Mehr Fragen als Antworten

 

In den Artikeln der Novemberausgabe von Christen heute und sicherlich an vielen anderen Orten und in vielen unterschiedlichen Beiträgen ist schon über die Spannungen und Auf-Brüche der zurückliegenden Synode berichtet worden. Ich hoffe, dass diese Spannungen und Brüche von allen Beteiligten tatsächlich wahrgenommen und gewichtet werden und uns dann als Kirche zu einem Aufbruch in ein neu zu gestaltendes Miteinander bringen werden.

Synodalität muss erarbeitet werden: vor allem Zeit und Miteinander sind da vonnöten. Ein Irrtum ist, die formale Befolgung der SGO mit einem synodalen Prozess gleichzusetzen – und im Fall von Zeitmangel, Spannung und Ärger sich auf die formale Ordnung zurückzuziehen. Nahezu schmerzlich wird es für mich, wenn aber, aus Mangel an Argumenten oder welchen Nöten auch immer, die „Vertrauenskarte“ gezogen wird: Die Meinungsfindung zu einer Sache wird untrennbar verknüpft mit dem Vertrauen in einen Menschen (oder ein Gremium), seinen gut gemeinten Einsatz, seine Verdienste. Ein solches Verhalten grenzt an emotionale Erpressung – und ist, meines Erachtens, unserer nicht würdig.

 

Die Entscheidung zur gemeinsamen Kasse war, synodal gesehen, ein Fiasko. Sie hatte nichts mit einer Entscheidungsfindung und Willensbildung aus dem synodalen Leben des Bistums heraus zu tun. Und es ist zu kurz gegriffen, die Verantwortung dafür ausschließlich einzelnen Menschen zuzuweisen. Wir müssen wohl die Struktur unserer Kirche betrachten – und die Situation, die sich daraus ergibt. Lösungen für anstehende Probleme sollten nicht alleine eine kleine Gruppe Entscheider finden. Verantwortung an wenige zu delegieren kann kein Ersatz für einen gemeinsamen Weg von vielen sein.

Wir müssen uns also fragen, wie wir anstehende Aufgaben auf mehr Menschen verteilen, wie wir auf vorhandene Fähigkeiten aufmerksam werden und sie zur Geltung kommen lassen, welche Freiräume wir welchen Personen schaffen müssen (auch finanziell), wie wir Aufgaben innerhalb des Bistums verteilen. Konkreter: Reichen zwei Halbtagsstellen im Ordinariat aus? Brauchen wir neben hauptamtlichen Geistlichen auch hauptamtliche „Laien“? Ist es ausreichend, die Arbeit der Synodalvertretung ausschließlich auf nebenberufliches Engagement zu gründen? Wie können wir auch Nicht-Geistliche (ich versuche bewusst, das Wort „Laien“ zu meiden) motivieren und auch befähigen, Aufgaben innerhalb der Kirche zu übernehmen? Ist der Abstand zwischen den Synoden von drei Jahren (jetzt waren es sogar vier Jahre) sinnvoll? Sind nicht häufigere und kürzere Synoden geeigneter, das synodale Leben im Bistum lebendiger zu gestalten? Bedarf es einer höheren Kontinuität bei den Abgeordneten aus den einzelnen Gemeinden? Und bedarf es einer gemeinsamen Vorbereitung der Gemeindeabgeordneten, zum Beispiel innerhalb der Dekanate? Während sich die Geistlichen schon qua Amt auf mannigfaltigen Veranstaltungen immer wieder treffen und eine hohe Durchdringung von Inhalten und Kenntnis der agierenden Personen haben, müssen sich die Gemeindeabgeordneten, besonders wenn sie erstmalig zu einer Synode fahren, dies mühsam aneignen.

Auch wenn die Art der Entscheidung zur Bistumskasse ein Fiasko war, denke ich doch, dass sie von der Sache her ein großes und gutes Potential in sich birgt. Letztlich ist es nichts anderes, als ein wesentlicher Schritt zur Gütergemeinschaft innerhalb unserer Kirche. Im besten Falle werden wir zu einer Gemeinschaft, die alles gemeinsam hat (Apg 2,44). Aber da wir doch – wahrscheinlich – alle mehr eitel als heilig sind, bedarf es nun der sensiblen und verantwortungsvollen Umsetzung dieses Beschlusses. Die Aufgabe der Finanzkommission und der Synodalverwaltung ist es nun, alle Unzulänglichkeiten und Mängel des Antrages aufzuwiegen. Und auch hier sind wieder ganz konkrete Fragen zu beantworten, um aufkommendem Misstrauen in die wenigen Entscheider entgegenzuwirken. Nach welchen Kriterien werden welche Gemeinden entschuldet? Wohin fließen die Erträge aus Vermögen, die nach alter Regelung in die Bedienung von Zins und Tilgung geflossen wären? Wer entscheidet über den größten Posten der Kasse überhaupt: die Personalausgaben? Gibt es einen Stellenschlüssel? Wer ist dafür verantwortlich? Muss eine Obergrenze des Anteils der Personalausgaben am Gesamthaushalt gefunden werden? Oder haben wir im Zweifel „nur“ noch Geld für Personal und für sonst nichts mehr? Gibt es klare Kriterien für die Vergabe von Mitteln aus den Fonds?

Die SGO und die anderen Rechtsvorschriften unserer Kirche halte ich – von wenigen Ausnahmen abgesehen – für einen guten Rahmen, um ein lebendiges, synodales, beteiligungsorientiertes Leben der gesamten Ortskirche zu gestalten. Eine Aufgabenteilung zwischen den unterschiedlichen Gruppen und Personen im Bistum ist dort auch skizziert. Brechen wir nun also auf, Strukturen zu finden, die uns allen hilfreich sind und die die Lasten unterschiedlichster Art gerecht verteilen.

 

Klaus Kegel