baf und die Sprache
Jahrestagung des Bundes alt-katholischer Frauen
Sprache verändert Wirklichkeit: Wirklichkeit verändert
Sprache. Die Macht der Sprache ist real, ob es dir bewusst ist oder nicht. –
Dieser Titel zitierte das Motto bei der baf-Jahrestagung vom 19. bis 22.
Oktober in Schmerlenbach bei Aschaffenburg. Und so wurden Sprechen und Sprache
angeschaut und abgeklopft: Wer spricht, wer wird genannt, wer ist gemeint? Und
was ist „gerechte“ Sprache in Gesellschaft, Liturgie und in der Bibel?
Beim Begrüßungsabend wurde Sprache in einem neuen baf-Song
thematisiert. „Superkalifagilistsichextro-altkatholisch“ Frauen wollen nicht
nur mitgemeint, sondern auch mitbenannt werden. Doch an diesem Abend waren
neben dem Spielen mit der Sprache auch die Begrüßung und das Treffen von neuen
und alten Freundinnen wichtig.
Am Freitag wurde dann intensiv gearbeitet: Am Vormittag
stand im Referat von Vikarin Alexandra Caspari: „Die Frau ist nicht der Rede
wert“ die Rolle der Sprache im Mittelpunkt. Wie Sprache Wirklichkeit ausdrückt
oder verschleiert, haben wir uns an Beispielen aus der Gesellschaft und aus der
Liturgie angesehen. Im liturgischen Handeln spricht oft die oder der
Vorstehende des Gottesdienstes für die versammelte Gemeinde. Dabei ist es
besonders wichtig, dass in der liturgischen Sprache die Wirklichkeit aller
Gemeindemitglieder zur Sprache kommt. In diesem Zusammenhang verglich Alexandra
Caspari Präsidialgebete aus dem römisch-katholischen und dem alt-katholischen
Eucharistiebuch und stellte fest, dass es in vielen Bereichen schon eine große
Sensibilität für die „inklusive“ Sprache in unserem Eucharistiebuch gibt. Aber
eine Gruppenarbeit, die gekürzte Lesungstexte mit dem ungekürzten Original
verglich, zeigte, dass es auch bei uns an manchen Stellen noch Handlungsbedarf
gibt.
Bibel in gerechter Sprache
Nach der Mittagspause, die viele zu Spaziergängen im
herbstlichen Spessart nutzten, war am Nachmittag Bibelarbeit angesagt. Diese
Bibelarbeit verlangte von uns allerdings unsere Zuhörfähigkeiten, denn Luise
Metzler berichtete von der Arbeit an der Übersetzung der „Bibel in gerechter
Sprache.“ Gerecht will diese Übersetzung gegenüber dem Urtext sein, gegenüber
den Menschen damals und den Menschen heute. Besonderes Augenmerk wurde auf eine
geschlechtergerechte Sprache und auf die Vermeidung von Anti-Judaismus gelegt.
Frau Metzler hat uns temperamentvoll und engagiert die Geschichte der
Übersetzung geschildert, die Methoden und Vorgehensweisen vorgestellt und
wunderbare Geschichten aus der Praxiserprobung erzählt. Die übersetzten Texte
wurden an Gemeinden und Einzelpersonen gegeben, die mit diesen Texten
arbeiteten und Kommentare und Anregungen an die Übersetzer zurückmeldeten, so
dass diese die Texte entsprechend überarbeiten konnten.
Vieles ist an dieser Übersetzung ungewöhnlich: Sie benennt
die Kriterien der Übersetzung, sie erklärt zentrale biblische Begriffe im
Anhang, sie ist durch Spenden finanziert. Am auffälligsten ist aber, dass sie
den Namen Gottes durch eine Vielzahl von Begriffen wiedergibt: Der/die
Lebendige, der/die Ewige, HaSchem. Das führt dazu, dass vertraute Texte
plötzlich neu klingen und neu zum Nachdenken anregen, wie wir an den
Beispielen, die uns Frau Metzler in ihrem Vortrag gab, überprüfen konnten.
Nach diesem intensiven Tag konnten wir am Abend unsere
kreativen Fähigkeiten in Neigungsgruppen, wie meditativer Tanz, meditatives
Malen oder Haikus dichten, ausleben oder uns mit neuen Spielen entspannen.
Hauptversammlung
Samstagnachmittags schließlich die 33. baf-Hauptversammlung:
Hier wurde die Resolution an Bischof und Synodalvertretungen zur Verwendung
einer inklusiven Sprache in kirchlichen und liturgischen Gebrauch
verabschiedet. (Abdruck in der nächsten Ausgabe von Christen heute).
Die Sitzung war tränenreich, weil Heidi Herborn, nach 30
Jahren als baf-Vorstandsfrau, davon zehn Jahre als erste Vorsitzende, ihren
Rücktritt verkündete. Hier ging eine Ära zu Ende. Mit standing ovations
würdigten die Frauen Heidis Arbeit. Die Reinkens-Medaille, am Bunten Abend von
Hajo Rosch im Rahmen eines Sketches überreicht, war eine Anerkennung der vielfältigen
Aufgaben, die Heidi nicht nur bei baf, sondern auch im Bistum übernommen hatte.
Bewegend die vielen Beiträge von Frauen (als Gruppe, als Abgesandte der
holländischen, österreichischen, schweizerischen Schwestern sowie von Katja
Nickels, Heidis Amtsvorgängerin), die Heidis Arbeit über die Jahre und
Jahrzehnte würdigten und ihrem Abschiedsschmerz Ausdruck verliehen. Heidi
selbst verabschiedete sich als Clownin – mit Saxophon-Einlage. Weinen und
Lachen liegen so nahe beieinander.
Lydia Ruisch, seit zwölf Jahren im baf-Vorstand, ist die
neue baf-Vorsitzende. Erfahren und gut eingearbeitet im Team ist sie Garantin,
dass die erfolgreiche Arbeit von baf in Kontinuität weitergeführt wird. Marion
Wenge rückt für Heidi in den Vorstand von baf nach.
Am Sonntagmorgen war mit dem meditativen Gottesdienst ein
weiterer Höhepunkt. Die Ruach, die Geisteskraft, war das Thema des
Gottesdienstes, und sie wurde mit Liedern, Tänzen, Briefen und Gebeten gerufen
und spürbar. Besonders schön war, dass wir mit Marlies Dellagiacoma eine
Priesterin bei uns hatten und gemeinsam als Frauen Eucharistie feiern konnten.
Nach dem Mittagessen am Sonntag ging die Tagung zu Ende. Ein großes Dankeschön
an den baf-Vorstand für die viele Arbeit, die in dieser schönen Zeit steckte, und
an alle, die mitgeholfen haben, bei Organisation, Kinderbetreuung und all den
vielen Kleinigkeiten, die eine solche Tagung erst richtig gelingen lassen.
Was bleibt? Das Erlebnis von Frauengemeinschaft, von
gemeinsamem Lachen und Lernen, die Ideen und Inspirationen aus den Vorträgen
und Gruppenarbeiten, die wir sicher mit in unsere Gemeinden nehmen und die
Vorfreude auf die nächste baf-Jahrestagung 2007, auch wieder in Schmerlenbach.
Liesel Bach & Claudia Schläfke