Unglückliche Vermischung

 

Ich muss zugeben, dass meine Berufung als Synodalvertreter durch meine Gemeinde für mich einen besonderen Vertrauensbeweis darstellte, dem ich mich explizit verpflichtet gefühlt habe. So habe ich denn auch die Chance der achtstündigen Anreise mit der Bahn genutzt, um mich von unserem Pfarrer Georg Reynders intensiv auf meine Rolle und Aufgabe vorbereiten zu lassen. Schritt für Schritt sind wir gemeinsam durch die zugehörigen Ordnungen und Regelungen gegangen, bevor wir intensiv über die uns vorliegenden Anträge der Synode diskutiert haben. Ehrlich gesagt hat sich mir zu dem Zeitpunkt noch nicht erschlossen, was genau eine „Pastoralsynode“ darstellt und warum diese derart von „politischen“ Themen geprägt ist – es sollte sich herausstellen, dass ich mich am Ende dieser Verwirrung nicht schämen musste.

Die zentralen Fragen und das Vorgehen der Synode sind in Christen heute, vermutlich auch in Ihrer Gemeinde und in unseren Internet-Foren ausgiebig diskutiert worden. Der Eindruck, der daraus für mich bleibt ist die Feststellung, dass die Vermischung von Pastoralsynode und basis-politischer Diskussion und Beschlussfassung kein glückliches Konstrukt ist. Die liebevoll vorbereitete Gruppenarbeit, die mir persönlich wertvolle Impulse zu liefern versprach, war schnell überlagert von der Fortsetzung der Diskussion aus dem Plenum. Für die Gruppenleiter war es sicherlich mühsam, die pastorale Gruppenarbeit und den sich ergebenden Gesprächsbedarf über die Arbeit im Plenum parallel zu moderieren. Die gewünschten Effekte der Arbeit blieben spürbar auf der Strecke, was ich persönlich sehr bedauere, denn mit der Arbeit in den Gruppen sollten ja auch Ideen transportiert werden, wie der Einzelne bestimmte Ansätze in der eigenen Gemeinde zur Anwendung bringen kann.

Für mich als Neu-Synodaler hatte die gesamte Synode einen zusätzlichen intensiven Effekt: Das persönliche Gespräch. Die Namen, die ich in der Gemeindediskussion häufig gehört hatte, bekamen Gesichter, die Gesichter, die ich im Wesentlichen aus den Marginalbildern von Christen heute kannte, wurden zu Personen. Das persönliche Gespräch innerhalb von Plenum oder Gruppe bzw. am Rande der Veranstaltungen bildete für mich einen Schwerpunkt, weil ich es als sehr wertvoll empfinde (z.B. auch im Rahmen des Fernkurses), mich mit Mit-Christen aus anderen Gemeinden und Regionen auszutauschen. Für diese Begegnungen und Gespräche war viel Raum. Mir persönlich ist es so auch gelungen, mich betreffende Unsicherheiten und Missstimmungen zur Sprache zu bringen und zu klären. Die Diskussion im Plenum rundete das Portfolio der Erkenntnisse ab, in dem ich verstehen lernte, welche Probleme andere Gemeinden bewegen und welche Vorhaben und Ideen dort diskutiert werden.

 

Vor dem Hintergrund dieser Erlebnisse halte ich zwei Gedanken, die zur Organisation zukünftiger Synoden zur Sprache kamen, für bedenkenswert:

1. Eine jährliche Synode (zunächst ohne Berücksichtigung organisatorischer Fragen) würde eine durchgängigere, zeitnahe Diskussion fördern und die rasche Entscheidungsfähigkeit der Organisation Synode fördern.

2. Eine Wahl von Synodalen für einen fest definierten Zeitraum (statt für den jeweiligen Anlass einer einzelnen Synode) würde die Durchgängigkeit der Arbeit dieses Bistumsorgans erheblich fördern, weil nicht mit Ende der Veranstaltung auch die zugehörige Berufung endet, sondern diese explizit darüber hinaus festgelegt wäre. Eine regelmäßige Einbindung der gewählten Vertreter (und mit ihnen der Gemeinden) in die Arbeit der SV wäre auf diesem Wege möglich und wünschenswert.

 

Ich werde mich für die nächste Wahl als Synodalvertreter auf jeden Fall wieder zur Verfügung stellen und hoffe sehr, dann erneut das Vertrauen meiner Gemeinde zu erhalten, um das jetzt Begonnene dann fortsetzen zu können.

 

Reiner Knudsen