Räumlichkeiten
Wenn ich zurückdenke an die Bistumssynode, dann fallen mir
spontan die verschiedenen Räume ein, in denen wir uns in Mainz getroffen haben.
Und so will ich anhand der Räume und Raumeindrücke ein wenig das
zusammenfassen, was sich da für mich ereignet hat.
Es hat begonnen mit den Kirchen. Das gehört sich natürlich
so, dass eine Synode in der Kirche beginnt und sich auch dort immer wieder
einfindet und neu orientiert. Wir hatten verschiedene Gottesdiensträume, die
wir aufsuchen konnten, und mich freut es immer wieder, zu erfahren, wie offen
uns Türen im Bistum Mainz sind. Die Gottesdienste waren eindrucksvoll, die
Predigten und Impulse wertvoll. Von der äußeren liturgischen Form bleibt mir
der häufig genutzte Weihrauch in Erinnerung, der mir vor allem im Beweihräuchern
der anwesenden Personen ein wenig untypisch für unsere Kirche vorkam. Überhaupt
waren die Gottesdienste nicht unbedingt abwechslungsreich gestaltet; das
Hochkirchliche war eher die Regel. Ich hätte mir mehr Fröhlichkeit und
Temperament gewünscht.
Der nächste Raum war der Plenumssaal, also der Raum, in dem
wir alle zusammen kommen konnten, unten die Synodalen und oben auf der Empore
die Gäste. Im Plenum wurde das Entscheidende dieser Synode durchgeführt. Das
war ja ursprünglich nicht so gedacht. Es sollte ja eine Pastoralsynode sein,
mit dem Schwerpunkt auf Spiritualität. Als dann erst relativ spät das Thema
„Synodalkasse“ dazu geschoben wurde, bekam alles ein ganz neues Gesicht. Denn
jetzt galt es Entscheidungen zu treffen, zu diskutieren und zu debattieren.
Direkt zu Anfang war die Atmosphäre gespannt, beladen mit
Gefühlen und Erwartungen. Aber es hing zum großen Teil gerade nicht damit
zusammen, dass es hier um Finanzen ging. Es hatte
seinen Ursprung eher im inneren Widerspruch zwischen der anberaumten
Großentscheidung und der vorgegebenen Zeitordnung, im Widerspruch zwischen
spiritueller Beschäftigung der Synodalen und ihrem Selbstverständnis,
Entscheidungsträger des Bistums zu sein.
Leider ist der große Plenumssaal des Erbacher Hofs ohne natürliches
Licht. Nur mit Neonröhren und Glühbirnen wird hier hell gemacht. Also war es
nötig, selber gutes Licht hinein zu tragen. Und das geschah. Zum Beispiel mit
einem brillanten Bischofsbericht: humorvoll, spannend, informativ.
Schwer hatte es in diesem Raum allerdings Dr. Rosch, der
zweite Vorsitzende der Synodalvertretung. Ein großes Handicap war für ihn, dass
er wieder zum Tagungsleiter der Synode bestimmt worden war. So musste er
einerseits die hochexplosive Spannung im Griff halten und immer wieder schnelle
Entscheidungen treffen, um eines zügigen Ablaufs willen, und andererseits hatte
er die Pflicht, sein eigenes Finanzkonzept vorzustellen und durchzubringen.
Mal ganz abgesehen vom Temperament und Naturell des Dr.
Rosch: Das kann nach meiner Meinung überhaupt nicht gut gehen. Als es um die
Entscheidung in Bezug auf den SV-Antrag oder den Krefelder Antrag ging, war Dr.
Rosch immer im Zwiespalt: Zügel lang oder Zügel kurz, eingreifen oder Ruhe
bewahren, deutlich werden oder im Hintergrund bleiben. Dass dabei auch Fehler
gemacht wurden und sowohl von der Gegenseite wie der Bistumsseite die Grenzen
der Sittsamkeit und Höflichkeit mitunter überschritten wurden, war kaum zu
vermeiden. Dass dann aber eine so einhellige und überzeugende Mehrheit zustande
kam von etwa 75 Prozent für die Synodalkasse, fand ich großartig. Obwohl die
Emotionen so hoch gespielt waren, obwohl jeder mit jedem Mitleid haben konnte
und zugleich auf fast jeden Redeführer zornig sein konnte, war die Entscheidung
am Ende völlig klar und souverän.
Es ging in die Gruppenräume. Nun war gedacht und vorgesehen,
dass der geistliche Teil der Synode zum Tragen käme. Die Vorbereitungsgruppe
hatte viel hierfür getan. Aber das Umschwenken auf den spirituellen Teil hat
nicht so unkompliziert geklappt wie ge-plant.
Natürlich waren noch Reste von den Vortagen, die nicht aufgearbeitet waren.
Natürlich waren Gefühle noch überdeutlich und nicht geäußert, die erstmal
benannt werden mussten und abgehandelt. Es war sehr gut, dass dem in den
meisten Untergruppen Rechnung getragen worden ist. Man kann nicht über
„Störungen“ und Probleme hinweg zur Tagesordnung übergehen. Ich kann nur von
meiner Gruppe erzählen, die von Thomas Walter betreut wurde: Wir haben offen
und konstruktiv miteinander geredet. Gerade weil die Teilnehmer sich ernst
genommen fühlten und mit ihrem Fühlen und Denken herausrücken konnten, entstand
ein positiver Grundkonsens. Wir sprachen über die Probleme und Chancen unserer
Kirche und ihrer Gremien und haben so diese ehrliche und kleine Kirche noch
mehr schätzen gelernt.
Leider war von vornherein nicht vorgesehen, diesen
Pastoralteil wieder ins Plenum zurück zu bringen. Man hätte hier nochmal über die Arbeiten und Ergebnisse der Untergruppen
sprechen und Weiterführendes entscheiden sollen. Die Synodalen müssen auf jeden
Fall die Sicherheit haben, dass sie nicht fürs „Fotoalbum“ anwesend sind und in
den Untergruppen werkeln, sondern dass es auch gemeinsame Bewertungen und
Folgerungen gibt.
Weil das nicht geschah, war in der Folge die Personalwahl
die einzige Chance, die eigene Meinung im Plenum auszudrücken. Und entsprechend
wurde denn auch abgestimmt. Es gab kleine Abstrafungen für altgediente
Mitarbeiter. Aber zugleich gab es auch gerade durch die offene Diskussion in
den Untergruppen so viele exzellente Kandidaten für Synodalvertretung,
Finanzkommission und die anderen Gremien, wie ich es noch nie auf einer unserer
Synoden erlebt habe. Es waren keine Verlegenheitskandidaten, die da aus dem Hut
gezogen worden wären, sondern wertvolle qualifizierte Leute, auf die wir, ob
nun gewählt oder knapp unterlegen, miteinander stolz sein können. Auch dass Dr.
Rosch wieder gewählt worden ist, hat mich in diesem Zusammenhang gefreut.
Die letzte Räumlichkeit war dann wieder der Bahnhof
beziehungsweise das Zugabteil. Wir wurden wieder auf die Reise geschickt. Es
ging heimwärts zu unseren Familien, aber vor allem auch in unsere Gemeinden. Im
Handgepäck hatten wir viele Eindrücke, aber auch handfeste Beschlüsse für die
Zukunft unserer Kirche.
Es war nach meinem Empfinden eine überraschend wertvolle und
wichtige Etappe auf dem Weg unserer Kirche. Was als Pastoralsynode gedacht war
und in die Zwickmühle von Pragmatischem und Spirituellem geriet, wurde zu einem
Markstein an Aufbruch und Gemeinsamkeit. Gerade durch die Unebenheiten und
Kontroversen, die aber schließlich zur Sprache kamen und zur Herausforderung
wurden, ist unser Bistum einen wesentlichen Schritt vorwärts gekommen. Und die
Kerzen, die wir von Mainz für unsere Kirchen mitgebracht haben, und die handgeschriebenen
Sendungsbriefe sind ein Zeichen dafür.
Harald Klein