Wasser und Kommunikation
Uns steht das Wasser bis zum Hals – aber es ist von bester
Qualität“. Trotz mancher Enttäuschungen, die es auf der Synode gegeben hat,
bringt dieser Postkartenspruch für mich die Ereignisse der Synode am besten auf
den Punkt. Denn die spürbare Solidarität in unserer Kirche ist wirklich Wasser
von bester Qualität! So wurde auf dem Finanzteil der Synode zu keinem Zeitpunkt
die Notwendigkeit einer gemeinsamen Bistumskasse in Frage gestellt. Auch nicht
von den so genannten „reichen“ Gemeinden. Das hat mich sehr beeindruckt. Und
vielleicht war es ein Fehler, dass diese selbstverständliche Solidarität nicht
erst einmal ausdrücklich festgestellt wurde. Stattdessen stürzten sich alle
sofort auf die sehr umstrittene Frage der Umsetzung, also auf die Frage des
Wann und Wie der gemeinsamen Kasse.
Ich gehörte zu den Synodendebütantinnen, also zu jenen, die
zum ersten Mal auf einer Bistumssynode „mittanzen“ durften. Mit entsprechend
hohen Erwartungen bin ich deshalb nach Mainz gefahren. Das synodale Prinzip
unserer Kirche ist etwas, worauf ich im Gespräch mit Vertretern und
Vertreterinnen anderer Kirchen immer besonders stolz war und nach wie vor bin.
Die Erfahrungen, die ich als Mitglied des Synodenvorbereitungsteams anlässlich
der so genannten Emmaustage in verschiedenen
Gemeinden machen durfte, haben dieses Selbstbewusstsein eigentlich bestätigt:
da beginnt eine Synode aus den Gemeinden heraus! Das ist großartig! Aber als
dann die Synodenanträge zusammen mit der Einladung ins Haus flatterten, kamen
mir erste Zweifel. Wie sollte ein Synodaler, eine Synodalin
auf der Basis dieser Vorlagen verantwortungsvoll eine Entscheidung mittragen
können? Und wenn wir uns als arme Kirche für die Ausarbeitung solcher Fragen
keine „Profis“ leisten können: Hätten wir wirklich keine eigenen Juristen und
Finanzfachleute gehabt, die so etwas so vorbereiten können, dass es allen
schriftlich vorgelegen hätte? Immerhin wurde der Antrag 1 dann auf der Synode
selbst in einer umfangreicheren Form vorgelegt, als er den Synodalen zuvor
zugesandt worden war. Auf der Synode habe ich kompetente Fachleute getroffen.
Seither will mir die Frage nicht aus dem Kopf, wie es uns allen in Zukunft
gelingen kann, die Man- bzw. die Womanpower, die wir
in unserem Bistum offensichtlich haben, besser zu vernetzen, damit solche
Anträge von vorneherein breiter aufgestellt sind.
„Kommunion und Kommunikation“, das Thema der Pastoralsynode,
war also in der Rückschau auch ein Thema des finanziellen Teils. Die Art und
Weise, wie auf Letzterem gestritten wurde, hat mich an einigen Stellen
befremdet. Diskussionen dürfen und müssen vielleicht manchmal auch heftig sein,
aber sie müssen fair bleiben. Synodalität bedeutet: Miteinander. Miteinander streiten, beten, Lösungen finden, weil alle zusammen
schließlich dasselbe Interesse haben. Das unterscheidet Synodalität fundamental
von demokratischen Entscheidungsprozessen, die von einem Interessengegensatz
ausgehen. Gleich die ersten Wortmeldungen zeigten aber, dass einige Synodale
sich in Frontlinien aufgestellt sahen. Die fehlenden Berichte der Kommissionen
bleiben ein Problem. Wäre es tatsächlich um die Berichte gegangen, hätte man
diese jedoch viel früher anmahnen müssen. Aber gut. Wer offen streitet und sich
mit seinen Beiträgen im Plenum exponiert, der kann Fehler machen. Das gehört
dazu. Noch problematischer schien mir das Verhalten derer, die im Plenum
schwiegen, doch in den Mainzer Cafés und Kneipen umso heftiger Kritik übten an
jenen, die offen gestritten haben. Das verrät in meinen Augen die eigentliche
Kommunikationsstörung und ein Problem, das wir – nicht nur in unserer Kirche –
im Kleinen wie im Großen haben: wir reden viel zu viel übereinander und viel zu
wenig miteinander.
Man kann die Menschen nicht ändern, so lautet eine alte
Weisheit, nur sich selbst. Ich nehme von dieser Synode, deren pastoraler Teil
sich aus meiner Sicht sehr gut entwickelte, den Vorsatz mit, offene
Kommunikation in dem Bereich zu pflegen, für den ich zuständig bin. Das heißt,
Konflikte nicht zu scheuen, sondern offen anzusprechen. Und zwar mit den
betreffenden Menschen selbst, nicht mit anderen. Wenn wir uns in Zukunft alle
gemeinsam um eine solche Kommunikation bemühen würden, dann kann das Wasser
auch ruhig mal wieder Oberkante Unterlippe stehen.
Henriette Crüwell