die eine hohe geistliche Qualität haben.
Wenn die Kirche in ihrer Ganzheit, in ihrem Dasein, in ihrer sichtbaren Gestalt
sakramental ist – und das ist meine katholische Überzeugung – dann kann es uns
nicht egal sein, wenn hier Störungen auftauchen. Ansonsten wird aus der Synode
ein – teures! – Theater. Gern will ich zunächst für mich selbst lernen. So habe
ich aus dem Erlebnis dieser Synode vor allem den Impuls mitgenommen, meinen
eigenen Kommunikationsstil zu überprüfen: Höre ich richtig? Informiere ich
richtig? Kann ich Gegensätzliches zulassen, vielleicht sogar integrieren?
In vielen Bereichen hat es in unserem Bistum in den vergangenen
Jahren spürbare Aufbrüche geben. Ich wünsche mir, dass uns das auch in Sachen
Kommunikation gelingt.
Oliver Kaiser