>> Archiv Positionen 2015

Positionen Januar 2015 von Michael Edenhofer

 Liebe Hörerinnen und Hörer!

„Alles, was wir woll`n auf Erden, wir woll`n alle glücklich werden.“

So sang die Schlagersängerin Ramona in einem Lied in den 70–ziger Jahren. Ich denke, sie hat damit die Ur–Sehnsucht des Menschen angesprochen:

Jeder Mensch möchte glücklich werden, möchte ein gutes, frohes und harmonisches Leben führen. Es gibt vermutlich keinen Menschen, der nicht möchte, dass er glücklich ist. Die Frage ist aber: Was aber macht ein Leben froh und glücklich – angesichts einer Welt, in der es auch viel an Dunkelheit gibt?

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Positionen Februar 2015 von Harald Klein

Spiele sind nicht immer Spiele, aus manchem kann blitzschnell Ernst werden. Das wissen wir alle sehr genau, verehrte Hörerinnen und Hörer.

Was ich als Kind gern gespielt habe, das war „Schwarzer Peter“. Ich erinnere mich da an so manchen Kindergeburtstag. Ein ganz einfaches Kartenspiel mit dem Risiko, evtl. am Ende ein bisschen schwarz angemalt zu werden.

Zu Beginn erhält jeder Mitspieler eine bestimmte Anzahl von Karten, die er oder sie in der Folge pärchenweise ablegen kann: also zum Beispiel Herz 9 und Karo 9. Solo-Karten bleiben auf der Hand. Wer als erster alle Karten ablegen konnte, ist der Gewinner.

Aber stopp, in diesem Spiel geht es gar nicht um den Gewinner. Es geht vielmehr um den Verlierer. Denn eine Karte im Spiel hat kein Gegenüber, keinen Ablegepartner. Und das ist - vorher festgelegt - der Pik Bube. Wer den hat, bekommt nie die Hände leer, diese eine Karte bleibt wie Pech an ihm kleben, und damit wird er zum Verlierer. Also gibt es für jeden nur ein Ziel: den Pik Buben loszuwerden.

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Positionen März 2015 von Daniel Saam

Singt dem König Freudenpsalmen, Völker, ebnet seine Bahn!

Zion streu ihm deine Palmen! Sieh, dein König kommt heran.

Der aus Davids Stamm geboren, Gottes Sohn von Ewigkeit,

uns zum Heiland auserkoren: er sei hochgebenedeit.

 

David sah, im Geist entrücket, den Messias schon von fern,

der die ganzeWelt beglücket, den Gesalbten, unsern Herrn.

Tochter Zion, streu ihm Palmen, breite deine Kleider aus,

sing ihm Lieder, sing ihm Psalmen! Heut beglückt der Herr dein Haus.

 

Sieh, Jerusalem, dein König, sieh, voll Sanftmut kommt er an.

Völker, seid ihm untertänig; er hat allen wohlgetan.

Den die Himmel hoch verehren, dem der Chor der Engel singt,

dessen Ruhm sollt ihr vermehren, da er euch den Frieden bringt.

  

Verehrte Hörerinnen und Hörer!

Das Lied, das wir gerade gehört haben, wird heute sehr wahrscheinlich in vielen Gemeinden im Gottesdienst gesungen. Die Kirchen in katholischer und evangelischer Tradition feiern heute den Palmsonntag. Jesus, so berichten alle vier Evangelien, kommt nach Jerusalem und wird dort, zumindest von einigen Menschen, wie ein König begrüßt.

Wie würden Sie sich den Einzug eines Königs in Jerusalem vorstellen? Wie, wenn Sie das überhaupt möchten, würden Sie sich den Einzug eines Königs in der Landeshauptstadt München vorstellen?

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Positionen Juli 2015 von Harald Klein

Verehrte Hörerinnen und Hörer!

Jetzt in der Sommerzeit ist der Garten ein Ort, an dem man gerne ist. Da lässt man es sich gut gehen. Auf dem Rasen, im Liegestuhl, inmitten vom Lattenzaun. Wenn ich von der Straße her oder vom Fahrradweg her einen Garten sehe, eingegrenzt von einem Lattenzaun, dann fällt mir ein Gedicht von Christian Morgenstern ein: Es ist überschrieben mit „Der Lattenzaun“.

„s war einmal ein Lattenzaun - mit Zwischenraum, hindurchzuschaun.

Ein Architekt, der dieses sah, stand eines abends plötzlich da.

Er nahm den Zwischenraum heraus und baute draus ein großes Haus.

Der Zaun indessen stand ganz dumm mit Latten ohne was herum.

Ein Anblick grässlich und gemein, drum zog ihn der Senat auch ein.

Der Architekt jedoch entfloh nach Afri- od Ameriko.“

So ein richtig schönes, typisches Morgenstern-Gedicht. Mit einem Hang zum Nichts und doch auch mit einem hinterhältigen Sinn.

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Positionen August 2015 von Dr. André Golob

Können sie, liebe Zuhörerin, lieber Zuhörer, Fahrradfahren? Ich denke schon, aber erinnern sie sich noch daran, wie sie es gelernt haben, das Fahrradfahren? Für mich ist es als wäre es gestern gewesen. Es begann Heiligabend: zwischen Krippe und Tannenbaum stand ein merkwürdiges Gebilde, ein Konglomerat aus Geschenkpapier und Tesafilm – filigran zusammengeklebt. Es verbarg sich unter dieser Geschenkpapierhaube ein quietschrotes Fahrrad. Ich fand es wunderschön. Außerdem befand sich daneben noch ein Paket mit den dazugehörigen Stützrädern. Na ja, einige Wochen trainierte ich mit den Stützrädern und irgendwann wurden diese dann abgenommen. Es begann der zweite Schritt der Fahrradfahrschule. Meine Mutter fasste hinten am Gepäckträger und lief mit mir mit. Mir war schon etwas mulmig zumute ohne die Stützräder, aber da meine Mutter mich festhielt und mitlief war ich mutig. Eines Tages dann, ich weiß noch, es war ein sonniger Tag und die Luft roch nach Flieder, ereignete sich etwas Einschneidendes. Ich radelte los, meine Mutter hinterher, den Gepäckträger fest im Griff. Ich war besonders sicher und radelte drauf los, der Sonne entgegen. Nach einer langen Strecke blickte ich mich zu meiner Mutter um, und sah – ja ich sah sie nicht mehr. Ganz hinter stand sie am Anfang der Straße und hatte losgelassen. Eben noch sicher und erhobenen Hauptes, begann ich zu straucheln, Sicherheit und Selbstbewusstsein waren weg und dann geschah es: Ich legte mich so richtig auf die Nase.

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Positionen Oktober 2015 von André Golob

Liebe Zuhörerin, lieber Zuhörer, waren sie schon einmal in einer Höhle?

In meiner Studienzeit habe ich einmal an einer Höhlentour teilgenommen - im Sauerland, im Süden Westfalens. Mein Freund Dieter - ein Sauerländer - finanzierte sich mit solchen Touren sein Mathematikstudium und eines Tages sagt er zu mir: Komm doch einfach mal mit und schau dir das an. Ich nahm sein Angebot an und es war das Grauen. Erwartet hatte ich die aufrechte Besichtigung von großen Tropfsteinhallen, wurde dann aber schnell eines besseren belehrt. Es hieß in enge, feuchte Löcher zu kriechen, Röhren, so eng, dass ich mitunter stecken blieb und mein Begleiter mich herausziehen musste. Heute würde ich das wegen meines Waschbärbauchs gar nicht erst versuchen. Aus Zuneigung zu meinem Freund habe ich das damals ohne Murren ertragen – es hatte ja auch etwas von Abenteuer.

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Positionen November 2015 von Harald Klein

Heute morgen möchte ich Sie, verehrte Hörerinnen und Hörer, auf eine Reise mitnehmen: und zwar in den Norden, in Richtung Heide und letztlich Buxtehude. Es ist ein herrlicher Urlaubstag im Spätherbst. Der Buchweizen blüht. Die Sonne steht am Himmel, und der Wind streicht warm über die Stoppeln. In einiger Entfernung gehen Leute im Sonntagsstaat zur Kirche, jedenfalls machen sie den Eindruck.

Ganz in der Nähe sehe ich jemanden, der vergnügt durch die Natur spazieren geht. Er flötet, pfeift vor sich hin. Aber dann ändert er plötzlich seine Gangrichtung und marschiert geradewegs auf ein Feld zu. Ob er nach den Rüben da schauen will oder was er sonst im Sinn hat, weiß ich nicht. Irgendetwas hat er jedenfalls vor, stößt aber urplötzlich auf jemand ganz Anderen. Der kommt da aus dem Gebüsch heraus und richtet sich hoch auf. Ob sich die beiden kennen? Wenn, dann aber wohl nicht im Guten. Ich sehe, wie der Kleine, der Erstere, sich etwas zur Seite bewegt. Es nützt aber nichts. Der andere baut sich vor ihm auf und donnert ihn an. Ich bekomme einen richtigen Schreck. Am frühen Sonntagmorgen solch eine Stimmung. Und dann kann ich so gerade verstehen: "Was wollen Sie hier überhaupt?"

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