Ein Hoffnungsträger

Neuer Patriarch der Rumänischen Orthodoxen Kirche

 

Als am 12. September 2007 der Erzbischof von Iaşi/Jassy und Metropolit von Moldawien und der Bukowina, Daniel Ciobotea, zum Patriarchen der rumänischen orthodoxen Kirche gewählt wurde, haben sich im In- und Ausland Hoffnung erfüllt. Ihm traut man zu, dass er der Kirche noch mehr, als es bisher schon der Fall war, Impulse zur spirituellen und diakonischen Erneuerung und Sendung in einer Gesellschaft geben wird, die sich in einer schwierigen Situation des Umbruchs befindet, die auch fast zwanzig Jahre nach der politischen Wende noch keineswegs beendet ist.

Eigentlich hat man schon früher mit seiner Wahl zum Patriarchen gerechnet, als 1990 eine Gruppe von Bischöfen den im letzten Juli verstorbenen Patriarch Teoctist (geboren als Toader Arapaşu, 1915-2007) wegen seiner Nachgiebigkeit gegenüber dem diktatorischen Regime von Ceauşescu für abgesetzt erklärt hatte. Er wurde etwas später wieder eingesetzt und ist im Westen vor allem deswegen bekannt geworden, weil er sich um eine Verbesserung der Beziehungen zwischen der orthodoxen und der anderen historischen Kirche in Rumänien eingesetzt hatte. Ihm rechnete man es auch an, dass 1999 mit Johannes Paul II. erstmals ein Papst ein Land mit überwiegend orthodoxer Bevölkerung besuchen konnte. Was hingegen liegen blieb, war eine sachgemäße und befreiende Aufarbeitung der früheren Verbindung von kirchlichen Exponenten mit der kommunistischen Staatspolizei.

 

Spirituelle Theologie

 

Dan Ilie Ciobotea, geboren am 22. Juli 1951, studierte 1970 bis 1976 an den theologischen Instituten (heute wieder universitäre Fakultäten) von Sibiu/Hermannstadt und Bukarest orthodoxe Theologie. Im Rahmen des Doktoratsstudiums verbrachte er je zwei weitere Jahre an den theologischen Fakultäten von Strassburg (protestantisch) und Freiburg im Breisgau (römisch-katholisch). Da die 1979 in Strassburg erfolgte Promotion nicht einfach übernommen („nostrifiziert“) werden konnte – ein Problem, das im nunmehr gemeinsamen europäischen Hochschulraum einmal verschwinden sollte –, doktorierte er ein Jahr später in Bukarest bei Prof. Dumitru Stăniloae (1903-1993), einem der bedeutendsten und anregendsten theologischen Lehrer der zeitgenössischen Orthodoxie, mit einer erweiterten Fassung der Strassburger Dissertation. Sie handelt vom Zusammenhang von Theologie und Spiritualität, was schon deutlich die Richtung seines kirchlichen und wissenschaftlichen Anliegens zeigt.

 

Bossey und ÖRK

 

1980 bis 1988 war Ciobotea Dozent am Ökumenischen Institut in Bossey bei Genf. Aus jener Zeit datieren auch einige Bekanntschaften mit Christkatholiken: So gab er zum Beispiel im Juni 1985 auf dem Generalkapitel der Bruderschaft des Hl. Johannes des Täufers eine Einführung in das religiöse Verständnis der Ikone. Mit Altbischof Hans Gerny traf er später noch wiederholt auf den Sitzungen des Zentralkomitees des Ökumenischen Rates der Kirchen in Genf zusammen.

Seit 1990 Bischof, war er in einer Reihe von internationalen ökumenischen Gremien ein geachteter Repräsentant seiner Kirche. Besonders hervorzuheben sind aber seine Bemühungen um eine verbesserte theologische Ausbildung von Geistlichen und Laien – ab 1992 lehrte er an der reaktivierten Fakultät in Iaşi – wie auch um eine Profilierung des sozial-karitativen Dienstes der Kirche. Nicht unerwähnt soll schließlich bleiben, dass er bei seinem Wechsel in den Mönchsstand 1987 im Kloster Sihăstria Vater Cleopa (geboren als Constantin Ilie, 1912-1998) zum geistlichen Vater hatte. Zu diesem „Starzen“ sind über die Jahre hinweg Abertausende von Rat und Zuspruch suchenden Menschen gepilgert – ein Phänomen, das uns wohl ziemlich fremd vorkommt.

 

Das Wahlkollegium, das den Patriarchen bestimmt, besteht im Wesentlichen aus allen Bischöfen sowie je drei Delegierten eines jeden Bistums (ein Geistlicher, zwei Laien). Dieses Verhältnis von Geistlichen und Laien ist eine Eigenheit der rumänischen orthodoxen Kirche, die analog auch für Bischofswahlen gilt. Metropolit Daniel erhielt 95 Stimmen, der Metropolit und Erzbischof von Cluj-Napoca/Klausenburg, Bartolomeu (Anania), deren 66. Die Inthronisation fand am 30. September 2007 statt. Unsere Wünsche für Gottes Segen begleiten den Patriarchen auf dem Weg in seinem neuen Amt – und auch die Hoffnung, dass die alt-katholischen Verbindungen zur rumänischen orthodoxen Kirche, die in den letzten Jahren vor allem durch Bischof Joachim Vobbe wahrgenommen worden sind, vertieft werden.

 

Urs von Arx

 

Mit Dank an das Christkatholische Kirchenblatt für die Abdruckerlaubnis.